Der Palazzo am See

DSC_0895Der Palazzo am See | Sophia Cronberg | Fischer | erschienen 2015
ISBN 978-3-596-19851-1 | 9.99€

Über Sophia Cronberg:
Cronberg, 1975 im österreichischen Linz geboren, entdeckte früh ihre Liebe zum Schreiben und so war im Alter von 14 Jahren der erste Roman abgeschlossen. Seit einigen Jahren ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter lebt sie in Österreich und Frankfurt am Main.

In Der Palazzo am See bekommt die junge Historikerin Stella den Auftrag, am Comer See eine Familienchronik über eine alte italienische Familie, die di Vairas,  zu schreiben. Bei den Forschungen für die Chronik stößt sie auch auf Tizia, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Mann und Stiefsohn bei einem Bootsausflug verlor – angeblich fielen diese einem Fluch zum Opfer. Seit Jahrhunderten soll dieser auf der Familie lasten, wodurch immer der Erstgeborene in jungen Jahren ums Leben kommt.
Zunächst hat Stella großes Mitleid mit Tizia, doch dann stößt sie auf das Tagebuch von Tizias Zofe und je mehr sie recherchiert, desto verworrener wird die Geschichte.
Gleichzeitig entgeht Stella immer wieder knapp Anschlägen auf sich selbst, muss sich mit mürrischen Bediensteten herumschlagen und lernt Matteo, den Enkel ihrer Auftraggeberin kennen. Zwischen den beiden knistert es von Anfang an heftig, aber Stella muss sich aufgrund der Anschläge fragen, ob sie ihm überhaupt vertrauen kann.

Mir hat Der Palazzo am See sehr gut gefallen. Im Buch werden quasi zwei Geschichten erzählt: einmal Stellas Geschichte in der Gegenwart und zum anderen die Geschichte um Tizia in den 1920ern. Beide Geschichten sind flüssig und spannend geschrieben. Auch wenn das Haptaugenmerk auf der Geschichte der di Vairas liegt, wird auch ein Einblick in das Italien der Zwanziger Jahre gegeben, zum Beispiel mit dem Aufstieg der Faschisten um Mussolini.
Cronberg hat vielschichtige Charaktere geschaffen, die im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmachen. Immer wieder ändert sich das Bild über die Personen im Laufe der Geschichte. Besonders gefallen hat mir an den weiblichen Charakteren, dass sie, im positiven wie im negativen Sinne, für das kämpfen, was sie wollen und was sie als richtig erachten.
Enttäuscht hat mich nur die Auflösung der modernen Geschichte um Stella, die ein bisschen  abrupt und, aus meiner Sicht, auf merkwürdige Art kam.
Insgesamt ist es dennoch ein empfehlenswertes Buch, gut geeignet für den Sommer.

Er war sich nicht sicher, bei wem er sich entschuldigte. Bei dem Tamino, der er einst gewesen war, oder bei Tizia, über die er sich in seiner eigenen Rechtschaffenheit so empört hatte, obwohl er nun wusste, wie leicht es war, schuldig zu werden.
– Tamino Sivori

4Sterne

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Ein Kommentar zu „Der Palazzo am See

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