Life of Pi

Life_of_PiLife of Pi | Yann Martel | Canongate | erschienen 2001
ISBN 978-0-85786-553-3 | £8.99

Über Yann Martel:
Martel wurde 1963 in Spanien geboren, wo seine kanadischen Eltern sich zu der Zeit aufhielten. Während seiner Kindheit und Jugend lebte die Familie u. a. in Alaska, Kanada, Frankreich, Costa Rica und Mexico;; später bereiste er beispielsweise Indien, den Iran und die Türkei. In Peterborough (Kanada) studierte er Philosophie; 1993 erschien sein erstes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung. Während die Titelgeschichte davon 1994 verfilmt wurde, entwickelte sich sein erster Roman Self (1996) zu einem Flop. 2001 gelang ihm schließlich mit Life of Pi der Durchbruch, 2012 wurde das Buch verfilmt, der ein großer Erfolg auch in Deutschland war. Seitdem hat er noch zwei weitere Werke veröffentlicht.
Quelle: Wikipedia

Pi ist der Sohn eines indischen Zoodirektors, der aus wirtschaftlichen Gründen nach Kanada auswandern will. Daher begibt sich die Familie und ein Großteil des Zoos auf einen Frachter. Dieser gerät jedoch in einen Sturm und kentert. Als einziger Überlebender findet sich Pi zusammen mit einem Zebra, einem Orang-Utan, einer Hyäne und einem Tiger in einem Rettungsboot wieder. In dem darauffolgenden Überlebenskampf tötet die Hyäne zunächst das Zebra und den Orang-Utan, bevor sie selbst von dem Tiger getötet wird. Pi kann sich zunächst auf einem selbstgebautes Floß retten und beginnt, den Tiger zu zähmen. Dabei macht er sich insbesondere dessen Seekrankheit zunutze. Über die Monate auf See wachsen die beiden immer mehr zusammen, insbesondere, da sie in gewisser Form abhängig voneinander sind.

Seitdem der Film 2012 veröffentlicht wurde, wollte ich dieses Buch lesen. Ich bin einfach nicht wirklich der Film-Typ und Bücher gefallen mir normalerweise besser. Als ich also vor kurzem an einem Büchermarkt vorbeigekommen bin, wo es das Buch für 50 Pence gab, konnte ich daher nicht widerstehen.
An und für sich hat es gut angefangen mit der Erklärung, wie Piscine Molitor Patel zu seinem Spitznamen Pi kommt und über seine ersten Lebensjahre. Aber in meinen Augen haben sich die ersten ca. 100 Seiten schon sehr gezogen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass es endlich auf den japanischen Frachter geht und er hat sich darüber ausgelassen, wie sich die Tiere verhalten, wie es in der Schule läuft, …
Gut gefallen hat mir an diesen ersten 100 Seiten ehrlich gesagt nur eine Sache: die Geschichte, wie der gläubige Hindu Pi sich für das Christentum und den Islam interessiert und vor allem, wie sein Umfeld darauf reagiert.
Diese „Drei-Religionen-Haltung“ von Pi macht in meinen Augen auch die immer wieder auftauchenden religiösen Bezüge lesenswert. Ich bin nicht so der gläubige Mensch und wenn darauf ein starker Fokus gelegen hätte oder Pi nicht diese sehr differenzierte Sichtweise hätte, weiß ich nicht, ob ich über diese 100 Seiten hinaus gelesen hätte. Und das wäre schade, denn danach mausert sich die Geschichte wirklich.
Auf sehr eindrückliche Weise beschreibt Martel den Überlebenskampf der vier Tiere und später auch die vorsichtige Zähmung des Tigers. Er schreibt über die Tiefs und Hochs, welche Pi durchläuft. Von der Hoffnung, gefunden zu werden; der Todesangst vor dem Tiger; die Freude über einen gefangenen Fisch. Er berichtet auch davon, wie Pi sich verschiedene Überlebenstechniken, wie das Angeln, aneignet und wie der Vegetarier seinen Ekel vor dem Fleisch überwindet. All das hat so realistisch gewirkt, dass ich mir wirklich vorstellen konnte, dass es diesen Pi gibt. Gut hat mir auch gefallen, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Tiger entwickelt. Pi vergisst nie, dass ihm ein hochgradig tödliches Tier gegenübersteht, aber im Nachhinein betrachtet, sieht er den Tiger als seinen Lebensretter, der Pis Lebenswillen gestärkt hat.
Ich persönlich hatte auch keine Probleme mit dem Englischen. Klar gibt es das ein oder andere Wort, insbesondere im Zusammenhang mit den Zootieren, welches ich nicht verstanden habe. Aber dieses war nie so wichtig für die Handlung, dass es meinen Lesefluss unterbrochen hätte.

Alles in allem hat mich das Buch wirklich überzeugt: es war absolut realistisch, spannend zu lesen und gut geschrieben. Wären diese verflixten ersten 100 Seiten nicht gewesen, hätte es die fünf goldenen Sterne von mir bekommen.

You must take life the way it comes at you and make the best of it.
– Pi

5Sterne

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7 Kommentare zu „Life of Pi

  1. Huhu,
    mir hat das Buch auch sehr gut gefallen.
    Habe das Buch einer Freundin und danach einer Kollegin ausgeliehen, die beide auch ein paar Startschwierigkeiten bzw. die 100-Seiten Hürde nehmen mussten. 🙂
    Großartiges Buch.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

      1. ja, da muss man echt wie Pi Patel einfach durch halten… 🙂
        Den Film kenne ich auch. In meinen Augen kommt er ans Buch nicht heran, aber die Umsetzung fand ich trotzdem gelungen.
        Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass man dieses Buch verfilmen kann.
        Liebe Grüße, Melli

        Gefällt 1 Person

      2. Ich hab den Film noch nicht gesehen und bin mir halt nicht sicher, ob ich ihn sehen will. Ich bin meistens der Meinung, dass sie nicht an die Bücher hinkommen. Das Problem ist, das mir teilweise die Filme wirklich die Bücher madig machen – und es wäre schade um dieses Buch 🙂

        Gefällt 1 Person

    1. Das verstehe ich! Mir gefällt es auch super ❤
      Die aufgeschlossene Haltung Pis gegenüber Religionen hat in meinen Augen was. Da könnten sich manche Leute wirklich eine Scheibe von abschneiden 🙂
      LG, Celina

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