Im Tal der Zitronenbäume

Im_Tal_der_ZitronenbäumeIm Tal der Zitronenbäume | Sofia Caspari | Bastei Lübbe | erschienen 2015
ISBN 978-3-404-17212-2 | 9.99€
Leseprobe

Über Sofia Caspari:
Caspari wurde 1972 geboren. Mehrmals ist sie bereits nach Mittel- und Südamerika gereist, wo auch ein Teil ihrer Verwandtschaft lebt. Argentinien hat sie tief beeindruckt, dort hat sie auch längere Zeit gelebt; Grund für ihre dreiteilige Argentinien-Saga. Nach Stationen in Frankreich und Irland lebt sie mittlerweile mit Mann und Sohn im Nahetal.

1859: Pauline muss mit ihrem Vater Valentin aus Sizilien fliehen, weil dieser den örtlichen Patron betrogen hat. Auf der Überfahrt in die neue Welt lernen sie die Familie Hartung kennen, die ihr ärmliches Leben in Deutschland zurückgelassen haben, um ihr Glück in Brasilien zu suchen. Jonas Hartung und Pauline fühlen sich sofort zueinander hingezogen, doch Paulines Vater hat andere Pläne für seine Tochter. Und auch Jonas‘ Ziehschwester steht der Beziehung misstrauisch gegenüber.

Ein Grund für mich, dieses Buch zu kaufen, war die Tatsache, dass ich noch nie ein Buch über die Auswanderung nach Brasilien gelesen habe. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern über die Auswanderung in die USA, aber Brasilien?! Daher war ich gespannt, inwiefern sich dieses Thema von der, salopp gesagt, ganzen USA-Auswanderung unterscheidet.
Um ehrlich zu sein hatte ich das ein wenig mehr erwartet. Alles in allem war mir das Buch ein zu wenig historisch und viel zu viel Liebesgeschichte. Klar steht vorne nicht „Historischer Roman“ drauf, aber es spielt immerhin Mitte des 19. Jahrhunderts. Wären nicht hin und wieder mal Sklaven erwähnt worden, hätte man fast meinen können, das Ganze spielt sich in heutiger Zeit ab.
Auch der Ausflug in die Welt der armen Auswanderer war mir zu kurz. Das Thema wird ganz kurz angeschnitten, aber wie es den Menschen, die ihre Heimat verlassen und in der Neuen Welt doch kein Glück haben, geht, wird eher wenig behandelt.
Von diesen etwas negativen Punkten abgesehen, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Besonders Pauline war mir von Anfang an sympathisch, auch im Umgang mit ihren Bediensteten und ihren Gedanken über die Stellung der Frau. Gut fand ich, dass die Gründe für das Handeln aller Personen immer nachvollziehbar waren; teilweise mit einer aus heutiger Sicht verdrehten Logik, aber Logik war auf jeden Fall da.
Auch die „Bösewichte“ der Geschichte wurden gut dargestellt, sodass man als Leser ihre Handlungen nachempfinden konnte und teilweise wirklich Mitleid mit ihnen hatte.
Im Plot gingen mir zwei Dinge aber eindeutig zu schnell: die Entwicklung der Gefühle zwischen Jonas und Pauline und der Schluss. Zum Schluss hin hat sich wirklich in einigen wenigen Seiten komplett alles geändert und ich habe mich an einer Stelle auf Fragen müssen, ob das wirklich so möglich gewesen wäre.

Insgesamt sollte man also nicht zu hohe Erwartungen an das Buch stellen, was den historischen Hintergrund angeht; es hat schon seinen Grund, warum das „Roman“ unter dem Titel steht. Allerdings wartet das Buch mit guten Charakteren auf und ist schön zu lesen.

„Nicht immer bekommt man in der Neuen Welt das, was man sich wünscht.“
– Alter Fischer

3Sterne

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