Rezension – Fremdes Land Amerika

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Fremdes Land Amerika | Ingo Zamperoni | Ullstein | erschienen 2016
Hardcover: ISBN 978-3-550-08142-2 | 20.-€
E-Book: ISBN 978-3-843-71440-2 | 16.99€
Leseprobe

Ingo Zamperoni, unter anderem durch seine Arbeit als USA-Korrespondent des ARD zum USA-Kenner geworden, versucht mit diesem Buch eine Brücke zwischen Deutschland und Amerika zu schlagen. Er geht auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede ebenso ein, wie auf die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen und wie sie sich in Zukunft verändern werden.

Ein Land, gefühlt auf Abwegen, verängstigt, orientierungslos – das Selbstbewusstsein der USA hat gelitten.
– 7% Kindle-Edition

Für Deutschland sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein zentraler Bestandteil von Politik und Wirtschaft und auch zukünftig ein wichtiger Faktor. Wie in Amerika gewählt wird, betrifft die ganze Welt. Und nicht nur daran zeigt sich, dass amerikanische Angelegenheit sehr oft weltweit Auswirkungen haben. Dementsprechend wichtig erscheint es mir, sich über dieses Land zu informieren und auch, wie sich die Beziehungen dazu in Zukunft gestalten werden. Dieses Anliegen von mir hat nach der Wahl Trumps zum 45. US-Präsidenten an Dringlichkeit nur zugenommen.
Mit Fremdes Land Amerika hat man ein Buch in den Händen, dass es schafft, einen Überblick über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in den USA zu geben, dabei die Mentalität der Amerikaner besser zu erklären und doch auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika nicht aus den Augen zu verlieren.

Nachhaltige Veränderung beginnt im Kopf.
– 16% Kindle-Edition

Mir hat gut gefallen, dass Zamperoni auf viele Mechanismen in den USA, wie zum Beispiel das Wahlsystem, eingeht, denn oftmals erschließen sich diese nicht auf den ersten Blick, gleichzeitig haben sie aber große Auswirkungen auf das Land – das sieht man gerade wieder mit dem Wahlsystem und der aktuellen US-Wahl.
In diesem Zusammenhang geht er eben auch auf die Mentalitäten der Amerikaner ein, die uns eher selten einleuchten, sei es nun in Bezug auf Waffengesetze oder Obamacare. Ihm geht es aber nicht darum, aufzuzeigen, wo die Amerikaner (zumindest aus deutscher Sicht) an sich arbeiten müssten und wo die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland liegen. Er zeigt auch viele Beispiele auf, an denen Deutschland sich orientieren und an sich arbeiten könnte und sollte – beispielsweise die höhere Bereitschaft zu spenden und in der Nachbarschaft zu helfen.
Ihm geht es vielmehr darum, die Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern deutlich zu machen und dadurch auch deutlicher zu machen, dass wir auch in Zukunft und auch unter einem Präsidenten Trump zusammenarbeiten müssen. Anders sind internationale Krisen nicht in den Griff zu bekommen. Und auf Grundlage einer gemeinsamen Basis arbeitet es sich besser zusammen, als wenn man keinerlei Berührungspunkte hat.

Je verflochtener wir sind, desto sicherer leben wir. Lassen wir dagegen unsere Ängste vor der Bedrohung durch andere zu und schüre Isolationismus, können wir nur verlieren.
– 65% Kindle-Edition

Viele dieser Gemeinsamkeiten haben mich auch erschreckt, denn sie zeigen, dass in den Zeiten von Flüchtlingskrise und zunehmendem Nationalismus ein Rechtsruck, wie er sich mit der Wahls Trumps gezeigt hat, auch in Deutschland im Bereich des Möglichen liegt und wir sollten wohl erst einmal die Bundestagswahlen im nächsten Jahr abwarten, bevor wir über die Amerikaner urteilen.
Der für mich größte Pluspunkt liegt darin, dass Zamperoni immer wieder darauf eingeht, welche Auswirkungen wir in Deutschland spüren werden, bzw. wie wir auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Dadurch wird nicht nur deutlich, wie sich Amerika verändert, sondern auch, inwiefern wir das zu spüren bekommen. In meinen Augen hat es sich allein dafür gelohnt, dieses Buch zu lesen. Nach der Wahl Trumps hat mich, wie wohl viele andere auch, besonders beschäftigt, inwiefern er wohl seine Wahlversprechen wahr machen kann und macht – und wie sich das auf uns auswirkt. Dieses Buch geht darauf zwar nicht explizit ein, schließlich war Trump zum Erscheinungstermin noch gar nicht gewählt, dennoch fühle ich mich nach dem Lesen beruhigter und vor allem besser informiert. Denn es zeigt, dass Trump nicht auf alles Einfluss hat und sich auch nicht ALLE amerikanischen Entwicklungen auf uns auswirken.
Obwohl der Fokus, wie gesagt, auf der deutsch-amerikanischen Beziehung liegt, richtet Zamperoni den Blick auch nach Asien, insbesondere China. Damit bekam ich zum einen das Gefühl, dass wirklich alles abgedeckt wird, was die Amerikaner gerade bewegt. Zum anderen habe ich nun das Gefühl, die Amerikaner doch ein Stückchen besser zu verstehen – nicht alles, was man auf der anderen Seite der großen Pfütze so treibt, aber doch die ein oder andere Sache mehr als vor der Lektüre.
Zamperoni gelingt zudem das Kunststück, viele trockene Fakten und sehr ernste Themen auf vergnügliche Art zu erzählen. Er garniert die Kapitel gerne mit Erlebnissen, die er gemacht hat. Einerseits hat dies natürlich die Sache aufgelockert, andererseits hat es mir auch gezeigt, dass die Themen, die er anspricht, wirklich viele Amerikaner betrifft. Denn ganz offensichtlich wird man in Amerika tagtäglich mit den unterschiedlichen Problemen und Angelegenheiten konfrontiert. Man merkt während des Lesens, wie die deutsch-amerikanischen Beziehungen letztendlich sehr persönlich für ihn sind (seine Frau ist Amerikanerin). Dadurch hebt sich das Buch von typischen Sachbüchern ab, denn auf einer persönlichen Ebene fühle ich mich eher angesprochen und kann mich auch leichter mit der Thematik identifizieren.

Wer sich über die aktuellen Entwicklungen in den USA informieren will und einen besseren Durchblick im Bezug auf das deutsch-amerikanische Verhältnis haben will, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Wie wichtig sind uns die Umsetzung demokratischer Prinzipien, der Pressefreiheit, der Menschenrechte?
– 66% Kindle-Edition

5SterneÜber Ingo Zameroni:
Zamperoni wurde 1974 in Wiesbaden geboren. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst im Radio Klinikfunk in Wiesbaden und begann 1994 sein Studium. In Koblenz, Berlin und Boston studierte er Amerikanistik, Jura und Geschichte. Nach dem Master arbeitete er auch in Washington im ARD-Studio. Ab 2002 war er für den NDR als Reporter und Autor tätig, übernahm später auch erste Moderationen. 2012 wechselte er zu den Tagesthemen und wurde dort nach dem Ausscheiden Tom Buhrows zum regulären Moderator. Seit 2014 ist er als USA-Korrespondent für die ARD tätig, ab Herbst 2016 soll er die Moderation der Tagesthemen übernehmen.
Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet, sie haben drei Kinder.
Quelle: Buch, Wikipedia

Kaufen könnt ihr das Buch beim Ullstein Verlag oder auf bücher.de


Vielen Dank an NetGalley und den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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2 Kommentare zu „Rezension – Fremdes Land Amerika

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