Rezension – Die Wahrheit über Donald Trump

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Die Wahrheit über Donald Trump | Michael D’Antonio | Econ | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Never Enough. Donald Trump and the Pursuit of Success | Übersetzer: Bettina Engels, Norbert Juraschitz, Karsten Petersen, Thorsten Schmidt | erschienen 2015
Hardcover: ISBN 978-3-430-20221-3 | 24 €
E-Book: ISBN 978-3-843-71368-9 | 19,99€

Michael D’Antonio widmet sich in diesem Buch den Facetten, die den Mann Donald J. Trump ausmachen, lässt Wegbegleiter und Donald Trump selber zu Wort kommen. Das Buch behandelt seine Herkunft ebenso wie sein Aufwachsen und geht auch auf aktuelle Entwicklungen ein. Nachdem Trump nun Präsident der USA ist, wird es umso wichtiger einen ehrlichen Blick auf diesen Mann werfen zu können.

Vom Ullstein-Verlag wurde dieses Buch zusammen mit zwei anderen empfohlen, um die USA besser zu verstehen. Das war noch im Vorfeld der Wahlen und – ähnlich wie der Brexit – hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es schon keinen Präsidenten Trump geben wird. Nachdem mir Fremdes Land Amerika richtig gut gefallen hat, wandte ich mich nun der Trump-Biographie zu. Ehrlich gesagt finde ich es nicht so gut, als Buch über Hillary Clinton eine Autobiographie vorzuschlagen – objektiv ist die sicher nicht.

Seit etwas mehr als einer Woche ist Trump nun Präsident und da erscheint es mir umso wichtiger, etwas über Donald J. Trump zu wissen.
In meinen Augen gelingt es Michael D’Antonio gut, einen vorurteilsfreien Blick auf Trump zu werfen. So lässt er, wie erwähnt, viele Wegbegleiter Trumps zu Wort kommen. Neben Trump selber, mit dem er fünf Interviews geführt hat, hat er auch mit dessen beiden Ex-Frauen gesprochen, ehemalige Mitarbeiter kommen zu Wort, aber auch kritische Stimmen fließen ein. Dazu zählen beispielsweise ehemalige Widersacher auf politischer Ebene, aber auch Bürger, die sich gegen Trump gestellt haben oder immer noch stellen. Insofern hatte ich das Gefühl, dass D’Antonio sich wirklich alle Mühe gegeben hat, Trump mit seinen verschiedenen Facetten darzustellen.

Wie ein beleidigter Teenager hatte Donald Trump beschlossen, nie wieder mit mir zu reden.
– Erster Satz im Buch, S. 9

Mir wäre es nie gelungen, dieses Buch zu schreiben und dabei objektiv zu bleiben. Ich denke, es stimmt, wenn ich sage, dass Michael D’Antonio kein besonders großer Fan Trumps ist. Aber dennoch habe ich am Ende des Buches das Gefühl, einen ehrlichen Bericht über Trump gelesen zu haben.
Hauptsächlich konzentriert sich das Buch darauf, den Werdegang Trumps zu beschreiben, seine Erfolge ebenso wie Misserfolge und deren Hintergründe, und das Phänomen „Trump“ zu erklären. So dreht es sich oftmals darum, wie Trump es über Jahrzehnte schaffte, in der Öffentlichkeit zu bleiben. Dabei geht D’Antonio auch auf allgemeine Entwicklungen in Amerika ein, zum Beispiel was einen „Celebrity“ ausmacht.
Ebenso werden Entwicklungen im Privatleben Trumps beleuchtet, meistens aber auch im Hinblick auf die Auswirkungen, die diese auf sein Geschäftsleben und sein öffentliches Bild hatten.

Der Ruhm der Gegenwart ist eine Droge, und für den nächsten Schuss ist ein Süchtiger zu fast allem bereit. Und dazu gehörte auch, dass man der hungrigen Meute immer neue Brocken hinwarf, um wichtig zu bleiben.
– S. 331

Ich wusste nie, ob ich nun lachen oder weinen soll, wenn D’Antonio Trumps Aussagen einem Art Fakten-Check unterwirft. Dabei greift er Aussagen, die Trump auch heute noch gerne wiederholt, auf, wenn der Autor über die Zeit berichtet, auf die Trump sich bezieht. Spontan fällt mir keine Gelegenheit ein, bei der D’Antonio die Aussagen als uneingeschränkt wahr einstuft. Oftmals kann nicht beurteilt werden, ob Aussagen der Wahrheit entsprechen, falsch sind oder nur teilweise stimmen. Aber genauso oft kommt es vor, dass man Trumps Aussagen nur als Lüge bezeichnen kann. Diese dreiste Schwindelei könnte ich zum lachen finden – bis mir einfällt, dass dieser Mann nun das höchste Amt der USA innehat. Und dann möchte ich mich zusammenkugeln und weinen.
Das einzige, was meiner Meinung nach noch genauer beleuchtet hätte werden können, ist Trumps Wandel vom Bauunternehmer und Moderator einer Fernsehshow zum Politiker. Es wird zwar beschrieben, wie sich das entwickelt, aber im restlichen Buch geht er auch auf die Motive Trumps ein. Das kam bei der Entwicklung zum Politiker meiner Meinung nach zu kurz.

„Er gibt sich nicht allein mit einem Profit zufrieden. Er muss mehr bekommen. Sonst hat die Sache keinen Reiz.“
– Wayne Barrett (Journalist), S. 228

Die Wahrheit über Donald Trump konnte ich nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt und mich anderen Büchern zugewandt (ich habe abnormal viele seichte Liebesromane nochmals gelesen, weil ich das Gefühl hatte, mir wird der Kopf sonst zu schwer). Das lag nicht an D’Antonios Schreibstil, den ich als sehr angenehm empfand, sondern am Thema. Regelmäßig hat es mich einfach krank gemacht, von Trumps (meist dubiosen) Machenschaften zu lesen, und daran zu denken, dass dieser Mann nun eines der mächtigsten Länder der Welt führen wird. Skrupellos nutzt er alle Möglichkeiten aus, seine Anwälte finden noch das kleinste rechtliche Nadelöhr und wenn man nicht seine Mittel hat, sowohl monetär als auch personell, kann man Trump offenbar nur mit reinem und heftigstem Trotz widerstehen. Kleinste Fehler seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner werden gnadenlos und ohne Rücksicht ausgenutzt.  Immer wieder wird erwähnt, dass Trump „Gerichtsprozesse wie Waffen einsetzt“ (S. 9) – die meisten Menschen haben einfach nicht die Möglichkeit, ihm auf dieser Ebene lange zu widerstehen, allein was die Kosten eines Verfahrens angeht. Wer sich ihm und seinen Plänen entgegenstellt, wird eingeschüchtert, bedroht oder diffamiert. Eigentlich reichen fast schon die ersten zwei Seiten, um zu wissen, mit was für einer Person man es in Form von Trump zu tun bekommt.
Als eine der häufigsten Charakterbeschreibungen wird durchgehend im Buch das Wort „narzisstisch“ benutzt – keinesfalls nur von Seiten des Autors, sondern auch von Journalisten, die über ihn schrieben, Psychologen, die sich mit ihm beschäftigten, und allerlei Personen, die näher mit Trump zu tun hatten.
Vielleicht die einzig gute Eigenschaft, die er hat, zumindest die einzige die immer wieder erwähnt wird und mir daher noch im Gedächtnis ist, ist seine Loyalität.

„Er erwartete Loyalität von mir, aber er war im Gegenzug auch loyal.“
– Robert Utsey (Trumps erster Bodyguard und Chauffeur), S. 190

Davon einmal abgesehen gibt es aus den 70 Jahren dieses Menschen nur wenig positives zu berichten, dafür vieles, wodurch bei mir die Galle hochkam.

Ich halte dieses Buch in der heutigen Zeit für eine wichtige Lektüre. Es gibt einem eine Ahnung davon, wer der Mann an der Spitze der USA ist, mit wem wir es also die nächsten vier Jahre zu tun haben. Trump macht es einem schwer, eine positive Meinung über ihn zu haben und meine – negative – Meinung über ihn wurde durch dieses Buch eher noch verstärkt. Ich bin ehrlich genug zu sagen, dass mir ein Buch, das ihn in den Himmel lobt, wenig bis gar nicht gefallen hätte. Aber letztendlich habe ich das Gefühl bekommen, dass Michael D’Antonio eine objektive Biographie geschrieben hat – was fast schon ein kleines Kunststück ist.

Er selbst, Trump, […] besaß die Eignung zum Präsidenten, weil er als Geschäftsmann Erfolg gehabt hatte.
– S. 421

goldene_SterneÜber Michael D’Antonio:
D’Antonio wurde in New Hampshire geboren und wuchs dort auf. Er hat jahrelang für verschiedene Magazine gearbeitet, unter anderem The New York Times Magazine, und gewann 1984 im Team mit anderen Journalisten den Pulitzer-Preis. Mittlerweile widmet er sich vollständig dem Schreiben von Büchern. Diese wurden bereits mehrmals zu den „Besten Büchern des Jahres“ ernannt, unter anderem von The New York Times oder The Chicago Tribune.
Er lebt zusammen mit seiner Frau auf Long Island.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:

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6 Kommentare zu „Rezension – Die Wahrheit über Donald Trump

  1. Es gibt ein Psychogramm zu Donald Trump, ein kurzes Interview, das ich sehr lesenswert finde:

    The Donald: „Liebe und Anerkennung“ und Verantwortung

    Beleidigungen, Anschuldigungen, Lügen: Donald Trump macht immer wieder durch sein auffälliges Verhalten Schlagzeilen und irritiert damit Politiker rund um den Globus. Eine Psychologin versucht, sein Vorgehen zu erklären.

    Was will Donald Trump? In einem Interview mit der „Bild“ und der „Times“ bezeichnete der künftige US-Präsident die Nato gleichzeitig als überflüssig und sehr wichtig. Die Psychologin Lena Kornyeyeva erklärt, was es mit solchen Widersprüchen auf sich hat, warum Trump so viel beleidigt und warum man ihn unbedingt ernst nehmen sollte.

    […]

    Ich vermute, der Mann sucht nach der Liebe und Anerkennung, die er als Kind nicht bekommen hat …

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Gefällt mir

    1. Hallo Herr Kiwitt,
      ich denke, es ist zu einfach, Trumps Verhalten nur auf seine Kindheit zu schieben. Insbesondere nachdem ich dieses Buch gelesen habe, habe ich nicht das Gefühl, dass es so ist.
      Sein Vater hat auch immer mal wieder eher unlautere Geschäfte gemacht, aber bestimmt nicht in dem Maß wie Donald. Zudem hat er in meinen Augen von seiner Mutter mehr als genug Zuneigung bekommen.
      Außerdem wird auch immer wieder erläutert, wie sehr Donald Trump letztendlich auch ein Kind seiner Zeit und vor allem der Entwicklungen in den USA ist. Wenn also Trump nach der Liebe und Anerkennung sucht, dann tun das auch Millionen andere Amerikaner und das scheint mir in diesem Ausmaß ein bisschen abwegig.
      In einigen Punkten stimme ich aber dennoch mit dem Interview überein, besonders „Meines Erachtens ist es kontraproduktiv, ihn zu pathologisieren, also als krank zu bezeichnen. Damit entlässt man ihn zu rasch aus seiner Verantwortung und nimmt ihn nicht ernst genug.“ würde ich so sofort unterschreiben.
      LG Celina

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Frau Sauter,

        bei der Zuneigung, die ein Kind insbesondere von seinen Eltern erfährt, kommt es m.E. auf die Art der Zuneigung an.
        Sie schreiben:

        Zudem hat er in meinen Augen von seiner Mutter mehr als genug Zuneigung bekommen.

        Sogenannte „Helicopter-Eltern“ (von denen es in den USA laut Medienberichten ziemlich viele gibt — sie lassen ihre Kinder z.B. nicht oder kaum zum Spielen nach draußen) geben ihren Kindern soviel Zuneigung, dass diese daran fast ersticken, dadurch aber keine Werte und keine Orientierung vermittelt bekommen und nicht zu sich selbst finden können. Das ist dann im Grunde gar keine Zuneigung, keine elterliche Liebe, sondern ein (bevormundendes) totales Besitzen-Wollen — was das Kind im Erwachsenenalter zu kompensieren versucht, daran aber leicht scheitern kann.

        Sicher ist DJT ein Kind seiner Zeit — das trifft wohl auf alle Menschen zu. Auch wurde er durch seine Umgebung mitgeprägt, was ebenfalls nicht außergewöhnlich ist. Ein Narzissmus, wie ihn DJT an den Tag legt, ist jedoch m.W. nicht angeboren, sondern entwickelt sich aufgrund von Fehlleitungen / Fehlprägungen während der kindlichen Erziehung.

        Eckhardt Kiwitt, Freising

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    1. Hi Melanie,
      bei mir war das Problem gar nicht das ich das Buch zu trocken fand. Ich weiß ja nicht, wie weit du schon bist, aber es gab Stellen, da hab ich gezittert vor Wut über Trumps Verhalten. Und dann konnte ich einfach nicht weiterlesen – sonst hätt ich das Buch gegen die Wand geschmissen 🙈
      Aber ich verstehe, dass man sich teilweise durchkämpfen muss 🙂
      LG Celina

      Gefällt 2 Personen

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