Rezension – Es klingelte an der Tür

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Rachel Bruner, reiche Witwe und Exzentrikerin, hat zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches über das FBI gekauft und an Menschen im ganzen Land verschickt. Eben jene Institution, von der das Buch handelt, hat sie damit auf den Plan gerufen. Genervt von der ständigen Überwachung und Verfolgung wendet sie sich an Nero Wolfe, New Yorks bekanntesten Privatermittler.
Dieser ist wenig begeistert (wie soll ein einzelner Mann das FBI aufhalten?) und nimmt den Auftrag nur aufgrund der in Aussicht gestellten Belohnung an. Doch dann kommt ihm der Mordfall an einem Journalisten dazwischen – und vielleicht sogar ganz gelegen …
LESEPROBE

Auf der Website des Verlags (und auch auf NetGalley) steht folgendes über Rex Stout und seinen Privatdetektiv:

Rex Stout war einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Seine literarische Schöpfung, der Privatdetektiv Nero Wolfe, zählt bis heute zu den berühmtesten Figuren des Genres.
Klett-Cotta Verlag

Neben der Tatsache, dass mich der Klappentext angesprochen hat und mir auch das Cover ganz gut gefällt, hat mich diese Aussage neugierig gemacht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich noch nie von Rex Stout, geschweige denn Nero Wolfe, gehört habe.
Das sollte sich mit diesem Buch also ändern und ich hoffte auch, Zuwachs für meine liebsten „cosy crime“-Ermittler zu finden.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, war ich lange unentschlossen, ob es mir gefallen hat oder mich enttäuschte.
Die Geschichte an sich fand ich toll. Schon allein die Idee, sich gegen das FBI aufzulehnen, fand ich ziemlich außergewöhnlich. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Vorgehensweise von Wolfe und seinem Assistenten Archie Goodwin. Mir hat gut gefallen, dass die beiden tatsächlich ermitteln und kaum etwas dem Zufall überlassen wurde. Wenn ein Krimi durch reines Glück gelöst wird, bin ich danach immer ziemlich unbefriedigt mit der Geschichte. Das war hier auf jeden Fall nicht so.

Wolfe […] würde nicht mal ans Fenster treten, um einen Tatort in Augenschein zu nehmen.
– Archie Goodwin, Pos. 858 Kindle-Edition

Trotzdem glaube ich nicht, dass Nero Wolfe und ich richtig gute Freunde werden. Zum einen fand ich es ziemlich erstaunlich zu lesen, dass er so gut wie nie das Haus verlässt und auch selten selber ermittelt. All das übernimmt Archie Goodwin, während sich Wolfe auf einige wenige Gespräche mit der Klientin und anderen Personen beschränkt. Er lässt sich nahezu alles von Goodwin zutragen. Die einzige Sache, die man wirklich ihm zuschreiben konnte, war der große Coup, der letztendlich den Fall löst. Aber bis dahin wäre er ohne Goodwin überhaupt nie gekommen. Mich hat es daher sehr gestört, dass Wolfe als der beste Detektiv New Yorks dargestellt wird, wo er nur einen Bruchteil der eigentlichen Arbeit macht.

Zu [Nero Wolfes] Grundüberzeugungen zählt, dass jede Meinung, die man sich über eine Frau bildet, nur falsch sein kann.
– Archie Goodwin, Pos. 1686 Kindle-Edition

Umso besser gefallen hat mir da Archie Goodwin, über und mit dem man immer mal wieder schmunzeln konnte und der auch wirklich nicht doof ist. Wie schon gesagt, macht er im Grunde die ganze Arbeit und erhält dafür selten bis gar keine Anerkennung. Teilweise habe ich allerdings auch über ihn den Kopf geschüttelt, wenn er wieder einmal recht sexistische Aussagen von sich gibt.

Daran und am Schreibstil merkt man durchaus, dass dieses Buch vor über 50 Jahren geschrieben wurde. Goodwins Aussagen sind mir zwar manchmal gegen den Strich gegangen, aber ich fand es interessant zu lesen, wie ohne Internet und andere moderne Annehmlichkeiten vorgegangen und ermittelt wurde. Ich hatte oftmals das Gefühl, wirklich einen kurzen Blick in das New York der 60er Jahre zu werfen.

Dank Archie Goodwin hat mir das Buch Spaß bereitet und konnte mich letztendlich doch überzeugen und auch die Geschichte selber ist auf jeden Fall lesenswert.

„Ich weiß, der Torheit auszuweichen, ohne mich in Angst zu flüchten.“
– Nero Wolfe, Pos. 125 Kindle-Edition

Über Rex Stout:
Stout wurde 1886 in Indiana geboren und wuchs in Kansas auf. Er zeigte sehr früh eine hohe geistige Entwicklung, las mit vier Jahren bereits die Bibel und hatte bis zu seinem zwölften Lebensjahr die über 1100 Bücher seines Vaters gelesen. Die Universität besuchte er allerdings nur für kurze Zeit, stattdessen hielt er sich als Buchhalter über Wasser, bevor er von 1905-1908 in der Army diente. Danach arbeitete er für rund acht Jahre in unzähligen Gelegenheitsshops.
1916 heiratete er Fay Kennedy und arbeitete zusammen mit seinem älteren Bruder an einem neuen Schulsparkassensystem, von dem er und seine Frau sich schon drei Jahre später als wohlhabende Leute zurückziehen konnten. Die Jahre 1927 bis 1929 verbrachten die beiden in Europa, 1929 begann er dort die Arbeit an seinem ersten Roman.
Im selben Jahr kehrte das Ehepaar in die USA zurück und verloren zudem einen Großteil ihres Geldes in der Finanzkrise. Allerdings hatte er genug über, um sich in Conneticut ein Haus zu bauen, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnte und schrieb. Aufgrund der neuen, deutlich ärmeren, Lebenssituation begann es zwischen den Eheleuten zu kriseln, 1932 ließen sie sich scheiden. Noch im selben Jahr heiratete er Pola Hoffmann, mit der er zwei Töchter hatte.
1933 schrieb er seinen ersten Kriminalroman, der gleichzeitig auch der erste Fall mit Nero Wolfe war. Während der amerikanischen Beteiligung am Zweiten Weltkrieg schränkte er seine schriftstellerischen Tätigkeiten ein und steckte seine Energie in eine stark deutschlandfeindliche Gesinnung. 1945 verbrachte er erneut einige Monate in Europa, diesmal als Kriegsberichterstatter.
Danach widmete er sich wieder vollständig dem Schreiben; zwischen 1946 und 1966 veröffentlichte er jedes Jahr einen Nero-Wolfe-Roman und zudem zahlreiche Erzählungen um den Privatdetektiv.
Es klingelte an der Tür bescherte ihm letztendlich ein breiteres Publikum und Anerkennung als Schriftsteller, da es einen kleinen Skandal mit dem FBI hervorrief.
1975 vollendete Stout den letzten Nero-Wolfe-Roman und starb in Conneticut, nachdem er jahrelang unter schweren Krankheiten gelitten hatte.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinung zum Buch:


Bildquelle Cover: Klett-Cotta
Bildquelle Freiheitsstatue: Statuecruises
Bildquelle Autorenbild: Criminal Element

Gastbeitrag von Lilly – Bücher, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommen

Hallo ihr Lieben!

Ich freue mich sehr, dass heute der erste Gastbeitrag auf meinem Blog online geht. Er kommt von der lieben Lilly, die auf dem Blog Lillys kleine Bibliothek schreibt und als Lesepanda auch auf Twitter zu finden ist.
Nachdem ich vor kurzem bei ihr über meine Lieblingsbücher berichten durfte, stellt sie nun fünf Bücher vor, die ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten.

Vergesst auch nicht, einmal auf ihrem Blog vorbei zu schauen!


Vor kurzem hat die liebe Celina auf meinem Blog ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Jetzt möchte ich fünf Bücher vorstellen die, meiner Meinung nach, zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ich hab versucht eine gute Mischung zu erstellen, so das für jeden was dabei ist.

Beginnen wir mit einem Buch, das eher durch Zufall in meine Sammlung kam. Ich und eine Freundin hatten einfach ein Buch gemeinsam lesen wollen und uns für Das Buch ohne Namen entschieden. Ein Buch, das viel mehr hält, als es verspricht. Mystische und zwielichtige Gestalten wandeln auf den Straßen der fiktiven Stadt Santa Mondega. Doch dem wird bald ein Ende gesetzt, ein blutiges Wohlgemerkt, denn Bourbon Kid ist in der Stadt.
Das Buch ohne Namen ist ein Mix aus Thriller, Western, Zombies und anderen gruseligen Dingen, die einem einfallen. Hierbei geht es nicht nur um einen Kampf gegen einen Untoten, man hat auch einen äußerst semisympathischen Antagonist. Und noch wichtiger: Elvis

Broken Dolls habe ich damals in einer Zeitschrift gesehen und wenige Tage später gehörte aus auch schon mir. Im Sommerurlaub auf Teneriffa habe ich es dann verschlungen. In Broken Dolls wird der Profiler Jefferson Winter nach England gerufen. Vier Frauen sind bereits Opfer des perfiden Täters geworden. Dieser tötet seine Opfer allerdings nicht, sondern entfernt ihnen ein Teil des Gehirns.
Ich habe mehrmals schlucken müssen in diesem Buch, weil vieles sehr nah beschrieben wurde. Eine bestimmte Stelle, geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Mit einem sehr eigenen, verwirrten und zerstreutem Protagonisten ist Broken Dolls ist ein gut gelungener Thriller, der sich wortwörtlich ins Hirn bohrt.

Die Sehnsucht des Vorlesers
Auch hier war eine Leseprobe der Grund meines Kaufs Ich hatte einfach mal etwas anderes einlassen wollen. Und das habe ich auch nicht bereut. Guylain arbeitet in einer Papierverwertungsfabrik und das obwohl er Bücher liest. Deswegen liest er auch jeden Morgen im Zug die Seiten vor, die er der Schreddermaschine entreißen konnte. Bis ihm eines Tages ein USB-Stick vor die Füße fällt, der das Tagebuch einer jungen Frau enthält. Jetzt sind es ihre Geschichten, die er vorliest und eines ist ihm sicher: Er muss diese Frau finden.
Die Sehnsucht des Vorlesers ist ein ruhiges Buch, das man Abends sehr gut bei einer schönen Tasse Tee auf dem Sofa lesen kann. Oder um ein wenig den Flair Frankreichs zu bekommen, bei einem Glas Rotwein.

Ob es ein Sachbuch ist oder ein doch eher eine Ansammlung an Erfahrungen, kann ich nicht sagen. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass mir Du bist viel schöner, wenn ich Recht habe, wundervolle Stunden beschert hat.
Hier teilen Pärchen ihre Tricks, wie sie die Liebsten dazu bringen, gewisse Aufgaben zu erledigen. Wie bringt man den Ehemann dazu, total erregt das Haus zu putzen? Wie schafft man, es für den anderen abzunehmen, ohne an Gewicht zu verlieren? Das und viele andere Fragen werden hier beantwortet.

Zum Schluss kommen wir zu einem Buch, welches ich gerade erst beendet hab. Genauer gesagt, habe ich es als Hörbuch gehört. Das Kind, das nachts die Sonne fand lag über einem Jahr auf meinem SuB. Und ich bereue es. Ich hätte es schon viel früher zur Hand nehmen sollen. Markus wächst als Sohn des Fürsten von Raünvahl auf und wird Zeuge, wie seine Familie Opfer eines blutigen Überfalls wird. Gerettet von Eloisa, der Tochter der Hebamme, wächst er als Leibeigener Mikael auf. Doch schnell wird ihm klar, dass sein Herz für Rache und Gerechtigkeit schlägt.
Das Buch begleitet Mikaels Werdegang und weist, trotz der vielen Seiten, keine Langeweile auf. Schnell hatte ich die kleine Famile ins Herz geschlossen und immer wieder mitgefiebert.

So, das waren sie auch, meine fünf Bücher. Habt ihr eines davon selbst gelesen?


Bildquelle Das Buch ohne Namen: Amazon
Bildquelle Broken Dolls: dtv
Bildquelle Die Sehnsucht des Vorlesers: dtv
Bildquelle Du bist viel schöner, wenn ich recht habe: Rowohlt
Bildquelle Das Kind, das nachts die Sonne fand: Lübbe Audio

Rezension – Men Explain Things to Me

Mit insgesamt neun Essays widmet sich Rebecca Solnit in diesem Buch der Frage, wie im Augenblick die Geschlechterverhältnisse sind und warum der Feminismus noch immer dringend nötig ist. Sie geht dabei mit viel Witz und Ironie, aber auch harten Fakten vor und führt dem Leser so vor Augen, dass man sich nicht auf dem Ausruhen sollte, was Frauen früherer und der jetzigen Generation erreicht haben.

I mean, what is a woman? I assure you, I do not know. I do not believe you know.
– Virginia Woolf, S. 96

Auf Goodreads bin ich Mitglied der Our Shared Shelf-Gruppe, die von Emma Watson ins Leben gerufen wurde und sich Literatur über Gleichheit, insbesondere in Bezug auf Feminismus und Gleichheit der Geschlechter widmet. Dort kam immer mal wieder dieses Buch von Rebecca Solnit auf, besonders wenn es um Vorschläge ging, und mittlerweile sehe ich es auch immer wieder auf Twitter, entweder als aktuelle Lektüre oder Rezension. Schon länger stand es daher auch bei mir auf der Wunschliste und als nun ein Büchergutschein aus der Versenkung aufgetaucht ist (wie der überhaupt verschwinden konnte ist mir immer noch ein Rätsel), habe ich die Chance genutzt und mir dieses Buch gekauft.

Obwohl das Buch eigentlich eher als Büchlein bezeichnet werden müsste, habe ich fast eine Woche gebraucht, um es zu lesen. Der Grund dafür ist, dass ich es regelmäßig schon nach wenigen Seiten wieder zur Seite legen musste, da sich mein Kopf bis obenhin gefüllt anfühlte.
Gefühlt in jedem Satz liefert Solnit einen neuen Denkanstoß und sorgt dafür, dass man in seinem Lesefluss pausiert, um über das Geschriebene nachzudenken. Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Buch mich so sehr zum Nachdenken angeregt hat wie schon lange kein anderes, vielleicht sogar noch nie. Dieses ständige Nachdenken sorgte aber eben auch dafür, dass ich diese Essays nicht einfach so zwischendurch lesen konnte.

Rape culture affects every woman. Most women and girls limit their behavior because of the excistence of rape. Most women and girls live in fear of rape. Men, in general, do not.
– S. 130

Sie untermauert ihre Aussagen mit Fakten, die mich grünlich im Gesicht gemacht haben – vor Übelkeit. Ich saß einmal in der Bahn und musste das Buch nach ungefähr zwei Seiten wieder einpacken, weil ich dachte, ich muss mich übergeben. Erschreckend sind dabei nicht nur die harten Tatsachen selbst (Statistiken über Vergewaltigungen, vornehmlich in den USA, ebenso wie einzelne Fallbeispiele), sondern oftmals noch viel mehr die Reaktion von Behörden und dem Umfeld. Was mich besonders krank macht ist das victim blaming (verlinkt ist der englische Wikipedia-Artikel; im Deutschen finde ich das Wort „Täter-Opfer-Umkehr“ sehr bezeichnend), auf das Solnit mehrmals eingeht.
Zwar bezieht sie viele Beispiele und Statistiken auf Amerika, aber eine schnelle Google-Suche zeigt eben, dass Deutschland von der Rape Culture nicht ausgeschlossen ist (interessanter Artikel dazu aus der taz HIER). Eines meiner großen Laster ist, dass es mir ziemlich leicht fällt, über „die Amis“ den Kopf zu schütteln (und Trump macht es nicht einfach, sich das abzugewöhnen!). Aber in diesem Fall sollten wir tatsächlich erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, bevor wir die USA, oder auch Indien, Pakistan, Südafrika und so weiter (erschreckend, wie lang diese Liste werden könnte), verurteilen.

(Rebecca Solnit zitiert diesen Tweet auf Seite 125. Ich finde ihn sehr treffend.)

Eine andere Sache, die Solnit angesprochen hat und auf die der Tweet anspielt ist, dass FeministInnen immer wieder betonen müssen, dass es nicht darum geht, den Männern irgendwelche Rechte wegzunehmen und dass, gerade in Diskussionen um die Rape Culture, nicht impliziert wird, dass alle Männer so sind. Es geht auch nicht darum, die Frauen grundsätzlich als Opfer und die Männer immer als Täter darzustellen, es geht nicht darum, zu verleugnen, dass es auch falsche Anschuldigungen gibt und dass auch Männer Opfer sexueller Gewalt werden können. Aber die Tatsache bleibt nun einmal bestehen, dass im größten Teil der Fälle von sexueller Gewalt der Täter männlich ist.
Wir leben im 21. Jahrhundert und dass diese Dinge noch immer extra betont werden müssen, ist eigentlich ein Armutszeugnis.

Alle Essays drehen sich zwar darum, inwiefern Frauen noch immer benachteiligt sind und warum Feminismus auch im 21. Jahrhundert dringend nötig ist, aber sie gehen das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln an. Dabei nutzt Solnit die unterschiedlichsten Aufhänger, seien es nun Anekdoten, Texte anderer Autorinnen oder ein Bild, wie das hier gezeigte. Vielleicht der witzigste Essay ist gleich der Erste, dem dieses Buch seinen Namen verdankt. Es geht darum, dass Männer gerne mal den Frauen die Welt erklären – und genauso gerne ignorieren, wenn diese besser Bescheid wissen (ich betone hier jetzt nicht extra, dass nicht alle Männer so sind).

Dieses Buch ist hochinteressant und absolut empfehlenswert, auch für Menschen, die sich erst an das Thema Feminismus herantasten (ich spreche aus Erfahrung). Interessant war für mich vor allem, dass Solnit immer mal wieder Situationen beschrieben hat, die ich ebenfalls erlebt habe. Das hat mir gezeigt, dass es mich ganz persönlich auch betrifft und mein Interesse gleich noch mehr gesteigert.

We know less when we erroneously think we know than when we recognize that we don’t.
– S. 82

Über Rebecca Solnit:
Solnit wurde 1961 in Conneticut geboren und wuchs in Kalifornien auf. Mit 17 ging sie zum Studium nach Paris, schloss dieses aber in Kalifornien ab. Sie hat einen Master in Journalismus und ist seit 1988 unabhängige Autorin.
Sie ist in zahlreichen Themengebieten aktiv, setzt sich aber besonders für den Umweltschutz und Menschenrechte, mit dem Fokus auf Gewalt gegen Frauen, ein. Sie hat bisher mehr als 20 Bücher zu den unterschiedlichsten Themen veröffentlicht.
Ihr, insbesondere ihrem Essay Men Explain Things to Me, wird die Entstehung des Wortes Mensplaining zugeschrieben, obwohl sie den Begriff nicht selbst erfand und nach eigenen Angaben ungern benutzt.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

  • Matthews Library (englisch; „deeply engrossing and highly readable“)
  • Wortlichter („anregender und vielfältiger Einstieg in das Thema Feminimus“)
  • Tasmetu (5 Herzen und ein Lesehase; „Gut geschrieben, sachlich, aufrüttelnd.“)
  • Kleiner Hof mit Eichen (hier konnte das Buch nicht vollständig überzeugen)

Quelle Cover: Haymarket Books
Quelle Bild von Frau: Ana Teresa Fernández (Untitled aus der Serie Telarana)
Quelle Autorenbild: Trinitiy University Press

Rezension – Das Geheimnis der Madame Yin

Vielen Dank an den Pro-Talk Verlag für das Rezensionsexemplar!

Vordergründig scheint der Auftrag der Pinkerton-Detektivin Celeste Summersteen recht einfach zu sein: Sie soll die 16jährige Dorothea Ellingsford von Chicago zu ihrer Familie nach London begleiten. Viel schwieriger ist aber der eigentliche Auftrag: sie soll den Mörder von einer Freundin Dorotheas finden. Denn deren Tante, Celestes Auftragsgeberin, ist der Meinung, dass auch Dorothea in Gefahr ist.
Kaum in London angekommen, gibt es neue Entwicklungen: Madame Yin, mächtige Drogenbaronin, wird auf die gleiche Weise ermordet. Worin besteht die Verbindung zwischen einer zwielichtigen ehemaligen Prostituierten und der Freundin Dorotheas aus gutem Hause? Und wie kann man die sogenannte Themsebestie aufhalten, wo doch das Morden kein Ende nimmt?

Leseprobe (pdf)

Ah … yes, please!

Als mir dieses Rezensionsexemplar angeboten wurde, konnte ich einfach nicht nein sagen und dafür gibt es mehrere gute Gründe: das Cover hat mir super gefallen, der Klappentext hat mir auch zugesagt, es gibt eine weibliche Detektivin in einem historischen Krimi und, last but not least, es spielt in London. Mehr als genug Gründe also und zudem ein Haufen Sympathiepunkte, die das Buch aber gar nicht braucht, um bei mir gut anzukommen.

Nicht immer überzeugend

Ein oder zwei Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Zum einen gab es in meinen Augen ein paar unnötige Längen. Aufgebaut wurden sie meistens durch überlange Umgebungs- und Personenbeschreibungen. Besonders ärgerlich war das, wenn gerade ordentlich Spannung durch die Mörderjagd aufgebaut wurde und diese dann in den Beschreibungen verpuffte. Hier trifft also zu, dass manchmal weniger doch mehr ist.
Zudem war ich mir bei Celeste ständig unsicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Einerseits scheint sie immer genau das richtige zu tun und immer die richtige Spürnase zu haben, andererseits erfährt man über sie in meinen Augen recht wenig. Dadurch blieb sie durchgehend weniger lebendig und echt als die anderen Personen des Buches. Nach 400 Seiten, die man in Begleitung eines Protagonisten verbringt, sollte dieser einfach mehr Farbe angenommen haben. Celeste dagegen wirkt oft wie eine Marionette, die einfach nur ihren Job macht und nur für diesen lebt. Selbst wenn betont wird, dass sie Dorothea leiden kann, wird dies durch ihre Taten nicht deutlich.

„Ich arbeite nicht mit einer Frau zusammen. Unter gar keinen Umständen.“
– Inspector Edwards, S. 135

Umso besser gelungen ist dafür der andere Hauptcharakter im Buch: Inspector Robert Edwards von Scotland Yard. Mit diesem hat Nathan Winters voll ins Schwarze getroffen und ich konnte den leicht herablassenden, sehr britischen Inspector, der auf keinen Fall mit einer Frau zusammenarbeiten will, förmlich vor mir sehen. Er reagiert entsprechend verschnupft darauf, dass er gezwungenermaßen Celeste als vorübergehende Partnerin akzeptieren muss.
Sympathisch war er mir dennoch von Anfang an, da er zwar manchmal herablassend ist, aber nicht auf Menschen herabschaut, nur weil sie im Rang unter ihm stehen. Er ist vor allem herablassend, wenn sich jemand seinen Respekt verspielt hat.
Andererseits lässt er aber zu, dass die Menschen sich seinen Respekt verdienen und sieht auch ein, wenn er jemanden falsch eingeschätzt hat. So zollt er schlussendlich auch als einziger von offizieller Seite Celeste die Anerkennung, die sie verdient hat.

„Mit den Weibern hat man nichts als Ärger, […] aber was wär’n wir schon ohne sie? Nicht mal auf dieser Welt. Stimmt’s, oder hab ich Recht?“
– Tobias Gold, S. 366

Wenn wir schon bei den Personen des Buches sind: da sind einige echte Schätzer dabei. Einer davon hat obiges Zitat von sich gegeben und auch sonst gibt es viele echte Persönlichkeiten – sympathische ebenso wie unsympathische.
Auch an der Geschichte selbst gibt es wirklich nichts auszusetzen. Der Fall wird nicht durch pures Glück gelöst, sondern durch Hartnäckigkeit sowohl von Seiten Celestes als auch Edwards. Zudem ergänzen sich die Ergebnisse der beiden auf sehr natürliche Weise, es wirkt nie in irgendeiner Form gezwungen.
Es wird deutlich, dass im viktorianischen London Männer ganz andere Möglichkeiten hatten, Edwards zudem als „Copper“ mehr Autorität besitzt. Celeste als Frau wirkt dagegen unschuldiger und vor allem weniger gefährlich und verschafft sich so einen Vorteil.
Die Hintergründe der Morde sind glaubwürdig und man bekommt auch nicht auf einen Schlag alle Informationen, sondern immer tröpfchenweise und kann mitraten, wer wohl der Mörder ist.Obwohl ich mit Celeste nie ganz warm wurde, muss man ihr lassen, dass sie sich selbstständig ein gutes Leben aufgebaut hat. Mit ihr hat Winters trotz allem eine starke Hauptfigur geschaffen, die dennoch nicht über die Stränge der damaligen Konventionen schlägt.
Auch andere Frauen im Buch schöpfen ihre beschränkten Möglichkeiten voll aus, zudem zeigt sich, dass privat dann doch nicht unbedingt die Männer die Hosen anhatten. Man merkt, dass der Autor viel Mühe in seine Recherche gesteckt hat, denn aus meiner laienhaften Sicht wage ich zu behaupten, dass ein realistisches Bild vom London des 19. Jahrhunderts gemalt wird.
Es wird wieder einmal deutlich welch elendes Leben ein Großteil der Menschen im industrialisierten England spielten. Besonders interessant fand ich dabei, zu lesen, wie schwer es war, gesellschaftlich aufzusteigen, aber wie schnell die Reichen und Angesehenen abstürzten.

Wer sich ein wenig für das Leben im viktorianischen London interessiert und zudem Freude an einem Krimi hat, der manchmal auch eher gemächlich daher kommt, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen. Mir hat es trotz kleinerer Kritikpunkte sehr viel Freude bereitet!

„Ich bin bereit, mein Leben für Ihre Tochter zu riskieren. Was sind sie bereit, zu tun?“
– Celeste Summersteen, S. 346

Über Nathan Winters:
Winters ist ein Pseudonym von Jürgen Bärbig. Er wurde 1971 in der Nähe von Aachen geboren und ist gelernter Maler. Er schreibt schon seit den Neunzigern Romane, das aber mit mäßigem Erfolg, sodass er den Traum vom Schreiben an den Nagel hängte. 2010 begann er wieder damit und wurde 2014 Stipendiat der der Bastei Lübbe Masterclass, in deren Rahmen eine Kurzgeschichte veröffentlicht wurde. 2016 erschien Three Oaks, eine Westernserie.
Quelle: Pro-Talk Verlag, Website des Autors


Quelle des Covers: KongKing PR-Agentur

Quelle London stilisiert: SpreadShirtMedia

Quelle Autorenbild: KongKing PR-Agentur

Matilda, short for: Lots of fun!

Matilda | Roald Dahl | Puffin Books | first published 1988/this edition published 2016
Paperback: ISBN 978-0-141-36546-6 | £6.99

Matilda is a genius. But the only one who seems to realize that is her teacher Miss Honey. Apart from her there are not a lot of people who approve of Matilda. Her dad thinks she’s nasty. Her mum doesn’t care about her. Her brother thinks she’s a nuisance. And Miss Trunchbull, the headmistress at Matildas School, is a big bully and generally hates children. But when Matilda finds out about the wonderful things she can do with her brain she sets out to teach them all a lesson.

A special movie

In my opinion one of the things that made me such an avid reader – apart from all the great books out there – was the fact that my parents never allowed us to watch a lot of telly when we were younger. We also had only a very few DVDs at home but one of them was the Matilda movie with Mara Wilson as Matilda and Danny DeVito as Mr Wormwood, her dad. It’s propably not really a surprise that my sisters and I loved this movie because, honestly, what’s better for four little girls than a movie about a witty girl who defeats a creepy bully?! We watched this movie over and over again and even 15 years later we are not tired of it.
Until recently I didn’t know though that it’s based on a story by Roald Dahl whose books I learned to love after reading Charlie and the Chocolate Factory not too long ago.

The eternal problem with parents

After all that one could say I had rather high expectations about this book. And I gotta say: I’m not disappointed. Actually it was about the funniest read for some time now!
I just adore Matilda for several reasons. For one: she loves books which I can completly understand.

It was pleasant to take a hot drink up to her room and have it beside her as she sat in her silent room reading […]. The books transported her into new worlds and introduced her to amazing people who lived exciting lives. She went on olden-day sailing ships with Joseph Conrad. She went to Africa with Ernest Hemingway and to India with Rudyard Kipling. She travelled all over the world while sitting in her little room in an English village.
– p. 15

Secondly, Roald Dahl manages to take everyday problems and needs of children and turn them into funny, fantastic stories and hilarious readings for children as well as grown-ups. I’m turning 20 this month and I do vividly remember the times when my parents got on my nerves and teachers were a big nuisance. I think that’s something every child can relate to. Even when you are lucky enough to have really good parents who care deeply about you, like it’s the case with my parents, you can still relate to Matilda. Parents can’t always do everything right in the eyes of their children and that’s something universal which makes this book universal.
Roald Dahl wrote an exaggerated story about disinterested parents, a horrible school with the worst of all bad headmistresses and on the other side a clever, daring kid with extraordinary powers. Alongside with Pippi Longstocking this made Matilda THE children-superhero and rolemodel for me.

Book VS Movie

My admiration was based on the movie and in my experience books are normally better than the movies based on them. I can’t really say that because I still love the Matilda movie (to be honest: I just watched it again this week) and I still laugh about all the pranks and tricks Mara Wilson as Matilda played on her surroundings.
For me both the book and the movie are just perfect. Whereas the movie pulls the whole story off a bit more dramatically and includes scenes that are not part of the book, the book has a greater emphasis on books and contains another batch of scenes that are not part of the movie. So all in all for me, as I watched the movie first, they just add funny things to each other and make the hole story even better.

So if you are ever able to lay your hands on a version of the movie: watch it! It’s hilarious! I can imagine though that some might be disappointed when watching the movie after reading the book as it leaves some parts out. In my opinion you should still give it a try and if you can’t watch the movie then at least read the book because it’s just as hilarious!

Matildas father had a fine crop of black hair […] of which he was exceedingliy proud.
„Good strong hair […] means there’s a good strong brain underneath“ [he was fond of saying].
„Like Shakespeare“, Matilda had once said to him.
„Like who?“
„Shakespeare, Daddy.“
„Was he brainy?“
„Very, Daddy.“
„He had masses of hair, did he?“
„He was bald, Daddy.“
– Matilda and Mr. Wormwood, p. 51

About Roald Dahl:
Dahl was born in Cardiff in 1916. He worked for the Shell Oil Company among other countries he worked in Tanzania where he wrote his first literary work: an article about the encounter with a lion.
He joined the Royal Air Force during the Second World War and flew several missions before returning to Great Britain due to severe headaches. He was then deployed as an Agent for the MI6 in America where he started to write.
He married Patricia Neal, a US actress, in 1953. They were married for 30 years and had five children together. They got a divorce in 1983, during the same year Dahl married again.
He died in Oxford in 1990 from acute leukemia.
Source: Wikipedia

Other opinions about the book:

  • Kids‘ Book Review („one of my all-time favourites“)
  • Nose in a Book (5/5; „There’s just something about Roald Dahl’s book that make them special“)
  • Wandering Words (5/5 stars; „there is much to enjoy for young and old alike“)
  • Buchwelt (deutsch; „Matilda ist ein tolles Buch über ein tolles Mädchen“)

Image source cover: Puffin Books
Image source movie poster: Wikipedia
Image source Matilda reading: Moviepilot
Image source Roald Dahl: Wikipedia (Von Carl van Vechten – Van Vechten Collection at Library of Congress. Dieses Bild ist unter der digitalen ID van.5a51872 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.)

Rezension – The 12.30 from Croydon

Quelle: British Library
Quelle: British Library

The 12.30 from Croydon | Freeman Wills Crofts | British Library | 347 Seiten | erstmals erschienen 1934, diese Ausgabe 2016
ISBN 978-0-7123-5649-7 | £8.99

Die Geschichte beginnt damit, dass Andrew Crowther im Flugzeug auf dem Weg von Croydon nach Paris tot aufgefunden wird. Danach nimmt das Buch einen anderen Verlauf als erwartet, denn von nun an wird die Geschichte aus Sicht des Mörders beschrieben. Man begleitet ihn von seinem ersten Entschluss, den alten Mann zu töten, über seine Vorbereitungen bis hin zu den Ermittlungen der Polizei und wie er diese erlebt.

British Library Crime Classics

Die British Library hat Krimis aus der Blütezeit des englischen Krimi in der Reihe British Library Crime Classics neu aufgelegt. Aus dieser Reihe habe ich bereits mehrere Bücher gelesen (Capital Crimes, Silent Nights und Mystery in White), zudem liebe ich die Poirot-Geschichten von Agatha Christie, welche ebenfalls in die Ära fallen, der die British Library nun zu erneuter Aufmerksamkeit verhilft. Als ich daher im örtlichen British Shop über dieses Buch gestolpert bin, konnte ich nicht widerstehen.

A very special idea

Neben der Tatsache, dass es ein Buch der British Library Crime Classics ist, hat mich auch die Idee, die Geschichte komplett aus der Sicht des Mörders zu lesen, sofort überzeugt und ich wollte unbedingt wissen, ob und inwiefern dann noch Spannung aufgebaut werden kann. Spontan fällt mir zudem kein anderes Buch ein, in dem der Mörder so stark zu Wort kommt.
In meinen Augen ist es Croft wunderbar gelungen, diese Idee umzusetzen. Es gibt zwar ein paar Stellen, an denen sich das Buch zieht und besonders zu Beginn habe ich darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Aber letztendlich baut das Buch eine Menge Spannung auf – und die war bei mir sehr ambivalent.
Einerseits will man unbedingt, dass Andrew Crwother Gerechtigkeit widerfährt. Andererseits bekommt man alles aus der Sicht des Mörders erzählt und ich habe, trotz allem, mit diesem mitgefühlt. Aus seiner Sicht will man selbstverständlich nicht, dass die Polizei hinter seinen Plot kommt.

Zaudern mit sich selbst

Bei mir hat diese sehr widersprüchliche Spannung dafür gesorgt, dass ich auch noch Tage nach dem Lesen über das Buch nachgedacht habe und teilweise mit mir selbst gehadert habe. Ständig habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie ich tatsächlich einem Mörder wünschte, dass er davon kommt.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich der Meinung war, dass in fiktiven Morden das Mordopfer verdient hatte, was passiert ist, beispielsweise wenn dieser seine Kinder oder Frau misshandelt hat, oder andere Menschen wissentlich durch sein Handeln in Unglück gestürzt hat.
Keines von beidem ist hier der Fall und dennoch ertappte ich mich manchmal dabei, dass ich dem Mörder die Freiheit wünschte.

Letztendlich denke ich, dass das die Sache ist, welche dieses Buch für mich zu einer wirklich spannenden Lektüre gemacht hat und dafür sorgen wird, dass es mir trotz der uralten Grundgeschichte – nämlich Mord – noch ein ganzes Weilchen in Erinnerung bleibt. Allerdings gab es besonders zu Beginn immer wieder einige Längen, welche dafür gesorgt haben, dass ich das Buch teilweise nicht so sehr genossen habe, wie es möglich gewesen wäre.

How strange it was […] that the useless and obstructive so often live on, while the valuable and progressive die early!
– Charles Swinburn, p. 76

Über Freeman Wills Croft:
Croft wurde 1879 in Dublin geboren und machte ab 1896 eine Ausbildung zum Ingenieur von Schienensystemen im Unternehmen, in dem sein Onkel arbeitete. Bereits drei Jahre später fand er Anstellung in leitender Position einer anderen Firma.
Diesen Beruf übte er jahrelang aus, bis er 1919 erkrankte und das Schreiben von seinem Arzt als Ablenkung empfohlen bekam. Bereits ein Jahr später erschien sein Debütroman The Cask (dt.: Die Frau im Fass), welcher von Kritikern hochgelobt wurde.
Ab 1929 widmete er sich vollständig dem Schreiben und verfasste bis zu seinem Tod im Jahre 1957 mehr als 40 Werke, der Großteil davon sind Kriminalromane. Einige seiner Bücher sind auch auf deutsch erhältlich.
Ab 1930 gehörte er zudem dem bekannten Detection Club an, zu dessen Mitglieder bekannte Namen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Anthony Berkeley gehörten.
Crofts war von 1912 an mit Mary Bellas Canning verheiratet, die Ehe bleib kinderlos.
Quelle: Wikipedia zu Crofts und dem Detection Club

Weitere Meinungen zum Buch:


Bildquelle British Library-Logo: Wikipedia
Bildquelle Poster: Railway Posters
Bildquelle Autorenbild: National Portrait Gallery (Bild Nr. x156450; by Bassano, half-plate film negative, 13 June 1939)

19 years later … Harry Potter and the Cursed Child

Quelle: Little, Brown
Quelle: Little, Brown

Harry Potter and the Cursed Child | Joanne K. Rowling/John Tiffany/Jack Thorne | Little, Brown | published in 2016
Hardback: ISBN 978-0-7515-6535-5 | 19,99€

It’s not easy to be Harry Potter, even though 19 years passed since the Battle of Hogwarts. And it’s certainly not easier to be Harry Potters child – at least that’s what Albus, Harrys and Ginnys second son, thinks. He has a legacy, both as part of the Potter-Family and as being named after Albus Dumbledore which does bring along some rather high expectations regarding his actions. But when Harrys scar starts to hurt again and Albus is caught between past, present and future they learn that they have to face the upcoming events together.

The Hype

It took me a bit to get over my aversion towards this book. It would have been really hard to miss the hype about it and the play over the past few months. Virtually everybody was talking about the eight story, the sequel to Harry Potters story. Despite all the talk I was lucking enough to not hear anything about exact events in the play and, more importantly, about how it ends. Until a few days ago I didn’t even really want to read the book because, to be honest, the last two to three parts of the original Harry Potter books couldn’t really win me over. Especially the seventh volume mostly bored me so I wasn’t keen to give Harry Potter another shot.

Good friends recommend good books

But then a friend offered me to borrow her book and told me she really loved it. We have got quite a similar taste when it comes to books so I thought ‚Why not?‘ and gave Harry Potter another chance to persuade me. And what can I say: I basically inhaled it, was finished with reading after a few hours and a bit pissed off about it being so short.
I heard from a lot of people they were disappointed as it’s, strictly speaking, not a book but merely a screenplay. This did not bother me, I flew through the pages, laughed and also shed a few tears. I just loved how the story unfolds. One thing I always very much appreciated about J. K. Rowlings books was that she constantly manages to 1) come up with new things and 2) include not so very important things from the first books in later books and they just fit together really really good. That was the case here, JKR managed to surprise me more than once and I had a lot of fun reading this book.

„I’m going to try with everything I’ve got – to be a good dad for you.“
– Harry Potter, S. 327

Even though it was „only“ a screenplay I think the protagonists‘ feelings were clearly shown. Also, I could easily relate to both Harry and Albus: Harry who is a bit caught up between his job in the Ministry of Magic and his absolute determination to be a good father, and on the other hand Albus who feels like a constant disappointment for his parents. It’s never been hard to associate with the wizards and witches in Rowlings books, mainly because they share a lot of the common „Muggle“ issues and problems when it comes to everyday life.
Plus there some really sweet side stories, some with and some without Harry, which made this book even better.

All in all I have to admit that the eight story with Harry Potter and his friends and family was far better than expected and I honestly love this book – more then some of the first seven books. I guess it was a good thing not to have high expectations, actually not really expecting the book to be good.

„I’ve never fought alone, you see. And I never will.“
– Harry Potter, S. 312

5Sterne

About J.K. Rowling:
Rowling, born 1965 in Yate (United Kingdom), is mostly known for her Harry Potter novels. They were translated in over 70 languages and more than 400 million sold copies. She has written several other novels set in the Harry Potter universe and some crime novels.
She lives in Scotland with her family.
Quelle: Wikipedia

About John Tiffany:
Tiffany was born around 1971 and brought up in northern England, he studied in Glasgow. He directed several highly praised productions like Black Watch and Once, both at the National Theatre of Scotland where he worked from 2004 to 2013. He won a number of Awards, including a Tony Award.
Quelle: Wikipedia

About Jack Thorne:
Born in 1978 in Bristol, Thorne has written plays for Radio, Theatre, TV and Film. Among them are many highly praised, such as The Scouting Book for Boys, Don’t Take My Baby and some sequels to This is England. He won quite a number of BAFTAs as well as many other awards.
He currently lives in London.
Quelle: Wikipedia

What other people think about the book:

Lesemonat Februar

Hallo ihr Lieben!

Monat Numero dos dieses Jahres ist schon wieder vorbei und damit neigt sich auch die erste Praxisphase meines dualen Studiums dem Ende. Es war eine interessante, teils aufregende, teils ermüdende Zeit, in der ich jede Menge nette Menschen kennengelernt habe.
Außerdem bin ich diesen Monat richtig viel zum Lesen gekommen! Mich hat die Englisch-Sucht gepackt und so kann es gerade gar nicht englisch genug sein. Das spiegelt sich auch in meiner Buch-Wahl wieder, denn ich habe in diesem Monat meinen Bestand an englischen Büchern ganz schön dezimiert.

Insgesamt habe ich 15 Bücher gelesen, 12 davon waren auf englisch.

  • Agatha Raisin and the Quiche of Death von M.C. Beaton > 5 Sterne
  • Die Geliebte des Meisterspions von Joanna Bourne > 2 Sterne
  • Speaking in Bones von Kathy Reichs > 5 Sterne
  • The 12.30 from Croydon von Freeman Wills Crofts > 4 Sterne
  • Agatha Raisin and the Potted Gardener von M.C. Beaton > 4 Sterne
  • Boris & Olga – Tod dem Zaren von Selma J. Spieweg > 3 Sterne
  • The Miniaturist von Jessie Burton > 5 Sterne
  • Nussschale von Ian McEwan > 4 Sterne
  • Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne > 5 Sterne
  • Wrath von Laurann Dohner > 2 Sterne
  • Valiant von Laurann Dohner > 2 Sterne
  • Brawn von Laurann Dohner > 2 Sterne
  • Ella and the Beast von S.E. Smith > 3 Sterne
  • Bound by Hatred von Cora Reilly > 3 Sterne
  • Rock Kiss – Du bist alles für mich von Nalini Singh > 3 Sterne

Zu den letzten sechs Büchern, alles reReads, habe ich keine Rezensionen geplant, daher bin ich ganz gut obenauf mit Rezensionen. Zu Harry Potter habe ich mich an meine erste englische Rezension gewagt und bin gespannt, was ihr dazu sagt. Das will ich in Zukunft immer mal wieder machen, wenn ich ein englisches Buch lese.

Quelle: Picador
Quelle: Picador

In diesem Monat gab es einige richtig gute Bücher, am besten gefallen hat mir The Miniaturist von Jessie Burton.

Wie war euer Februar? Habt ihr den (kurzzeitigen) Frühlingsanfang genossen? Habt alle noch ein wunderbares, entspanntes Wochenende!

Love and Kisses
Celina xx

Rezension – The Miniaturist

Quelle: Picador
Quelle: Picador

The Miniaturist | Jessie Burton | Picador | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-44-2-8466-6 | £8.99
Leseprobe
deutsche Ausgabe: Die Magie der kleinen Dinge | Limes | Übersetzerin: Karin Dufner

Amsterdam im Herbst 1686: Die 18-jährige Petronella wurde gerade mit dem mehr als zwanzig Jahre älteren Kaufmann Johannes Brandt verheiratet und erwartet auch genau diesen zu sehen, als sie an die Tür ihres neuen Heims klopft. Stattdessen öffnet dessen scharfzüngige und unfreundliche Schwester die Tür. Überhaupt schlägt ihr von Seiten des Haushalts Abneigung und Kälte entgegen. Da bekommt sie von ihrem Mann ein Hochzeitsgeschenk, das eine perfekte Nachbildung ihres neuen Zuhauses ist. Und es scheint die Geheimnisse der Familie Brandt besser zu kennen als die Familie selbst. Doch werden diese die Familie zerstören oder stärker machen? Und wie hängt das alles mit der Macherin der winzigen Puppen zusammen, die bald das Puppenhaus bevölkern?

There is a story here and it seems like Nella’s, but it isn’t hers to tell.
– S. 245

Mit diesem Buch habe ich lange geliebäugelt: mir hat das Cover schon richtig gut gefallen, als ich es in England das erste Mal gesehen habe, auch der Klappentext hat mir zugesagt und letztendlich konnte ich ihm nicht widerstehen, als es mir hier erneut in der Buchhandlung über den Weg gelaufen ist. Nach dem Lesen verstehe ich nicht, warum ich es nicht schon früher mitgenommen habe, denn dieses Buch ist super!
Das liegt zum einem großen Teil an den Charakteren. Nella war mir von Anfang an sympathisch mit ihrer Unsicherheit über ihre Rolle im Haushalt Brandt, ihre neue Rolle als Ehefrau und dem Leben in Amsterdam, das sich stark von allem bisher bekannten unterschied. Ebenso sympathisch war sie mir in ihrem unbedingten Willen, sich diese Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, das Beste aus ihrer Situation zu machen und diese möglicherweise nach und nach zum besseren zu ändern.
Nella macht während des Buches eine Veränderung durch, was mir gut gefallen hat. Sie stagniert nicht in ihrer Situation, sondern versucht, im Gegenteil, etwas daran zu ändern und wächst an den neuen Umständen, in denen sie sich befindet. Im  Vergleich zu Johannes und Marin, dessen Schwester, ist sie recht ungebildet und als ihr dies klar wird, versucht sie, mehr über die Geschäfte ihres Mannes zu erfahren und ebenfalls Anteil an seinem Leben zu nehmen.
Marin und Johannes sind zudem echt ein Gespann für sich. Zwar ist er der erfolgreiche Geschäftsmann, aber sie hält ein Stück weit die Fäden in der Hand und von den Geschäften ihres Bruders hat sie mindestens soviel Ahnung wie dieser. Wie jeder Frau im 17. Jahrhundert ist es auch ihr verwehrt, ein eigenständiges und komplett selbstbestimmtes Leben zu führen, aber innerhalb des Brandt-Haushaltes ist sie eindeutig jene, welche das Sagen hat. Zudem habe ich durchgehend im Buch das Gefühl gewonnen, dass sie die Stärkere der Geschwister ist. Johannes ist kaum anwesend, Marin trifft alle relevanten Entscheidungen für den Haushalt. An ihr orientiert sich Nella in ihrer Entwicklung, denn obwohl ihr die häufig zur Schau gestellte Kälte und der Zynismus Marins zwar abgehen, so ist diese mit ihrem eisernen Rückrat und ihrer Intelligenz doch am nächsten an einem Vorbild für Marin.

„What can any of us do?“
– Marin, S. 112

Die Geschichte selbst konnte mich auch überzeugen. In meinen Augen liefert sie einen guten Einblick in das Amsterdam zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), als die Stadt reich und voller Kaufleute, wie Johannes Brandt, war, stolz auf das Erreichte und einer der großen Spieler in der damaligen internationalen Politik. Auch die Verwicklungen der Kaufleute untereinander sind schön dargestellt und gesellschaftliche Anlässe sowie Rivalitäten, Freundschaft und Verrat großartig dargestellt.
Ein kleiner Minuspunkt ergibt sich daraus, dass es in meinen Augen immer mal wieder Stellen gab, in denen einfach nichts passiert ist. Besonders zu Beginn habe ich über ein ganzes Stück darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Allerdings wird dies bei weitem ausgeglichen durch die Spannung, die sich langsam aufbaut und die Charaktere, mit denen ich eine Menge Spaß hatte.

The Miniaturist ist ein historischer Roman, der mich absolut überzeugen konnte. Es hat mir eine Menge Spaß bereitet, über Nella und ihre Geschichte zu lesen. Zudem zeichnet Jessie Burton ein schönes und realistisches Bild vom Amsterdam des 17. Jahrhunderts.

Every woman is the architect of her own fortune.
– S. 76

5Sterne

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Die Geschichte um Nella beruht lose auf dem Leben von Petronella Oortman, deren Puppenhaus die Vorlage lieferte für Nellas Puppenhaus und das im Rijksmuseum in Amsterdam steht.

Über Jessie Burton:
Burton wurde 1982 geboren und studierte in Oxford Englisch sowie Spanisch, später absolvierte sie eine Ausbildung zur Schauspielerin in London an der Royal Central School of Speech and Drama. Sie hatte kleinere Rollen an britischen Theatern unter anderem auch in London, daneben schreibt sie Essays für unterschiedlichste Zeitungen und Zeitschriften.
2014 erschien ihr erstes Buch The Miniaturist, das in über 30 Sprachen übersetzt wurde und zum Bestseller avancierte. Ende 2016 erschien ihr zweiter Roman, The Muse.
Burton lebt in London.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Nussschale

Nussschale.jpegNussschale | Ian McEwan | Diogenes | erschienen 2016
aus dem Englischen: Nutshell | Übersetzer: Bernhard Robben
Hardcover: ISBN 978-3-257-06982-2 | 22€
E-Book: ISBN 978-3-257-60777-2 | 18,99€
Leseprobe

Trudy hat ein Verhältnis. Damit ist sie bestimmt nicht die einzige, aber erstens hat sie dieses Verhältnis mit Claude, dem Bruder ihres Mannes John, und zweitens gibt es einen Zeugen des Verhältnisses: einen sehr neugierigen, fast neun Monate alten Fötus in Trudys Bauch. Dieser ist Zuhörer, als Trudy und Claude einen Plan schmieden …

Wenn ein Buch mit dem Satz

So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau.
– S. 9

beginnt, dann macht das schon mal deutlich, dass dies kein Buch wie jedes andere ist. Zum einen wird schnell klar, dass es sich hier um eine sehr außergewöhnliche Hauptperson handelt.
Das Buch ist eine Hommage an Hamlet von William Shakespeare, hat aber eindeutig auch Charme für Leser, die den Hamlet nicht kennen – was auf mich zutrifft. Natürlich wusste ich, dass es dieses Stück gibt, aber ich hätte nicht einmal grob sagen können, worum es da nun geht. Nachdem ich das schnell gegoogelt hatte, offenbarte sich die ein oder andere Überschneidung: die moderne Gertrude in Form von Trudy, sowie deren Affäre Claudius, aus dem hier Claude wird, ebenso Rachegedanken des Sohnes. Außerdem macht McEwan immer wieder Anspielungen auf andere Dinge, wie „Sein oder Nichtsein“ und ich habe vermutlich den allergrößten Teil der Anspielungen nicht verstanden. Wie gesagt, macht es die Unkenntnis des Hamlet aber keineswegs zu einer weniger guten Lektüre.
Zum einen ist das Baby, auch ohne Vorwissen über Hamlet, ein echter Knüller. Bereits auf den ersten paar Seiten hat es bei mir für Lacher gesorgt. Das Buch wird komplett aus seiner Sicht erzählt, in der Ich-Perspektive, und handelt sich quasi um einen einzigen Monolog, wenn man einmal von den „belauschten“ Gesprächen Trudys absieht. Das Baby widmet sich sowohl den eher banalen Dingen, wie dem Wetter, als auch philosophischen Fragen, Podcasts, die seine Mutter sich anhört und natürlich: der Affäre Trudys. In Bezug darauf drehen sich seine Gedanken zunächst nur um seine Abneigung gegenüber Claude, zunehmend geht es aber auch um Trudy und Claudes Plan und wie seine Möglichkeiten sind, diesen aus dem Mutterleib heraus zu verhindern.

Nicht jedermann weiß, wie es ist, den Penis des Rivalen seines Vaters nur wenige Zentimeter vor der eigenen Nase zu haben.
– S. 37

Das Baby ist in seinen Ansichten sehr zynisch und philosophiert beispielsweise vor sich hin, welches Land denn nun optimal wäre, um darin geboren zu werden – und was für sein Geburtsland England spricht. Darin blitzt immer mal wieder der sehr schwarze, sehr britische Humor hervor, den ich zu lieben gelernt habe. Allerdings hat mir diese besondere Erzähler nicht immer gefallen. Manchmal erschien es mir zu zugespitzt und überzeichnet: dieser zynische, manchmal fast boshafte, zu Ausschweifungen neigende und weinliebende, fast durchgehend angeheiterte, zukünftige Mensch. Manchmal war es für mich einfach zu viel des Guten.

Ich teile mir gern ein Glas Wein mit meiner Mutter. Womöglich haben Sie es längst vergessen oder auch nie erlebt, wie herrlich ein durch die Plazenta dekantierter Burgunder schmeckt […] oder ein Sancerre […].
– S. 17

Damit erweist er sich schonmal als besserer Weinkenner als ich es vermutlich je sein werde.
Die anderen Charaktere, also Mutter Trudy, Vater John und Liebhaber Claude, sind sehr eindrücklich aus Sicht des Babys beschrieben. Das Baby lässt sich nicht lang und breit über die Charakterzüge seines Umfelds aus, sondern geht viel mehr auf deren Verhalten und Handlungen ein. Dadurch fiel es mir leicht, mir ein eigenes Bild zu schaffen und es gab diese Diskrepanz zwischen den Beschreibungen eines Charakters und dem Empfinden eines Lesers über den Charakter nicht. Andererseits beeinflusst die Perspektive des Erzählers natürlich die Perspektive des Lesers. So kann man Claude gar nicht wirklich als sympathisch empfinden, da das Baby zu viel Hass gegenüber seinem Onkel empfindet. Und bei Trudy fühlt man sich, wie der Kleine, hin- und hergerissen zwischen Abneigung gegenüber der Frau, die ihren Mann betrügt und sich zudem nicht wirklich vorbildlich verhält was die Schwangerschaft angeht (wie sonst kann ein Fötus über Burgunder und Sancerre Bescheid wissen?), und die unabdingbare Liebe eines Kindes gegenüber seiner Mutter. John steht da noch im besten Licht da: der Künstler, immer knapp bei Kasse, in „hoffnungsloser Liebe zu ihr“ (S. 30) gefangen, der sich eigentlich nur seine Frau zurückwünscht.
Davon einmal abgesehen, haben mich aber die Geschichte selber und die übergeordnete Idee, ein Ungeborenes als Erzähler zu haben, überzeugt. Dafür spricht schon, dass ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Es ist eine schöne Lektüre, die mich auch immer wieder zum Nachdenken angeregt hat: über elementare Dinge wie eine Schwangerschaft, aber auch über manche Absurditäten unserer Zeit und unserer Welt.
Allerdings haben sich die Monologe des zukünftigen Erdenbewohners manchmal doch zu sehr gezogen. Besonders zum Ende habe ich teilweise ganze Absätze nur noch überflogen, ohne genauer zu lesen. Das mag teilweise daran gelegen haben, dass ich wirklich unbedingt wissen wollte, welches Ende Trudy, Claude und das Baby nehmen. Aber hauptsächlich lag es daran, dass mich die gedanklichen Ergüsse wenig bis gar nicht fesseln konnten.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass dieses Buch durchaus bereichernd ist: mit seiner ungewöhnlichen Perspektive, seinem Witz und Zynismus hat es mir gut gefallen. Insbesondere zum Ende hin hätte man in meinen Augen den ein oder anderen Monolog aber durchaus kürzen können.

Keine Wahrheit schränkt das Leben so sehr ein wie die folgende: Es ist immer jetzt, immer hier, nie dann und da.
– S. 56

4Sterne

 

photo credit: Annalena McAfee
photo credit: Annalena McAfee

Über Ian McEwan:
McEwan wurde 1948 in Aldershot, GB, geboren und lebte bis zu seinem zwölften Lebensjahr mit seiner Familie im Ausland (u.a. Lybien, Singapur und Deutschland), da sein Vater Soldat war. Er studierte englische Literatur in Brighton und Norwich. Seine ersten Werke waren Kurzgeschichten-Sammlungen, die erste wurde 1975 veröffentlicht und wurde im Jahr darauf bereits mit einem Preis ausgezeichnet. 1978 erschien sein erster Roman, zwanzig Jahre später gewann er den Man Booker Prize für seinen Roman Amsterdam. Für den Preis war er insgesamt sechs Mal nominiert, daneben erhielt er zahlreiche andere Auszeichnungen, auch international.
Er ist in zweiter Ehe seit 1997 mit Annalena McAfee, ehemalige Redakteurin bei The Guardian, verheiratet. Mit seiner ersten Frau Penny Allen hat er zwei Söhne.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch: