Evergreens – Erich Kästner

In dieser kleinen Reihe möchte ich euch meine Evergreens vorstellen: Bücher, die einen besonderen Platz einnehmen, die mich teilweise schon mein Leben lang begleiten. Es sind Bücher, über die ich keine genaue Rezension schreibe, weil ich normalerweise nur Bücher rezensiere, die ich gerade gelesen habe. Ich sehe meine Beiträge über die Evergreens auch nicht wirklich als Rezensionen an, da es keine mehr oder weniger sachliche Begründungen geben wird. Es sind einfach emotionale Berichte über Bücher, die mir wichtig sind.

Die Liebe zu Erich Kästner ist bei mir sicherlich familiär vererbt. Solange ich mich erinnern kann, standen bei meiner Oma einige Bücher von ihm im Regal und zu Weihnachten, als ich ungefähr sieben oder acht war, habe ich von ihr Kästners Geschichten für Kinder bekommen.

Man kann sich vermutlich gut vorstellen, dass ich die Geschichten geliebt habe – insbesondere Emil und die Detektive sowie Pünktchen und Anton hatten es mir echt angetan.
Im Laufe der Zeit sind dann immer wieder (bei diversen Umzügen) Erich-Kästner-Bücher von ihrem in meinen Besitz übergangen und mittlerweile habe ich neben diversen Gedichtbänden von ihm auch zwei weitere Romane: Drei Männer im Schnee und Der kleine Grenzverkehr.

Ich bin im Allgemeinen kein großer Fan von Gedichten und die Lyrik-Interpretation hat mich in der Schule regelmäßig die Nerven und guten Noten gekostet.
Bei Erich Kästner mache ich allerdings gerne eine Ausnahme: sein Gedicht Die dreizehn Monate hat mich schon gefesselt, als ich den Gedichtband meiner Oma zum ersten Mal in die Finger bekommen habe (da war ich vermutlich gerade so sechs oder sieben Jahre alt) und später hat mich dann dieses Gedicht hier in seinen Bann gezogen:

Und da ich (wie man vielleicht gemerkt hat) wenig von verschnörkelten Gedichten, die mehr durch die angewendeten Stilmittel als die Worte selbst aussagen, halte, gefällt mir an diesem Gedicht zum einen, dass recht deutlich wird, was Kästner uns damit sagen will.
Zum anderen spricht es mich sehr vor dem historischen Hintergrund an. Kästner hat es 1928 geschrieben, damit seinen Antimilitarismus zum Ausdruck gebracht. Im Nachhinein betrachtet hat er aber auch eine überraschend genaue Vorhersage über die Entwicklung der Zustände in Deutschland in den darauffolgenden Jahren, insbesondere ab 1933, gemacht.
Kästner emigrierte zwar nie und wurde auch mehrmals von der Gestapo verhört, zudem wurden seine Bücher bei der Bücherverbrennung 1933 verbrannt, dennoch setzte er sein schriftstellerisches Werken unter zahlreichen Pseudonymen erfolgreich fort.

Beim letzten Umzug haben meine Oma und ich dann festgestellt, dass wir wohl nicht die einzigen Familienmitglieder sind, die Erich Kästner geliebt haben und ihn offenbar zu jedem Anlass als passend empfinden.
Denn in der Ausgabe Als ich ein kleiner Junge war, die 1961 gedruckt wurde und meiner Uroma gehörte, fand sich ein handgeschriebener Zettel mit der Überschrift „Spruch für die Silvesternacht“ und darunter Kästners gleichnamiges Gedicht.

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