Rezension – Als unsere Herzen fliegen lernten

Als unsere Herzen fliegen lernten | Iona Grey | Blanvalet | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Letters to the Lost | Übersetzerin: Anja Hackländer
Taschenbuch: 608 Seiten | ISBN 978-3-7341-0188-5 | 9.99€
E-Book: 436 Seiten | ISBN 978-3-641-16205-4 | 8.99€
Leseprobe (pdf)

Als Jess vor ihrem gewalttätigen Freund flieht, findet sie sich in einem leerstehenden Haus wieder. Dort entdeckt sie Briefe, die sie in eine Liebesgeschichte ziehen, die vor über einem halben Jahrhundert ihren Anfang nahm.
1943 treffen sich in einer ausgebombten Kirche in London zwei Menschen: der amerikanische Bomberpilot Dan und die junge Engländerin Stella. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebe, die eigentlich unmöglich ist, denn sie ist verheiratet und er hat kaum Chancen, den Krieg zu überleben.

Ich interessiere mich sehr für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, daher konnte ich diesem Buch nicht widerstehen, handelt es doch von einem Aspekt, über den ich bisher wenig wusste: die Amerikaner in England.
Die ersten rund hundert Seiten haben sich ein wenig gezogen. Die Personen wurden eingeführt, man hat über die jeweiligen Lebensumstände erfahren, aber bis die Handlungsstränge zusammengeführt wurden, hat es sich gezogen und war wenig spannend. Doch danach mausert sich die Geschichte richtig.
Ich fand es spannend zu erfahren, wie das Leben für die einfachen Menschen an der „Heimatfront“ aussah. Toll daran war vor allem, dass man nicht mit vielen Erklärungen und langen Beschreibungen erschlagen wurde, sondern es der Autorin gelang, die Atmosphäre der Zeit wiederzugeben. Für die Menschen ist der Krieg ein Stück weit zum Alltag geworden und das spiegelt sich darin wieder, dass kein großes Aufheben um Dinge wie Rationierungen, Lebensmittel aus dem eigenen Garten und Hilfsbereitschaft unter Nachbarn gemacht wird. Die Menschen unterhalten sich darüber, aber letztendlich ist es Alltag. Und als solcher wird er von der Autorin dargestellt.
Gut fand ich auch, dass Iona Grey einige Themen anspricht, ohne dass das Buch dadurch überladen wirkt. Als roter Faden zieht sich natürlich die Liebe zwischen Dan und Stella durch das Buch und somit auch die Anwesenheit der Amerikaner in England. Darüber wird viel berichtet: Tanzlokale und ausgelassen Flirts gehören dazu, ebenso wie die Abneigung mancher Engländer gegenüber den Amerikanern, welche sie als „Besatzung“ ansahen. Daneben werden aber auch andere, „kleinere“ Themen angesprochen. Schwul sein, beispielsweise, das damals unter Strafe stand. Auch erbärmliche Verhältnisse in den sogenannten Nervenheilanstalten. Und, am Aufwühlensten für mich, die Ehe von Stella, die nach der Liebesgeschichte zu Dan am meisten Raum einnimmt. Anhand dieser wird verdeutlich, welch niedrige Stellung die Frau zu der Zeit hatte – obwohl sie damals schon in den Rüstungsfabriken und in vielen weiteren Bereichen arbeiteten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dieser Spruch von Stellas Ehemann: „Was in einem ehelichen Schlafzimmer geschieht ist vollkommen legal und geht niemanden etwas an.“ Das waren damals die traurigen Tatsachen, aber es hat mich beim Lesen dennoch krank gemacht.
Iona Grey ist es bei mir auch meisterlich gelungen, immer wieder die Hoffnung zu wecken, dass Stella und Dan es schaffen. Und als ich das Ende gelesen habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Nachdem ich ein halbes Päckchen Taschentücher verbraucht habe, bin ich am nächsten Morgen aufgewacht, habe an dieses Ende gedacht und bin gleich wieder in Tränen ausgebrochen. Es ist sehr emotional und man möchte nicht, dass es so endet.

Also eine dicke Leseempfehlung von mir – aber haltet unbedingt die Taschenbücher bereit!

„Der Krieg hat uns beide zusammengeführt, aber er wird uns irgendwann trennen.“
– Stella Thorne (S. 196, E-Book)

goldene_SterneKaufen kann man das Buch bei buecher.de oder buchhandel.de


Vielen Dank an das Bloggerportal und Blanvalet für dieses Rezensionsexemplar!

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2 Kommentare zu „Rezension – Als unsere Herzen fliegen lernten

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