Rezension – Boris & Olga

Quelle: Selma J. Spieweg
Quelle: Selma J. Spieweg

Boris & Olga – Tod dem Zaren | Selma J. Spieweg | Selbstverlag | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1505696196 | 15,-€
Leseprobe

Seit 44 Jahre herrscht in Russland Krieg und ebenso lange kämpft der Soldat Boris in diesem Krieg. Wissenschaftler haben versucht, mithilfe von Quantenmagie einen nahezu unzerstörbaren Blauen Krieger aus ihm zu machen. Allerdings gingen die Experimente schief und er ist die einzige Versuchsperson, die überlebt hat. Allerdings haben ihn die Experimente einen Arm und seine Menschlichkeit gekostet. Nun bleibt ihm nur noch sein unbedingte Zarentreue. Als er daher in einem eiskalten Winter seinen Kameraden nicht mehr folgen kann und sich zum Sterben bereit macht, beschließt er die 12jährige Diebin und Anarchistin Olga mit in den Tod zu nehmen und dem Zaren damit einen letzten Dienst zu erweisen. Doch dann taucht ein Mann auf, der eben jenem Zaren verdächtig ähnlich sieht und die Bemühungen, diesem zum helfen, schweißen das ungleiche Paar Boris und Olga zusammen.

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Wanderbuch-Aktion von Watched Stuff gelesen. Beim ersten Lesen des Klappentextes dachte ich mir, dass das wirklich was für mich sein könnte. Ich bin zwar kein besonders großer Fan von Fantasy, wovon ja doch das ein oder andere Element eingebaut ist. Aber mit dem letzten Wanderbuch habe ich letztendlich, obwohl es auch nicht meinem Genre entsprach, richtig gute Erfahrungen gemacht.
So uneingeschränkt wie beim vorherigen Wanderbuch hat mir diese Geschichte allerdings nicht gefallen. Zum einen hat mir missfallen, wie sich die Geschichte entwickelt. Besonders zu Beginn gibt es meiner Meinung nach zu viele Entwicklungen, die dem Zufall überlassen werden. Es ist verständlich, wenn die beiden sich ein oder zweimal zufällig über den Weg laufen. Aber wenn diese unbeabsichtigten Begegnungen überhand nehmen, dann wirkt das auf mich unglaubwürdig. Das ist hier der Fall. Die Entwicklung der Geschichte kam mir zu gewollt vor. Zu oft habe ich gedacht, dass es so in der Wirklichkeit nicht passiert wäre. Mir ist klar, dass es sich hier zum größten Teil um Fantasy handelt, aber eine gewisse Natürlichkeit muss trotzdem gegeben sein, damit ich mir nicht ein bisschen veräppelt vorkomme. Hier habe ich mir schon recht früh überlegt, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass man sich in den Weiten Russlands so oft zufällig über den Weg läuft.
Zudem hatte ich manchmal ein Problem mit den Perspektivwechseln der Autorin. Es wird abwechselnd aus Boris‘ und Olgas Sicht berichtet. Meiner Meinung nach hätte man hier teilweise ganze Absätze entfernen können, ohne dass dies der Spannung Abbruch getan hätte. Oftmals wird nur, mit nahezu den gleichen Worten, eine Szene erneut beschrieben, eben aus einem minimal anderen Blickwinkel.
Dafür gelingt es der Autorin gut, die Beziehung zwischen Olga und Boris darzustellen. Sie sind zusammen zuckersüß und insbesondere Boris hat es mir echt angetan. Spieweg beschreibt mit wenigen Worten, wie sehr er sich nach Zuneigung, Freundschaft und Freundlichkeit sehnt. Nachdem Wissenschaftler an ihm herumgepfuscht haben und er einen mechanischen Arm hat, haben ihn seine Kameraden in der Kompanie gemieden und so hungert er geradezu nach ein bisschen menschlicher Wärme. Olga bringt ihm das entgegen, findet in Boris aber auch genau das, wonach sie immer gesucht hat: einen Beschützer. Denn von klein auf ist sie weitestgehend auf sich allein gestellt. Eine kurzzeitige Familie, in Form von Rebellen gegen den Zaren, wird von der russischen Geheimpolizei getötet. Von ihnen hat sie ihre zarenfeindliche Haltung, über die sie und Boris, der sehr zarentreue Soldat, zu Beginn ihrer Bekanntschaft ständig in Konflikt geraten.
Olga setzt sich aber sehr schnell in den Kopf, dass sie und Boris sich gegenseitig helfen können und sollten und tatsächlich funktionieren die beiden als Team besser als für sich alleine. Olga ist eine Art Gewissen für Boris, sie trifft meistens die Entscheidungen über das weitere Vorgehen ihrer kleinen 2-Mann-Armee. Boris, der seit seiner Kindheit im Dienst der Armee steht, kann nur schwer Entscheidungen fällen, er ist es zu sehr gewohnt, Befehle zu bekommen und zu befolgen. Zudem ist er unvorstellbaren Entbehrungen und Grausamkeiten ausgesetzt worden und hat daher ein anderes Maß für Tod und Grausamkeit. Dadurch wirkt er manchmal fast gewissenlos.  Dafür macht er die mangelnde Kraft, Körpermasse und Kampferfahrung seiner kleinen Begleiterin wett und beschützt sie vor allen möglichen Gefahren.
Sowieso hat Spieweg ein gutes Gespür dafür, ohne großes Tamtam die Gefühle der Protagonisten aufzuzeigen, sodass man sich richtig gut in sie einfühlen kann. Stellenweise kamen mir wirklich die Tränen, manchmal hab ich laut losgelacht, das wiegt vieles auf und hat dieses Buch letztendlich, trotz kleiner Mängel, zu einem guten Buch und einer netten Lektüre gemacht.
Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters

Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters einmal an Bücher mit dem Qindie-Label zu wagen – vielleicht finde ich ja so noch den ein oder anderen Schatz. Dieses Buch hat mir auf jeden Fall alles in allem gut gefallen.

4Sterne

Über Selma J. Spieweg:
Spieweg wurde 1966 in Berlin geboren, wo sie 1986 ihr Studium an der Universität der Künste begann. Sie legte ihren Schwerpunkt als Grafikerin in der Magazingestaltung und arbeitete unter anderem als Art Direktorin des Micky Maus Magazins.
Quelle: Clockwork Cologne

Noch viel mehr Informationen zu den Geschichten um Boris und Olga gibt es auf der Website der Autorin.

Weitere Meinungen zum Buch:

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Ein Kommentar zu „Rezension – Boris & Olga

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