Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death

Quelle: Little, Brown Book
Quelle: Little, Brown Book

Agatha Raisin and the Quiche of Death | M. C. Beaton | Constable Books | erstmals erschienen 1992, diese Ausgabe 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-4721-2067-0 | 7.99£

Agatha Raisin, Chefin einer PR-Agentur in London, beschließt, sich einen frühen Ruhestand zu gönnen und auf das Land zu ziehen – ein Kindheitstraum von ihr. Um dort Anschluss zu finden, nimmt sie an einem Quiche-Wettbewerb teil. Da sie jedoch nicht backen kann, kauft sie eine Spinat-Quiche. Nicht nur, dass der Juror ihrer perfekten – wenn auch gekauften – Quiche nicht den ersten Platz einräumt: am Abend stirbt er an eben jener! Agatha Raisin steht nicht nur als Lügnerin da, sondern gerät auch ins Visier der Ermittler. Um ihren Namen reinzuwaschen, muss sie herausfinden, wer den Mann wirklich auf dem Gewissen hat.

Während meines England-Aufenthalts habe ich hin und wieder den Trailer für die Agatha Raisin-Serie gesehen und dachte schon da, dass mich die Geschichten um diese eigenwillige Frau interessieren könnten.
Als mich Mimi von Mimis Leseecke also darüber informiert hat, dass ich mir ein Wunschbuch aussuchen darf, ist meine Wahl nach kurzem Überlegen auf dieses gefallen (überlegen musste ich trotzdem – es gibt so viele tolle Bücher, die ich lesen möchte).
Enttäuscht wurde ich definitiv nicht. M.C. Beaton braucht nicht lange, um voll ins Geschehen zu starten und besonders zu Beginn geht es auch Schlag auf Schlag: Agathas Umzug auf’s Land, ihr Entschluss an dem Wettbewerb teilzunehmen und der Tod des Jurors, Cummings-Browne. Teilweise gab es dann doch Strecken im Buch, wenn Agatha mit sich hadert, ob sie dessen Tod genauer unter die Lupe nehmen oder doch lieber auf die Polizei hören soll, die seinen Tod als Unfall abtut.
Es gab, neben der Geschichte selber, einige Dinge, die mir richtig gut an diesem Buch gefallen haben. Dazu zählt eindeutig Agatha Raisin. Es fällt ihr schwer, den Konventionen zu entsprechen, eigentlich ist an ihr fast gar nichts konventionell. Dadurch macht sie es den Menschen außerordentlich schwer, sie zu mögen. Agatha ist sehr oft sehr schnippisch und wenn ihr etwas gegen den Strich geht, dann zeigt sie dies auch deutlich. Andererseits sehnt sie sich danach, von den Menschen im Dorf gemocht zu werden, die anhaltende Einsamkeit während der ersten Zeit macht ihr zu schaffen. In dieser Hinsicht ist der Todesfall im Dorf ein wahrer Glücksfall für sie, denn so kommt sie mit den Leuten ins Gespräch. Die Einsamkeit und wie sie beschrieben wird, haben dafür gesorgt, dass sie mir sympathisch wurde. Es passiert nicht oft, dass ich so heftig zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber einem Protagonisten schwanke, was dieses Buch für mich von der Masse abhebt.

A faint idea was stirring somewhere in her brain that Agatha Raisin was not a very lovable person.
– S. 29

Daneben ist Agatha Raisin witzig. Sie hat eine bissige Art von Humor, typisch britisch, der mir richtig gut gefallen hat. Zudem machen sie ihre missmutigen und teils missgünstigen Gedanken sie nicht nur zu einer richtigen Persönlichkeit, sondern auch zu einer echten Person, mit der man sich identifizieren kann. Ich denke, es gibt niemanden, der immer gut gelaunt ist, immer ehrlich, ohne Probleme und Menschen nur das beste wünscht. Ich kann mich eindeutig besser mit Menschen identifizieren, wenn sie Macken und Fehler haben, schlecht gelaunt sind, sich über ihr Aussehen sorgen und andere Menschen ohne guten Grund nicht leiden können – denn dann sind sie wie ich. Und vielleicht ist das bei Agatha Raisin manchmal überspitzt dargestellt, vielleicht aber auch nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, ähnele ich ihr vielleicht öfter als mir lieb ist – zumindest was meine Gedanken angeht, sicher nicht in ihren Taten. Denn sie ist tough: viele Dinge, die sie macht und sagt, würde ich mir nie trauen und sie lässt sich auch nicht unterkriegen.
Auch in einem anderen Punkt hat mir die Figur Agatha gut gefallen: sie zeigt, entgegen der typischen Darstellungen, dass Frauen nicht verheiratet sein müssen oder Kinder haben müssen und durchaus in der Lage sind, für sich selber zu sorgen.
Eine andere Sache, die dieses Buch für mich zu einer schönen Lektüre gemacht hat, ist die Umgebung, in der es spielt. Carsley, Agatha Raisins neue Heimat, ist kein reales Dorf, aber Moreton-in-Marsh, die nächste größere Stadt, gibt es. Und es liegt in den Cotswolds, der Region, wo ich einen großen Teil meines AuPair-Jahres verbracht habe. Immer mal wieder werden Orte erwähnt oder besucht, die ich kenne und teils ebenfalls schon besucht habe. Dazu zählen beispielsweise Cheltenham, Gloucester ebenso wie London und ein paar seiner Sehenswürdigkeiten. Jedes Mal habe ich praktisch gejauchzt vor Freude, wenn ein Ort vorkam, den ich kannte – und Herzweh bekommen.

Beaton ist es gelungen, das ländliche England wieder vor meinen Augen erstehen zu lassen, inklusiver der Einwohner, die man in all ihren Ausprägungen in Corsley finden kann. Es ist ein tolles Cosy Crime und ich habe es sehr gerne gelesen.

Really, thought Agatha crossly, under the exterior of every effeminate man beats the heart of a real chauvinist pig.
– S. 170

5SterneÜber M. C. Beaton:
Beaton ist eines der Pseudonyme von Marion Chesney. Sie wurde 1936 in Glasgow geboren und arbeitete dort in einem Buchladen, bevor sie über mehrere Stationen zur Daily Express als Chefreporterin des Frauenressorts kam. Nach der Geburt ihres Sohnes und einem Umzug in die USA begann sie historische Romane zu schreiben.
Sie lebt in den Cotswold, wo die Krimis um Agatha Raisin spielen.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

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5 Kommentare zu „Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death

  1. Mir hat das Buch ja auch so gut gefallen! An Freitag kam der Pilotfilm und ich fand es richtig gut umgesetzt. Jetzt will ich endlich den dritten Teil lesen. Der Serienstart hat mich wieder angefixt, nachdem ich vom zweiten Teil leider nicht so begeistert war.

    Liebe Grüße und danke für die Verlinkung!

    Gefällt 1 Person

    1. Den zweiten Teil hab ich übersprungen, habe aber letzte Woche den dritten Teil beendet. Hat meiner Meinung nach lang gedauert, bis was passiert ist, aber dann hat’s mir gut gefallen ☺ viel Spaß dir damit, bin gespannt, was du sagst!
      LG Celina

      Gefällt 1 Person

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