Rezension – Verführung zum Lesen

Quelle: Amazon
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Verführung zum Lesen | Uwe Naumann (Hrsg.) | Rowohlt | erschienen 2003
ISBN 3498046829 | neu für 20,50€ bei Amazon

In diesem Buch berichten 52 bekannte Personen, welche Bücher ihr Leben beeinflusst und geprägt haben. Teils sehr philosophisch, teils über mehrere Seiten, manchmal nur ganz kurz, wird überall eine Hommage an Bücher und das Lesen geliefert.

Es gibt gottlob viele Bücher, nicht nur eines, und der Leser ist frei.
– Wolfgang Schmidbauer (S. 189)

Zunächst muss ich sagen, dass mir ein großer Teil der Prominenten kein Begriff war. Den ein oder anderen kannte ich natürlich, oder ich hatte zumindest schon davon gehört – z.B. Smudo, Hardy Krüger, Felicitas Hoppe, … Aber das Gros der „Erzähler“ war mir unbekannt.
Das ist für mich auch der große Makel an diesem Buch. Ich finde solche Anekdoten, Erzählungen und kleine Einblicke in das Leben anderer um einiges interessanter und spannender, wenn ich die Personen wirklich einordnen kann, ein Bild vor Augen habe. Das hat mir bei vielen der kurzen Berichte – denn das sind es letztendlich – gefehlt; ich wusste nicht, wer dahinter steht. Am Ende des Buches gibt es zu jedem Autor eine Kurzbiographie, aber ich empfand die zum größten Teil als nichtssagend.
Zudem fand ich es ein bisschen störend, wenn die einzelnen Person sich ewig ausgelassen haben – aber über kein Buch geredet haben. Ich hab mir dieses Buch doch nicht ausgeliehen, um über die Relevanz des Lesens zu lesen, sondern um über Bücher zu lesen.
Letztendlich gab es aber sehr viele interessante Berichte. Teilweise schreiben die Autoren über ein einzelnes Buch, viele schränken sich aber nicht auf ein Buch ein, sondern berichten über mehrere Bücher, die sie beeinflusst haben. Davon einmal abgesehen sind die Texte sehr unterschiedlich. Einige sind sehr philosophisch, andere eher nüchtern  und die Texte sind so verschieden wie die Autoren.
Besonders spannend fand ich, wie unterschiedlich die Gründe, ein und dasselbe Buch zu lieben, sein können. Die Buddenbrooks beispielsweise kommen mehrmals vor, aber diese haben auf ganz verschiedene Art die Menschen beeinflusst.
Einige der Autoren haben noch den Zweiten Weltkrieg, teilweise sehr deutlich, miterlebt und gerade hierbei sind die Bücher oft eine Flucht aus der Gegenwart gewesen. Besonders lesenswert, definitiv eine meiner liebsten „Geschichten“, wenn nicht gar die Liebste aus diesem Buch, ist von SAID. Es geht um verbotene Literatur, wenn auch nicht im Dritten Reich, sondern im Iran der 60er Jahre. Mir hat diese Geschichte am Eindrücklichsten gezeigt, wie glücklich ich mich schätzen kann. Ich muss nicht befürchten, ins Gefängnis zu wandern, nur weil ich ein bestimmtes Buch lesen will und habe ohne große Probleme Zugriff auf jedes Buch, das ich lesen möchte.

Insgesamt bietet dieses Buch zwar viele spannende Berichte, aber ich würde mir das Buch nicht kaufen, da ich einige doch eher als langatmig empfand und mir zudem viele Personen kein Begriff sind. Wenn ihr aber einmal in einer Bücherei darüber stolpert, kann ich es durchaus empfehlen.

Wir werden, was wir lesen.
– Helmut Krausser (S. 127)

3SterneÜber Uwe Naumann:
Naumann wurde 1951 in Hamburg geboren und studierte Germanistik und Soziologie. Nach der Promotion begann er 1985 bei Rowohlt zu arbeiten. Vor seinem Ruhestand 2016 war er dort unter anderem Programmleiter Sachbuch und Koordinator E-Book. Sein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf Klaus und Erika Mann sowie Heinar Kipphardt, deren Werke er betreute.
Quelle: Buch, Wikipedia

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