Aus alt mach neu

Hallo ihr Lieben!

Am Wochenende bin ich ganz heimlich, still und leise umgezogen – zumindest online.
In Zukunft werden meine Beiträge nicht mehr hier, sondern auf Books and a Cuppa Tea erscheinen.

Schon länger ist mir der – wenig einfallsreiche – Name dieses Blog ziemlich auf die Nerven gegangen, daher nun der Umzug ins selbst gehostete. Dort wird sich in nächster Zeit zwar noch einiges ändern – schon allein das Design bleibt nicht bestehen. Soweit funktioniert aber alles – falls euch etwas anderes auffällt: schreibt mir einen Kommentar!

Natürlich freue ich mich auch dort über euren Besuch und hoffe, einige von euch unter meinen Followern begrüßen zu dürfen!

Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche
Celina xxx

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Rezension – Isarsilber

Vielen Dank an Isaak Rosenblatt für dieses Rezensionsexemplar!

Am Ufer eines bayerischen Sees wird ein Mann erschlagen aufgefunden. Am Ufer des gleichen Sees steht ein Museum, das nachts ein Zweitleben als Edelbordell führt. Doch wie hängen diese beiden Dinge mit einem Großbauprojekt in Berlin zusammen, dessen Finanzierung ins Stocken geraten ist und bei dem ein Bauunternehmer spurlos verschwunden ist?

Normalerweise spielt das Folgende für mich keine Rolle und hat es auch in diesem Fall nicht getan, da es sich um ein Rezensionsexemplar handelt, aber es muss dennoch gesagt sein: die Aufmachung dieses Buches im Hardcover-Format hat mir richtig gut gefallen! Sie ist sehr hochwertig und auch die Farbgebung gefällt mir super (wenn man der Graphikerin glauben darf, steh ich damit voll auf die nächste Trendfarbe).

Hinzu kommt, dass mir auch der Inhalt überraschend gut gefallen hat. „Überraschend“ vor allem, weil ich mir nicht sicher war, ob ein problembehaftetes Großbauprojekt wirklich zu einem spannenden Buch verarbeitet werden kann – und dann auch noch satirisch.
Rosenblatt ist das aber, gefühlt mühelos, gelungen und nachdem mich die ersten 20 Seiten schon abwechselnd zum lachen, rätseln, wundern und wieder lachen gebracht haben, war ich schon fast überzeugt.
Letztendlich konnten auch die restlichen fast 200 Seiten alle Erwartungen erfüllen und ich habe das Gefühl, ein richtig gutes Buch gelesen zu haben!

Für mich spielt es normalerweise eine sehr große Rolle, ob ich mich mit den Charakteren eines Buches identifizieren kann – wenn nicht, müssen sie wenigstens sympathisch sein. Beides war hier nicht der Fall, das hat aber meine Freude am Buch nicht gemindert. Die Personen hier sind eher Antihelden – unsympathisch, selten gesetzestreu (Ausnahmen bestätigen hier übrigens die Regel) und immer unmoralisch.
Allerdings wird unsere gesamte Gesellschaft, und insbesondere die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen (um sich bei SWR3 zu bedienen), hier so gewitzt auf’s Korn genommen, dass man dem Autor erstens die unangenehmen Protagonisten und ihr Verhalten verzeiht und sich zweitens köstlich über genau diese Dinge amüsieren kann.

Neben dem Lachen hat mich das Buch vor allem zum Nachdenken gebracht. Zum einen ging mir regelmäßig durch den Kopf, wie wenig abwegig die Machenschaften im Buch manchmal erscheinen. Nennt mich zynisch, aber manche Sachen würden mich gar nicht wundern, wenn sie morgen in der Zeitung auftauchen.
Zum anderen spielt Isarsilber oft auf Rheingold an – eine Oper von Richard Wagner, 1869 uraufgeführt und ein Teil der Tetralogie Der Ring der Nibelungen. Witzig war hier, wie Rosenblatt es geschafft hat, Anspielungen auf die Oper im Buch zu verweben, weniger witzig, dass wir offenbar in den letzten fast 150 Jahren nicht wirklich weiter gekommen sind – die Grundgedanken des Rheingolds sind auch heute noch sehr aktuell.
(Übrigens: so, wie Isaak Rosenblatt mir den Tipp gegeben hat, mich vor dem Lesen einmal über die Handlung des Rheingold zu informieren, lege ich euch das nun ans Herz – der Wikipedia-Artikel hat mir vollkommen gereicht.)

Menschen hassen einander nun mal, als Individuen und als Gruppen, war das etwa je anders?
– S. 204

Zahlreiche andere Themen – neben finanzschwachen Großbau- und Prestigeprojekten – kommen ebenfalls zur Sprache. Insbesondere der Politik und der „Institution Ehe“ werden viele Worte gewidmet, aber auch die (katholische) Kirche bekommt ihr Fett weg. Daneben gibt es noch viele kleinere Themen, die auch immer mal wieder für Lacher gesorgt haben. Gut in diesem Zusammenhang fand ich auch, dass Rosenblatt eine Triggerwarnung in das Buch eingebaut hat, als es sexuell einmal auf sehr heftige Art zur Sache geht.

Wer Lust auf eine richtig gute und zudem richtig bissige Kriminalsatire hat, die einmal durchgehend unsere gesamte Gesellschaft auf’s Korn nimmt, zudem noch Selfpublisher unterstützen möchte, der sollte sich dieses Buch einmal genauer ansehen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine dicke und fette Empfehlung!

Das Sinnen und Trachten des Menschen beschränkt sich ja keineswegs nur auf Sex. Leider, mag man hinzufügen. Eine Bonobo-Gesellschaft ist unvergleichlich friedlicher als eine menschliche. Vielleicht langweiliger.
– S. 56

Über Isaak Rosenblatt:
1957 in Tel Aviv geboren, kam Rosenblatt als Zweijähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Zunächst studierte er Komparatistik und Philosophie, arbeitete danach in der britischen Autoindustrie und führt mittlerweile eine Personal- und Managementberatung. Zudem ist er in Graz als Gastprofessor tätig.
Er lebt mit seiner Familie (zu der auch 32 Katzen zählen) in einer Villa bei Possenhofen.
Quelle: Website des Autors


Bildquelle Cover: Website Isaak Rosenblatt
Bildquelle Silhouette München: Badspiegel – Wandspiegel
Bildquelle Berlin: Pinterest

Rezension – Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Als eine Haushälterin ihren neuen Job antritt, bekommt sie es mit einem eher außergewöhnlichen Hausbewohner zu tun: der Mathematik-Professor hat nach einem tragischen Unfall nur noch ein sehr kurzes Gedächtnis. Nach genau 80 Minuten wird dieses quasi auf null gesetzt und er erinnert sich an das zuvor Geschehene nicht mehr. Doch die neue Haushälterin gewinnt sein Vertrauen und auch deren Sohn schließt er schnell ins Herz. Die verbindende Brücke ist dabei die Mathematik mit faszinierenden Zahlenrätseln, welche er mit großer Geduld vermittelt.
Doch dann setzt die Schwägerin des Professors der zarten Freundschaft ein Ende …

Ich bin einer dieser merkwürdigen Menschen, die mit Mathematik noch nie ein großes Problem hatten. Ich habe immer recht gute Noten mit heimgebracht und auch an der Uni gibt es in meinen Augen schlimmeres als die Mathe-Vorlesungen.
Als ich daher über dieses Buch gestolpert bin, war ich neugierig, wie die Formeln in einen Roman eingebaut werden können. Denn trotz meiner eher positiven Einstellung zu Mathematik, konnte ich mir gut vorstellen, dass das Buch dadurch ein bisschen trocken wird.

„Gott existiert, weil die Mathematik konsistent ist; der Teufel existiert, weil wir es nicht beweisen können.“
– Der Professor, S. 142

Wenn der Professor hier allerdings über befreundete Zahlen, Fakultäten oder vollkommene Zahlen redet, dann wird es nicht langweilig. Ogawa ist es gelungen, die Begeisterung dieses fiktiven Professor so zu vermitteln, dass es sehr realistisch wirkt. Ich wurde davon teilweise richtiggehend angesteckt und habe mich mit ihm und seiner Haushälterin über die kleinen mathematischen Dinge gefreut.

Neben der Faszination für Mathematik, die hier schön dargestellt wurde, wartet das Buch mit sympathischen Protagonisten auf. Es ist nicht besonders lang, daher konzentriert es sich auf den Professor, seine Haushälterin und deren Sohn, während die anderen Figuren oftmals nur in wenigen kurzen Sätzen beschrieben werden. Wirkliche „Auftritte“ haben nur vier relevante Personen – neben den drei genannten noch die Schwägerin des Professors.
Selbst diese werden nur teilweise tiefergehend behandelt. So erfährt man zwar einiges über die Vergangenheit der Haushälterin und über den Gedächtnisverlust des Professors, aber dennoch erhalten diese beispielsweise keine Namen. Der einzige, der konsequent mit einem Namen angesprochen wird, ist der Sohn der Haushälterin und „Root“ ist hier auch nur ein Spitzname.
Dies erleichtert allerdings die Identifikation mit den Figuren: Man könnte sich immer selber an Stelle einer davon finden. Insbesondere die Haushälterin wirkt sehr realistisch, hin- und hergerissen zwischen der Sorge um ihren Sohn, weil dieser alleine zu Hause ist, und der Tatsache, dass sie ihren Job braucht, um sich um ebendiesen kümmern zu können.

Alles in allem hat mich dieses Buch wirklich positiv überrascht. Ogawa hat einen angenehmen Schreibstil, konnte mich auch in mathematischen Dingen mitreißen und hat liebenswerte Charaktere geschaffen, die ich gerne noch länger begleitet hätte.

Zahlen waren für [den Professor] eine Geste, dem anderen die Hand zu reichen, und zugleich ein Mantel, der ihm Schutz bot.
– S. 13

Über Yoko Ogawa:
Ogawa wurde 1962 in Okayama, im Süden Japans, geboren. Sie studierte in Tokio, bevor sie 1986 ihre Schriftsteller-Karriere begann. Für ihre erste Erzählung, Agehachō ga kowareru toki (dt.: Der zerbrochene Schmetterling), gewann sie 1988 prompt einen Preis.
Seitdem hat sie mehr als zehn Romane und Erzählungen veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zudem wurden einige ihrer Bücher als Filme adaptiert, darunter auch Das Geheimnis der Eulerschen Formel im Jahr 2006.
Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Präfektur Hyōgo, welche ebenfalls im südlichen Japan liegt.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Bücherkaffee („Verzaubert von ihrem Schreibstil, werde ich mir diese Autorin und weitere ihrer Werke vormerken.“)
  • Von der Muse geküsst (5 Sterne; „[…] das ein Roman über die Mathematik so zauberhaft sein, so magisch und poetisch, hätte ich nie gedacht und ich hab es auch nicht annähernd erwartet.“)
  • Claudias Bücherregal (5 Sterne; „Ein ruhiger Roman, der durch seine Atmosphäre überzeugt und die Liebe zur Mathematik vermittelt.“

Bildquelle Cover: atb
Bildquelle Japanische Kirschblüte: Pinterest
Bildquelle Autorenbild: Aufbau Verlag (Subject: OGAWA Yoko – Copyright: Danica BIJELJAC/Opale – Date: 20070500)

Rezension – Abgeschlagen

Vielen Dank an Midnight by Ullstein und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!
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Endlich haben es Lissie Sommer und „ihr“ Kommissar Sebastian Loch zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Golfklub geschafft, als sie sich genau dort an einem Tatort wiederfinden. Eines der Clubmitglieder wurde mit einem Golfschläger ermordet. Natürlich kann Lissie da nicht stillhalten, sondern nimmt eigene Ermittlungen auf – auch, um ihren Sebastian schnell wieder für sich zu haben.

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, wurde es als „Cosy Crime zum Schmunzeln“ beworben. Das hat mir sehr zugesagt, da ich ein großer Fan des Cosy Crime bin und solche Bücher sehr gerne lese.
Für mich ist immer wichtig, dass es zwar nicht zu blutig und actiongeladen zugeht, aber Spannung muss sich dennoch einstellen. Diese Balance zu finden, gelingt nicht immer – Katrin Schön hat das aber gut hinbekommen.
Mein größter Kritikpunkt sind die Beschreibungen, in welchen sich die Autorin hier ergeht. Bis ins letzte Detail lässt sie sich über die Landschaft und – das besonders gern – die Kleidung der Personen aus. Ärgerlich daran war zum einen, dass diese meist komplett unnötig waren, zum anderen haben sie mir oftmals die Spannung genommen.

Davon einmal abgesehen, hat mir vieles richtig gut gefallen! Ganz oben auf der Liste stehen die Charaktere. Nachdem ich über die ausführlichen Beschreibungen hinweggekommen bin, waren mir insbesondere Lissie und Sebastian, „ihr“ Kommissar, sehr sympathisch.
Die beiden passen als Ermittlerduo gut zusammen. Während Lissie sehr auf ihren Bauch hört, neugierig ist und sich daher gerne in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, achtet Sebastian schon eher auf Vorschriften – schließlich muss er sich dann auch mit den Konsequenzen herumschlagen. So kann er die impulsive Lissie zurückhalten, wenn sie wieder einmal über die Stränge schlägt, aber sie kann auch Dinge ins Laufen bringen, weil sie ihrer Nase folgt.

Ich weiß, was ich will. Und meistens will ich es jetzt.
– Lissie Sommer, Pos. 618 Kindle-Edition

Zudem, wie oben schon einmal angesprochen, wird dieses Buch nicht zu blutig, sondern ist wirklich ein COSY Crime, das zudem das Versprechen hält, mich zum Schmunzeln gebracht zu haben. Lissie mit ihrer Ungeduld und Sebastian mit seiner oftmals grummeligen Reaktion darauf haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Ich fand es auch schön, dass im Buch deutlich wird, wie sehr Lissie Sebastian am Herzen liegt, ohne das daraus ein Tara gemacht wird. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden stiehlt der Kriminalgeschichte nicht die Schau, sondern trägt eine leichte und witzige Note zum Buch bei.

Insgesamt haben mich zwar die vielen ausführlichen Beschreibungen immer wieder irritiert, dennoch ist dieses Buch spannend, ohne in einen Thriller umzuschlagen, und witzig – genau so, wie ein gutes Cosy Crime sein sollte.

Golf ist keine Frage von Leben und Tod – Golf ist wichtiger.
– Pos. 740 Kindle-Edition

Über Katrin Schön:
Schön wuchs in Hessen auf und machte zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Danach studierte sie Publizistik in Bochum, arbeitete einige Zeit in Hamburg und wurde dann Pressesprecherin in Köln. Dort lebt sie seit mittlerweile 9 Jahren, zurzeit geht sie einer Tätigkeit als Projektmanagerin nach.
Ihr Debüt Ausgeplappert, der erste Lissie-Sommer-Krimi, erschien 2015.
Quelle: Buch

Weitere Meinungen zum Buch:

Bildquelle Cover: Ullstein
Bildquelle Golfspielerin: Golf und Günstig
Bildquelle Autorenfoto: Facebook-Seite von Katrin Schön

Rezension – Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Vielen Dank an NetGalley.de und List/Ullstein für dieses Rezensionsexemplar!
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Vor vielen Jahren verlor Anthony Peardew ein Schmuckstück seiner großen Liebe. Seitdem sammelt er alle verlorenen Gegenstände, die er auf der Straße findet, etikettiert sie und nimmt sich fest vor, diese einmal an die Besitzer zurückzugeben. Doch er selbst findet das verlorene Medaillon, das ihm so wichtig ist, nicht. Schlussendlich muss er seine Aufgabe an seine Erbin Laura weitergeben, die plötzlich mit einem ganzen Haufen verlorener Dinge vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe steht.

Bereits als ich zum ersten Mal den Klappentext des Buches gelesen habe, fand ich die Idee dahinter richtig interessant. Sie hörte sich nach etwas außergewöhnlichem an und ich war gespannt, wie sich diese Geschichte entwickelt.
Zunächst ist es mir allerdings überraschend schwergefallen, in das Buch zu finden. Das lag nicht am Schreibstil, denn den fand ich durchgehend angenehm und gut zu lesen.
Schon recht früh wird allerdings ein zweiter Handlungsstrang eingeführt. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, es nervt mich allerdings, wenn ich nicht einordnen kann, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen und diese Frage löst sich hier erst zum Ende des Buches hin auf.

Dieses kleine Manko wird allerdings durch viele positive Dinge wettgemacht, sodass mich das Buch letztendlich doch überzeugen konnte.
Zunächst einmal sind da die Charaktere. Diese habe ich schnell ins Herz geschlossen, auch wenn sie sich nicht durchgehend von ihrer freundlichen Seite zeigen. Zugegebenermaßen hat mir auch das zugesagt, da sich im echten Leben niemand jederzeit nur von seiner Schokoladenseite zeigt. Die Personen haben dadurch viel realistischer gewirkt, man konnte sich dementsprechend besser mit ihnen identifizieren. Die Figuren sind gut herausgearbeitet, es wird nicht Zuviel verraten. So kann man sich sein eigenes Bild von ihnen machen. Hogan ergeht sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung, jeder kann daher der eigenen Fantasy laufen lassen.
Die „Bösewichte“ waren zwar ein wenig überspitzt dargestellt, doch haben sie einige Lacher ins Buch gebracht und sind nicht zu klischeehaft geworden, um sie zu ertragen.

Padua war mehr als nur ein Haus; es war ein sicherer Ort, um zu heilen. Eine Zuflucht, um Wunden zu lecken, Tränen zu trocknen und Träume zu erneuern – wie lange es auch dauern mochte. Wie lange, bis ein zerbrochener Mensch stark genug war, sich der Welt erneut zu stellen.
– Anthony Peardew, Pos. 651 Kindle-Edition

Auch die Handlung konnte mich überzeugen. Es ist ein eher ruhiges Buch, aber die Geschichte entwickelt sich auf so natürliche Art und Weise, dass man fast glauben könnte, sie ist wirklich passiert. Jede neue Entwicklung und Handlung ist nachvollziehbar und verständlich.
Dazu trägt insbesondere bei, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichtet wird. Hauptsächlich berichtet zwar Laura, aber nahezu jeder andere Charakter im Buch kommt ebenfalls einmal zu Wort.
Gut gefallen hat mir auch, dass Ruth Hogan einige Themen einbringt, die eher traurig und nachdenklich stimmen. Dennoch ist es kein düsteres Buch, stattdessen zeigt es zahlreiche Dinge auf, die das Leben schön machen. Diese sind teilweise wirklich groß und lebensverändernd, manchmal aber auch nur ganz klein, beispielsweise eine gute Tasse Tee mit Freunden.

Insgesamt konnte mich dieses Buch trotz der Startschwierigkeiten überzeugen, es hat jede Menge Spaß gemacht zu lesen. Hogan hat eine gute Idee auch noch gut umgesetzt und mir dadurch einige angenehme Stunden bereitet. Am Ende fand ich es sehr schade, mich von Laura und all den anderen liebenswerten Personen verabschieden zu müssen.

Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen.
– Anthony Peardew, Pos. 1180 Kindle-Edition

 

Über Ruth Hogan:
Hogan studierte Englisch und Schauspiel und arbeitete danach zehn Jahre lang in einer Kommunalverwaltung im Bereich Human Resources. Mit Anfang Dreißig hatte sie einen Autounfall, der es ihr unmöglich machte, weiterhin in Vollzeit zu arbeiten. In der freien Zeit widmete sich daher dem Schreiben. Dies intensivierte sich nach einer Krebserkrankung im Jahr 2012, durch welche sie zahlreiche schlaflose Nächte hatte. In dieser Zeit entstand Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge, ihr Debütroman.
Mit ihrem Mann und zahlreichen Hunden lebt sie in einem viktorianischen Haus in Bedford, inmitten zahlreicher Fundstücke – mit ihren Worten: „treasures (or ‘junk’ depending on your point of view)“.
Quelle: Ullstein, Hogans Website

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Book Broker („[…] eine durchaus nette Erzählung mit einer interessanten Handlungsstruktur, allerdings kommt man beim Lesen nicht so richtig in Fahrt“)
  • Bella’s Wonderworld (4/5 Grinsekatzen; „Ruth Hogan erzählt in ihrem Debütroman „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ eine hübsche und leicht romantische Geschichte die zum träumen einlädt.“)
  • Nicoles Bücherwelt (5/5 Sterne; „Ein wundervoller Roman – sehr schön und warmherzig geschrieben“)

Bildquelle Cover: Ullstein Buchverlage
Bildquelle Rose: Pinterest
Bildquelle Autorenfoto: Hogans Website

Rezension – Adele. Ihre Songs, ihr Leben

Vielen Dank an NetGalley.de und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar!
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Sean Smith hat schon zahlreiche Biographien über unterschiedliche Stars der heutigen Zeit geschrieben und widmet sich nun Adele. Diese zählt mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikerinnen des 21. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia). Smith widmet sich ihrem Werdegang als Sängerin und der Frage, wie sie zu ihrem Ruhm kam.

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Ich habe mich entschieden, in diesem Beitrag auf eigene Fotos vom Buch zu verzichten. Stattdessen sind Bilder von Adele im Laufe der Zeit zu sehen, außerdem habe ich einige meiner liebsten Songs von ihr eingefügt.
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Fangen wir direkt mit einem meiner Lieblingssongs an: River Lea ist von ihrem dritten Album, 25, aus dem Jahr 2015.
In diesem Video davon sind einige Aspekte zu sehen, die Smith in der Biographie immer wieder anspricht und welche das Publikum für Adele einnehmen. Mir persönlich gefällt vor allem ihr Lachen. Es scheint immer von Herzen zu kommen und pure Lebensfreude auszustrahlen. Ich kann es mir nie verkneifen, mit zu lachen, einfach nur, weil ich ihr Lachen so toll finde!
Offensichtlich wird aber auch, dass sie eine Perfektionistin ist. Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass mir nicht einmal aufgefallen ist, dass sie „out of breath is“, bis sie es gesagt hat.

Smith geht auf ihren familiären Hintergrund ebenso ein wie die Entwicklung ihrer Karriere. Einmal abgesehen von Adele ist der große Star in diesem Buch (bzw. ihrer Geschichte) ihre Mutter – das sieht, wenn man dieser Biographie glauben darf, wohl auch Adele selbst so.
Penny war erst 18, als sie mit Adele schwanger wurde und dass es nicht das Allerleichteste ist, so jung ein Kind zu bekommen und sich mit „Anhang“ ein eigenes Leben aufzubauen, kann sich vermutlich jeder denken. Doch diese junge Mutter zeigt, dass es immer eine Möglichkeit gibt, einen anständigen Menschen großzuziehen und sich dennoch selbst auch weiterzuentwickeln.
Insofern war sie für mich das eigentlich Inspirierende des Buches: es gibt immer einen Weg, eine Möglichkeit, trotz aller Widrigkeiten oder Probleme.

Mutter zu sein ist jetzt das Wichtigste für sie.
– Pos. 3309 Kindle-Edition

Im Zusammenhang mit ihrem Privatleben fand ich vor allem Adeles Verhalten gegenüber ihrem Sohn Angelo sehr berührend. Ganz offensichtlich geht es ihr nicht darum, aus seiner Geburt irgendeinen kommerziellen Nutzen zu ziehen (sie und ihr jetziger Mann Simon verklagten eine britische Fotoagentur für die Nutzung von Paparazzi-Fotos ihres gemeinsamen Sohnes); selbst den Namen hielt sie verhältnismäßig lange unter Verschluss.
Mir hat sie das sympathisch gemacht, da ich es nie verstanden habe, wie Promis ihre Kinder dem Scheinwerferlicht aussetzen können, scheinbar ohne mögliche Folgen nachzudenken.

Ich hatte Adele nicht wirklich auf dem Schirm, bis ihr Song Rolling in the Deep erschien. Erst während des Lesens habe ich festgestellt, wie viele Songs von Adele ich tatsächlich kenne. Wirklich lieben gelernt habe ich sie aber erst mit Skyfall im Jahr 2011. Obwohl ich den Film nie gesehen habe, lief der Song bei mir rauf und runter und auch heute höre ich ihn noch sehr gerne.
Für mich war es auch sehr interessant, einen Einblick in die Entstehensgeschichte eines Songs (bzw. mehrerer Songs) zu bekommen. Mir war einfach nicht klar, wie viele Menschen letztendlich auch unterschiedlichste Weise hinter einem Lied stehen, das ich im Radio höre oder mir auf YouTube in der Dauerschleife anhöre.

Adele ist für mich ein großes Vorbild; nicht in musikalischer Hinsicht, da ich in dieser Richtung weder Talent noch Ambitionen habe, sondern in Bezug auf Selbstbewusstsein und diese zufriedene Ausstrahlung, welche Adele zu Eigen ist. Natürlich hat auch sie tagtäglich mit Problemen oder unangenehmen Aufgaben zu kämpfen, aber im Großen und Ganzen wirkt sie sehr im Reinen mit sich und ihrem Leben.

Zu ihrer eigenen Überraschung wurde Adele zu einer Mode-Ikone, zu einem Vorbild für ganz normale Frauen in ihrem Alter [meine Anm.: und jünger], in einer Zeit, als Mode extrem sexualisiert war.
– Pos. 3341 Kindle-Edition

Mein einziger Kritikpunkte an dieser hochinteressanten Biographie über einen sehr sympathischen Menschen sind einzelne Themengebiete, die in meinen Augen gar nicht oder zumindest nicht in der gegebenen Länge hätten behandelt werden müssen. Insbesondere im Mode- und Styling-Bereich wäre weniger mehr gewesen. Natürlich ist die Entwicklung ihres Stils wichtig und kann/muss im Zusammenhang mit ihrem Leben betrachtet werden. Aber nicht in dieser Ausführlichkeit, denn so interessant und wichtig sind die Namen von Stylisten etc. nun wirklich nicht.

Komplett übersprungen habe ich zudem das Horoskop für Adele am Ende des Buches, umso besser war dafür die Kurzbiographie, die ganz zum Schluss noch gegeben ist. Hier lassen sich die wichtigsten Daten auf einen Blick einsehen.

„Es geht darum, Dinge zu vermissen, von denen man gar nicht wusste, wie kostbar sie waren. Es geht um das, was war, was ist und was hätte sein können.“
– Adele über 25, Pos. 3236 Kindle-Edition

Send My Love (To Your New Lover) ist mein absolutes Lieblingslied von ihr!

Über Sean Smith:
Smith ist Großbritanniens führender Biograph der Berühmtheiten unserer Zeit. Er schrieb bereits Biographien über Princess Kate, Gary Barlow, Kim Kardashian und viele andere und stürmte damit bereits einige Male die Bestsellerlisten.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stopfis Bücher („Adele ist eine wirklich bewundernswerte Frau, die eine starke Entwicklung durchgemacht hat“)
  • Ney Wonderland (5/5 Sterne; „Jeder ihrer Liedtexte hatte mich zum Nachdenken gebracht“)

Bildquelle Cover: HarperCollins
Bildquelle Adele (Kurzinfo): BBC (eigene Bearbeitung)
Bildquelle Noten: Homesticker
Bildquelle Adele als Kind: Mirror
Bildquelle Adele (2008): Zimbio
Bildquelle Adele (2015): Celebmix

Rezension – 365. Wenn die Masken fallen

Charlotte Clark, Studentin und von allen nur Charly genannt, nimmt sich vor, im kommenden Jahr etwas Aufregendes zu erleben und ein außergewöhnliches Jahr zu verbringen. Dazu gehört auch, sich mit dem Firmenimperium ihres Vaters zu beschäftigen und Fuß in der Geschäftswelt zu fassen. Doch sie verstrickt sich immer mehr in einem Geflecht aus Liebe, Lügen, Reichtum und Kälte und hat eine ganze Menge Schläge einzustecken. Wie wird sie aus diesem Jahr hervorgehen?

Es dürfte einer der merkwürdigsten Wege sein (zumindest für mich), auf welchem ich zu diesem Buch gekommen bin: meine Mutter und ich sind zusammen über die Stuttgarter Königsstraße geschlendert, als uns eine Frau ansprach, ob wir gerne lesen. Auf die Frage gibt’s bei mir natürlich nur eine Antwort und kurz darauf hielt ich ein verfrühtes Ostergeschenk in Händen – den Debütroman von Isabel Kritzer. Die Frau, die uns ansprach, war ihre Mutter.

Ich hab mich auch direkt daran gemacht, das Buch zu lesen, denn nach den Lobesreden der Mutter war ich entsprechend gespannt, ob das Buch den Erwartungen auch entsprechen kann.
Meine Faszination für das Buch hat dieses weniger dem eigentlichen Verlauf der Geschichte zu verdanken. Über einen großen Teil des Buches geschah nämlich wenig bis gar nichts. Mir fiel es daher schwer, in die Handlung zu finden oder auch nur zu erkennen, worauf Kritzer hinauswill.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang war Charly selbst, denn mit ihr wurde ich einfach nicht warm. Annabelle hat in ihrer Rezension auf Stehlblüten einen Grund dafür genannt, den ich nicht so recht in Worte fassen konnte:

[…] sie [empfindet] ihren Studienalltag als so anstrengend […], wo sie doch noch im Elternhaus wohnt, eine eigene Haushälterin hat und noch dazu nicht einmal arbeiten gehen muss, um sich ihr Geld zu verdienen.
– Rezension auf Stehlblüten

Zudem war mir die Diskrepanz zwischen dem, wie sie sich selber beschreibt und wie ich sie wahrgenommen habe, oftmals einfach zu groß. Sie ist 22, kurz vor dem Bachelorabschluss, und will erwachsen sein, stellt sich selbst gerne so dar – aber teilweise hatte ich (20 Jahre alt und im 2. Semester) das Gefühl, dass sie eher ein Mädchen als eine Frau, zumindest deutlich jünger als ich, und zu naiv für ihr Alter ist. Außerdem neigt sie zu voreiligen Schlüssen, welche mich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben haben. In solchen Situationen hätte ich am liebsten ins Buch gegriffen, um ihr einen ordentlichen Schubs zu geben.
Auch die anderen Personen wurden mir nicht sympathisch. Am ehesten dann noch Charlys Schwester Sarah, die einige Zeit im Ausland verbracht hat und mir mit ihrer Gedankenwelt (zumindest was man im Buch erfährt) näher ist wie Charlie.

Dinge änderten sich. Und am Ende wertschätzte man das, was man gehabt hatte, erst, wenn man es verlor.
– Charly, S. 210

Die Dinge, insbesondere in der Handlung, änderten sich dann tatsächlich. Ab circa der Hälfte des Buches passiert endlich etwas, die Handlung spinnt sich weiter und langsam entwickelte sich dann auch ein Spannungsbogen.
Allerdings wurde es mir dann schon fast wieder zu viel des Guten. In der zweiten Hälfte passiert einfach zu viel in zu kurzer Zeit. Ich hatte oft das Gefühl, dass Kritzer um jeden Preis möglichst viele Themen ansprechen wollte – aber mir wurde das Ganze dadurch zu überladen.

Das hört sich jetzt recht negativ an, aber das Buch könnte mich in einigen Punkten auch überzeugen.
Obwohl ich mich von Charly nicht wirklich repräsentiert fühle, hat mich das Buch immer wieder zum Nachdenken angeregt. Sie macht sich viele Gedanken über ihr Leben und auch ich als Leserin habe dadurch Stoff zum Nachdenken bekommen. Dazu trägt insbesondere bei, dass ich, trotz allem oben genannten, in einer ganz ähnlichen Situation bin wie Charly und dadurch viele ihrer Sorgen und Gedanken Charlys gut nachvollziehen kann.

Wir versuchen alle, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber ob uns das gelingt, stellen wir erst später fest.
– Sarah, S. 368

Das beste am Buch war allerdings der Schreibstil – dieser konnte mich wirklich überzeugen. Kritzer schreibt zwar eher sachlich, das hat mich aber nicht gestört. Ich empfand es sogar eher als angemessen, denn das Buch selbst ist zum größten Teil weder dramatisch noch besonders gefühlsbetont und daher ist auch der ruhige Schreibstil passend. Ich empfand den Schreibstil als gut und vor allem deutlich besser, als ich erwartet hatte.
Kritzers Mutter hatte uns gegenüber gesagt, dass 365 Einblick in die Gedankenwelt der heutigen Jugend und jungen Erwachsenen gibt. Ich hatte daher auch mit einer tendenziell jugendlichen Sprache gerechnet, das war hier aber nicht der Fall – und das fand ich richtig gut!

Sprachlich ist dieses Buch ein absoluter Glücksgriff, aber sich mit den Personen wirklich identifizieren, fiel mir in diesem Buch schwer. Insofern war es eher enttäuschend.

Wir alle haben Wünsche, für die es sich zu kämpfen lohnt. Wir haben Träume, denen wir nachhängen, weil wir erpicht darauf sind, sie zu unserer Wirklichkeit zu machen. Doch stellen wir uns meist nicht der Überlegung, ob wir wirklich bereit dafür sind. Ob wir die Konsequenzen, die wir vielleicht noch nicht überblicken können oder wollen, wahrhaftig zu tragen vermögen. Weil wir tief in unserem Inneren davon ausgehen, dass unsere Tagträume nicht wahr werden.
– Charly, S. 374

Über Isabel Kritzer:
Kritzer wurde 1993 in Stuttgart geboren. 2012 machte sie ihr Abitur und machte daraufhin ein BWL-Studium, welches sie mit dem Bachelor of Science abschloss.
365, erschienen 2016, ist ihr erster Roman.
Quelle: Papierfresserchens MTM-Verlag

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stehlblüten („mich [hat] das Buch hin und hergerissen“, „das Buch [hat] eine Wirkung hinterlassen“)
  • Jenny von Lullaby’s Bücherkiste („Es ist wirklich der Hammer wie sehr dieses Buch einen Nerv bei einem treffen kann“)
  • Bücherleser (4/5 Bücher; „Geblieben sind vor allem Fragen an mich selbst“)

Bildquelle Cover: Papierfresserchens MTM-Verlag
Bildquelle Bücher: Unsplash
Bildquelle Autorenbild: Papierfresserchens MTM-Verlag

Rezension – Ein geschenkter Anfang

Auf der bretonischen Île de Groix war Lou wohlbekannt und sehr beliebt. Auch nach mehreren Jahrzehnten Ehe waren sie und ihr Mann Jo noch schwerverliebt und genossen das Leben auf Groix. Doch dann stirbt Lou und die Familie scheint daran zu zerbrechen.
In ihrem Testament gibt sie Jo den Auftrag, sich mit ihren beiden gemeinsamen Kindern Cyrian und Sarah zu versöhnen und diese glücklich zu machen. Erst danach darf er die Flaschenpost öffnen, die sie ihm vermacht hat.

Un vieillard en or avec une montre en deuil
Une reine de peine avec un homme d’Angleterre
Et des travailleurs de la paix avec des gardiens de la mer.
Cortège (Der Leichenzug) von Jacques Prévert

Von diesem Buch habe ich zum ersten Mal bei Ela von Literaturliebe gelesen und es prompt bei dem Gewinnspiel von ihr gewonnen! Mir kam dann zwar die Klausurenphase dazwischen, aber meinen ersten Urlaubstag habe ich damit verbracht, dieses Buch förmlich zu verschlingen.
Das Buch ist zwar nicht spannungsgeladen, dennoch konnte ich es kaum erwarten zu wissen, wie es verläuft. Jo ist in einer ziemlich verzwickten Situation, denn eigentlich hat er keine Ahnung, wie er seine Kinder glücklich machen kann – und nun wurde ihm auch noch eine Frist gesetzt, um dies zu erreichen. Um dies herauszufinden geht er unorthodoxe Wege ein und es war ein Spaß, darüber zu lesen.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Durch die wechselnde Erzählperspektive kommen sie alle einmal zu Wort, man kann sich in sie einfühlen und lernt sie die jeweiligen Beweggründe besser kennen.
Was mich daran ein wenig gestört hat, sind die beiden Enkelinnen Pomme und Charlotte. Obwohl sie liebenswert sind bzw. werden und es wichtig ist, auch die Kinder zu Wort kommen zu lassen, unterschieden sich ihre Gedanken in meinen Augen nicht genug von denen der Erwachsenen. Satzbau, Vokabular und Sprachweise müssten aus meiner Sicht größere Unterschiede zu denen der Erwachsenen aufweisen – und tun das leider nicht. Mir hat dies das Gefühl gegeben, dass man auf Biegen und Brechen alle einmal zu Wort kommen lassen wollte, dabei aber die Glaubwürdigkeit ein bisschen auf der Strecke blieb.

Ein Kind zu lieben bedeutet, von dem Kind Abschied zu nehmen, das man sich erträumt, in seiner Phantasie ausgemalt hat, es bedeutet, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, nicht wie wir es uns wünschen.
– Lou, S. 39

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und vermittelt einem zudem das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Sie schreibt jeweils aus der Ich-Perspektive und vermittelt dabei einen unmittelbaren Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten. Außerdem ist das Buch, und das ist mir schon länger nicht mehr untergekommen, durchgehend in der Gegenwart geschrieben.
Stellenweise gab es dann aber doch Längen in der Erzählung: teilweise lässt sich Fouchet einen Absatz lang über gefühlt nichts aus und gerade am Anfang habe ich darauf gewartet, wann es denn nun endlich losgeht. Dementsprechend schwer fiel es mir auch, wirklich in die Geschichte zu kommen.

Das alles zusammengenommen ist Ein geschenkter Anfang eine schöne Lektüre, die mich zum Lachen aber auch zum Nachdenken gebracht und Fernweh nach der Bretagne hervorgerufen hat, hatte aber auch kleine Schwächen.

Humor ist keine der Verzweiflung entsprungene Höflichkeit, sondern die Boje der Ertrinkenden, die ihre Stiefel nicht ausgezogen haben, um schneller unterzugehen.
– Jo, S. 187

Über Lorraine Fouchet:
Fouchet wurde 1956 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris geboren. Sie wuchs zweisprachig auf und spricht insgesamt vier Sprachen. Nach dem Medizin-Studium arbeitete sie als Notfallärztin, 1977 begann sie mit dem Schreiben von Liebesromanen.
Ihr erstes Buch erschien 1990, größere Bekanntheit erlangte sie mit L’Agence (dt.: Hundert Möglichkeiten, sein Leben zu ändern) aus dem Jahr 2003.
Sie lebt in Paris und auf der Île de Groix.
Quelle: Buch, Wikipedia


Bildquelle Cover: Atlantik Verlag
Bildquelle Leuchtturm: Visit Denmark
Bildquelle Autorenbild: La Nouvelle République

Lesemonat Mai

Hallihallo ihr Lieben!

Gott sei Dank ist dieser Mai vorbei! Denn damit ist auch die zweite Klausurphase meiner Uni-Laufbahn abgeschlossen und ich kann mich wieder anderen Dingen als dem Lernen widmen.
Dank der Uni war mein Lesemonat vor allem von Lehrbüchern und Skripten geprägt. Wenn ich abends vor dem zu Bett gehen gelesen habe, dann meist Liebesromane für die man wenig bis nicht nachdenken muss. So ist dann doch ein ganzer Haufen Bücher zusammengekommen, hauptsächlich reReads (11/20 Büchern hatte ich bereits gelesen).

  • Lick von Kylie Scott > 4 Sterne
  • Fire in You von J. Lynn > 3 Sterne
  • Der Duft von Kaffee und Kardamom von Badreya El-Beshr > 4 Sterne
  • Geheime Versuchung von Nalini Singh > 3 Sterne
  • Ein Vampir für gewisse Stunden von Lynsay Sands > 3 Sterne
  • Sehnsucht des Augenblicks von Nalini Singh > 2 Sterne
  • Bis der letzte Takt verklingt von Nalini Singh > 4 Sterne
  • Stay with Me von J. Lynn > 3 Sterne
  • Fall with Me von J. Lynn > 3 Sterne
  • Bound by Temptation von Cora Reilly > 2 Sterne
  • Bound by Duty von Cora Reilly > 3 Sterne
  • What if? – Was wäre wenn? von Randall Munroe > 5 Sterne
  • Knowing the Score von Kat Latham > 4 Sterne
  • Playing It Close von Kat Latham > 4 Sterne
  • Tempting the Player von Kat Latham > 4 Sterne
  • Taming the Legend von Kat Latham > 4 Sterne
  • Unwrapping Her Perfect Match von Kat Latham > 4 Sterne
  • Die Abenteuer des Sherlock Holmes von Sir Arthur Conan Doyle > 5 Sterne
  • Ein geschenkter Anfang von Lorraine Fouchet > 4 Sterne
  • Gamemaker – Ein letztes Spiel von Kresley Cole > 3 Sterne

Vom Gefallen her war dieser Mai einer der schlechteren Monate mit durchschnittlich nur 3,5 Sternen pro Buch.

Allerdings war auch ein sehr gutes mit dabei, zu dem noch eine Rezension kommen wird und an das ich wohl noch öfter denken werde: What if? – Was wäre wenn? von Randall Munroe.

Ich hoffe, ihr konntet den Mai besser genießen als ich und seid in der Hitze der letzten Tage nicht verbrutzelt!

Celina xxx


Bildquelle What if?: Randomhouse
Bildquelle A History of Ancient Britain: Orion Books

London Legends – Zusammengefasst

London Legends von Kat Latham

#1: Knowing the Score (Caitlyn & Spencer)
#2: Playing It Close (Tess & Liam)
#3: Tempting the Player (Libby & Matt)
#3.5: Unwrapping Her Perfect Match (Gwen & John)
#4: Taming the Legend (Camila & Ash)

Ende letzten Jahres durfte ich den dritten Band der Reihe als Rezensionsexemplar auf deutsch lesen und war sehr begeistert! (Meine Rezension dazu könnt ihr HIER lesen.)
Vor kurzem hatte ich das Gefühl, dass ich dringend etwas neues, kurzweiliges aber dennoch gutes zu lesen brauche. Meine Wahl fiel ziemlich schnell auf ein weiteres Buch von Kat Latham aus der „London Legends“-Reihe.

Mit einigem Erstaunen habe ich dann festgesellt, dass es die komplette Reihe (abgesehen von der Novelle um Gwen und John) für nur etwas mehr als sieben Euro auf Amazon gibt. Mein allererste Reaktion war – ungelogen – „Was soll denn der Scheiß?!“
Für mich dauerpleiten Studenten ist das natürlich ziemlich cool, aber in diesem Fall wird der Preis der Qualität des Buches bzw. der Bücher nicht gerecht und selbst ich wäre mehr als gewillt, mehr Geld dafür hinzulegen.

*** Ich habe jetzt einiges zu berichten, also holt den Schwarztee (bei diesem Wetter gerne in gekühlter Form) raus und stellt euch auf einen etwas längeren Text ein (shame on me) ***

Obwohl das Cover und auch die Tatsache, dass man ein Rugby-Team als Verbindung der Bücher hat, dafür sprechen, würde ich die Reihe nicht dem YA-Genre zuordnen. Hauptsächlich weil die Protagonisten in meinen Augen über das Young Adult-Alter raus sind. Das andere ist mehr ein Gefühl: es wirkt zu erwachsen, als dass es für mich in dieses Genre passt.

Tea: solving Englishman’s problems for four hundred years.
– Spencer Bailey in Knowing the Score (Pos. 3507 Kindle-Edition)

Viele der Dinge, die ich schon in meiner Rezension zum dritten Teil erwähnt habe, treffen auch nach allen viereinhalb Büchern zu.
Dazu zählt insbesondere, dass ich mich noch jedes Mal nach England zurückversetzt gefühlt habe und das ein bisschen Heimweh (denn das ist England für mich) hervorgerufen hat. Sei es nun, weil Gästen – selbstverständlich – immer erstmal eine Tasse Tee angeboten wird, einzelne Redewendungen, die ich so oft gehört oder selbst benutzt habe, oder Londoner Sehenswürdigkeiten, mit denen ich ganz persönliche Erinnerungen verbinde.
All das hat dafür gesorgt, dass ich mich in den Büchern wie Zuhause gefühlt habe.

In allen viereinhalb Büchern hat Kat Latham lesens- und liebenswerte Charaktere geschaffen, die alle ihre kleinen Macken haben und mit den unterschiedlichsten Dingen kämpfen. Dabei packt sie (in meinen Augen sehr erfrischend) nur einmal die „traumatische Vergangenheit“-Karte aus, alles andere sind Schwierigkeiten und Komplexe, die jeder in seinem Leben durchlebt und davonträgt. Denise von Kitsunebooks hat das in einer ihrer Rezensionen so zusammengefasst (und dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen):

Durch das Thema „New Adult“ bin ich leider auch vorbelastet, was die altbekannte „dunkle Vergangenheit“ von mindestens einer der Figur betrifft. Es ist immer eine Frage, ob sie nur eingeführt wird, um das schwulstige Liebesgetolle spannender zu gestaltet oder eben, ob es dazu beiträgt, Charaktere und deren Verhaltensweisen zu begründen und zu beschreiben.
– Kitsune in „Rezension zu Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ (Zugriff
am 29.05.2017)

In dieser Reihe fällt die traumatische Vergangenheit Gott sei Dank unter letztere Kategorie. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass es mich vermutlich abgeschreckt hätte, wenn ich wirklich mit dem ersten, und nicht dem dritten, Buch begonnen hätte. Ohne zu wissen, wie toll die Reihe sich entwickelt, würde ich höchstwahrscheinlich nur die Augen verdrehen und mir zweimal mehr überlegen, ob ich wirklich die gesamte Reihe lesen will.
Dadurch, dass die Protagonisten mit ganz alltäglichen Problemen und Problemchen zu kämpfen haben, konnte ich mich sehr gut in sie einfühlen. Besonders wenn sie unsicher werden – in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Körper, Entscheidungen die sie getroffen haben oder das Leben im Allgemeinen – saß ich vor dem Buch und hab mich gefühlt, als hätte Latham dieses Buch über mich geschrieben.

No more apologizing for being awkward by having her own thoughts, feelings, dreams and life.
– Gwen Chambers in Unwrapping Her Perfect Match (Pos. 1640 Kindle-Edition)

Zudem erscheinen mir diese Bücher um einiges realistischer, als viele andere Liebesromane (egal aus welchem Untergenre), die ich in letzter Zeit gelesen habe (wenn wir mal kurz die Penisgröße der männlichen Protagonisten außer acht lassen, die ist nämlich sehr YA angemessen). In jedem Buch baut Latham auf ganz andere Art den Alltag ein: Kinder, die keine Zweisamkeit zulassen, unauffindbare Kondome, Handys die beim rummachen an besonders unangenehme Stellen drücken, Missverständnisse, …

She’d had a go at him once for saying [pussy], telling him that women’s bits were anything but weak.
– Libby in Tempting the Player (Pos. 1042 Kindle-Edition)

Last but not least gefällt mir super, dass die Protagonistinnen jede auf ihre Art starke Frauen sind. Alle haben sich eine Karriere aufgebaut, sind erfolgreich und lassen sich kein Macho-Gehabe gefallen. Außerdem machen sie immer sehr deutlich, was sie denken, wenn sie (von Männern) unterschätzt werden. Tess aus dem zweiten Band führte einige Zeit einen Blog, in dem sie über die sexistischen und frauenfeindlichen Handlungen ihrer Kollegen berichtet. Regelmäßig widersprechen sie, wenn weibliche Attribute benutzt werden, um etwas als schwach zu beschreiben.

Wenn ihr also eine leichte, aber dennoch ansprechende Lektüre braucht (was bei diesen Temperaturen irgendwie genau richtig ist, zumindest für mich), dann empfehle ich euch diese Reihe. Ihr müsst auch nicht zwangsläufig mit dem ersten Band anfangen – die Bücher sind sehr gut unabhängig voneinander lesbar.


Über Kat Latham:
Latham wurde in Kalifornien geboren und zog nach dem Uni-Abschluss nach Europa. Zunächst unterrichtete sie einige Jahre Englisch in Prag, danach arbeitete sie in London für eine humanitäre Organisation. Sie hat Abschlüsse in Englischer Literatur und Menschenrechte. Sie schreibt Liebesromane, besonders bekannt ist ihre London Legends-Reihe um ein Rugby-Team. Daneben schreibt und editiert sie für gemeinnützige Organisationen.
Zusammen mit ihrem britischen Ehemann und der gemeinsamen Tochter lebt sie in Holland.
Quelle: Kat Lathams Website