Rezension – Das Jahr, in dem ich dich traf

Jasmine ist eine echte Arbeitsbiene. Als sie plötzlich für ein Jahr freigestellt wird, weiß sie daher nicht so recht, was mit sich anzufangen und verzweifelt an ihrer Situation. Doch dann sieht sie zum ersten Mal Matt, den Nachbarn von gegenüber, und beginnt, ihn zu beobachten. Daraus entwickelt sich ein Jahr angefüllt mit Freundschaft, nächtlichen Unterhaltungen und Überraschungen, die noch lange nachwirken werden und Jasmine verändern.
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Dieses Buch habe ich unmittelbar nach meiner Rückkehr aus England gekauft. Es war ein absoluter Spontankauf; ich habe auf eine Freundin gewartet, mir die Zeit im Buchladen vertrieben und selbstverständlich wollte ich nur mal kucken. Letztendlich durfte dieses Buch dann doch in meine Tasche wandern. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es mich heute noch so ansprechen würde, wie es zu dem Zeitpunkt tat, aber die ersten beiden Zeilen auf der Rückseite des Buches hatten mich sofort in ihren Bann gezogen:

Das Jahr, in dem sich mein Leben veränderte.
Das Jahr, in dem ich zu mir fand.

In diesem Buch bezieht sich das natürlich auf ein ganz anderes Thema, aber sie haben mir dennoch so sehr aus der Seele gesprochen, dass ich dem Buch nicht widerstehen konnte.
Das mag sich vielleicht überzogen und kitschig anhören, aber so ging es mir nach dem Jahr in England. Mein Leben hat sich verändert, vor allem, da ich mich verändert habe. Ich habe eine ganz gehörige Portion Selbstvertrauen hinzugewonnen und viele meiner Ansichten zu den unterschiedlichsten Themen (Fremd sein, Reisen, Familie, Politik, Kinder, …) waren nicht mehr die Gleichen. Umso merkwürdiger war es dann, zurückzukehren nach Deutschland, wo sich, zumindest privat, kaum etwas verändert hatte. Teilweise habe ich mich nahezu fremd in der eigenen Familie gefühlt, weil ich einfach nicht mehr die selbe Celina war wie zu Beginn meines AuPair-Jahres. Aber ich habe mich seitdem auch mehr wie ich selber gefühlt – zu mir gefunden.
Ihr könnt euch also vielleicht vorstellen, wie sehr mich die zwei obigen Zeilen angesprochen haben.

Letzten Endes ist es dann trotzdem ein ganzes Weilchen liegen geblieben, bevor ich es nun endlich gelesen habe. Und dafür könnte ich mir selbst in den Allerwertesten beißen, denn dieses Buch hat mir super gefallen!
Das hängt zu einem großen Teil mit Jasmine zusammen. Zu Beginn war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich sie nun leiden kann oder nicht, denn viele ihrer Aussagen und Handlungen fand ich einfach nur merkwürdig. Sie ist wie einer dieser Menschen, die man besser kennen lernen muss, um sie zu mögen und wertzuschätzen. Zumindest ging es mir so, denn nachdem ich ein Weilchen gelesen hatte, konnte ich mich oftmals in ihr wiederfinden.

Mein Stolz. Der so leicht zu verletzen ist. Ich will keine Hilfe, ich hasse das. Ich muss alles allein erledigen, immer.
– Jasmine Butler, S. 49

Unter anderem ist sie gegenüber ihrer Schwester Heather sehr beschützend und fürsorglich und mit dieser kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel, die mich an diesem Buch begeistert hat. Heather hat Down Syndrom und ist so ziemlich der netteste Charakter, den man sich nur vorstellen kann.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich, von den grundsätzlichsten Grundlagen abgesehen, herzlich wenig über Down Syndrom weiß. Zudem kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie schwierig es manchmal (oder oftmals?) sein muss, einen Menschen mit Down Syndrom in der Familie zu haben. Ich weiß allerdings, dass das Syndrom unterschiedlich starke Ausprägungen hat und gehe nach den Beschreibungen von Heather stark davon aus, dass sie eine verhältnismäßig milde Form hat. Sie führt ein eigenständiges Leben mit zahlreichen Jobs und benötigt auch keinen ständigen Betreuer. Jasmine verhält sich eher wie eine ältere Schwester, aber es wird doch immer wieder deutlich, dass Heather die Ältere ist und sich um ihre kleine Schwester sorgt.

Heather hört zu, sie hört uns allen zu, denn sie ist eine kluge Frau, die sich auch andere Meinungen durch den Kopf gehen lässt.
– S. 176

Ich kann nur für mich sprechen (und lasse mich gerne korrigieren), aber Ahern ist es auf jeden Fall gelungen, mir einen Spiegel vorzuhalten. Als Jasmine vom Verhalten anderer Leute gegenüber ihrer Schwester berichtet, wurde mir klar, dass auch ich mich oftmals so verhalten habe. Ich neige ebenfalls dazu, diesen das Label „Down-Syndrom“ zuzuteilen und nicht wirklich darüber hinauszuschauen. Um ehrlich zu sein, bin ich teilweise erschrocken, wie zutreffend die Beschreibungen waren. Insofern ist das Buch für mich auf jeden Fall ein Anstoß, mich in dieser Hinsicht in Zukunft anders zu verhalten.

Ein weiterer Pluspunkt neben den toll herausgearbeiteten Charakteren ist die Geschichte selbst. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Story und Jasmine haben sich ganz anders entwickelt, als ich es erwartet habe. Das hat mich in diesem Fall keineswegs enttäuscht, sondern im Gegenteil noch mehr für das Buch eingenommen. Obwohl man vom Cover und Klappentext her eine 08/15-Liebesgeschichte erwarten kann, ist sie das in meinen Augen keineswegs. So hat mich das Buch auch in dieses Hinsicht absolut positiv überrascht.
Natürlich ist die Geschichte nicht actionreich aufgeladen, sie folgt auch nur bedingt dem typischen Spannungsbogen. Das hat mir aber ziemlich gut gefallen, da mir das Buch dafür umso realistischer vorkam. Es würde mich gar nicht wundern, wenn in Irland (oder Frankreich, Deutschland, …) irgendwo eine Jasmine sitzt und sich einen Haufen Gedanken über ihr Leben macht.

Ich kann Das Jahr, in dem ich dich traf nur empfehlen: eine schöne Geschichte mir der ein oder anderen Überraschung, die sich ganz anders entwickelt als erwartet. Perfekt für schöne Frühlings- und Sommertage, um den Tag im Liegestuhl zu verbringen und sich von Ahern nach Irland entführen zu lassen.
Wer allerdings spannungsgeladene Szenen, knisternde Erotik und herumstiebende Schmetterlinge und Herzchen erwartet, sollte von diesem Buch lieber die Finger lassen.

Über Cecelia Ahern:
Ahern wurde 1980 in Dublin geboren, wo sie auch Journalismus und Medienkommunikation studierte. Ihr erstes Buch, P.S. Ich liebe dich, erschien 2004 und wurde prompt zum Bestseller. Mittlerweile wurde es in 15 Sprachen übersetzt, zudem gibt es eine Verfilmung, welche allerdings nur grob auf dem Buch basiert.
Auch die folgenden Bücher der Autorin konnten sich jeweils für mehrere Wochen in den Bestsellerlisten vieler Länder halten und erreichten zum Teil auch Platz 1.
Zusammen mit ihrem Mann hat Ahern zwei Kinder.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

  • A Book Love (3/5 Herzen; „Idee des Romans zwar sehr schön, aber nicht optimal umgesetzt“)
  • Buntes Tintenfässchen (4/5 Bildchen; „ein bisschen mehr Drama hätte die Ge- schichte doch vertragen können“)
  • Lesemomente (8/10 Sterne; „ein wundervolles Buch, klug und wichtig“)
  • Storytime (5,5/6 Wombats; „eine Geschichte, die von einem Jahr erzählt, das einen Lernen lässt über das Leben und die Liebe“)

PS: Wenn ihr Ahnung von dem Thema und das Buch bereits gelesen habt, dürft ihr mir auch gerne schreiben, wenn das Down Syndrom nicht richtig wiedergegeben wurde oder ich vielleicht etwas im Bezug dazu falsch dargestellt habe!


Bildquelle Cover: S. Fischer Verlag
Bildquelle Glockenblume: Gartenanlegen.net
Bildquelle Autorenbild (von Gaby Gerster): Lesering

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2 Kommentare zu „Rezension – Das Jahr, in dem ich dich traf

    1. Vielen Dank!
      Ich habe bisher nur dieses und „P.S. Ich liebe dich gelesen“, das hat mir auch ziemlich gut gefallen (ist schon ewig her 🙈)
      Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, ob mich ihre anderen Bücher wirklich ansprechen, das hier war wirklich ein absoluter Situationskauf.
      Mich würde auf jeden Fall sehr interessieren, was du dazu sagst ☺
      LG Celina

      Gefällt 1 Person

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