Rezension – Abgeschlagen

Vielen Dank an Midnight by Ullstein und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!
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Endlich haben es Lissie Sommer und „ihr“ Kommissar Sebastian Loch zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Golfklub geschafft, als sie sich genau dort an einem Tatort wiederfinden. Eines der Clubmitglieder wurde mit einem Golfschläger ermordet. Natürlich kann Lissie da nicht stillhalten, sondern nimmt eigene Ermittlungen auf – auch, um ihren Sebastian schnell wieder für sich zu haben.

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, wurde es als „Cosy Crime zum Schmunzeln“ beworben. Das hat mir sehr zugesagt, da ich ein großer Fan des Cosy Crime bin und solche Bücher sehr gerne lese.
Für mich ist immer wichtig, dass es zwar nicht zu blutig und actiongeladen zugeht, aber Spannung muss sich dennoch einstellen. Diese Balance zu finden, gelingt nicht immer – Katrin Schön hat das aber gut hinbekommen.
Mein größter Kritikpunkt sind die Beschreibungen, in welchen sich die Autorin hier ergeht. Bis ins letzte Detail lässt sie sich über die Landschaft und – das besonders gern – die Kleidung der Personen aus. Ärgerlich daran war zum einen, dass diese meist komplett unnötig waren, zum anderen haben sie mir oftmals die Spannung genommen.

Davon einmal abgesehen, hat mir vieles richtig gut gefallen! Ganz oben auf der Liste stehen die Charaktere. Nachdem ich über die ausführlichen Beschreibungen hinweggekommen bin, waren mir insbesondere Lissie und Sebastian, „ihr“ Kommissar, sehr sympathisch.
Die beiden passen als Ermittlerduo gut zusammen. Während Lissie sehr auf ihren Bauch hört, neugierig ist und sich daher gerne in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, achtet Sebastian schon eher auf Vorschriften – schließlich muss er sich dann auch mit den Konsequenzen herumschlagen. So kann er die impulsive Lissie zurückhalten, wenn sie wieder einmal über die Stränge schlägt, aber sie kann auch Dinge ins Laufen bringen, weil sie ihrer Nase folgt.

Ich weiß, was ich will. Und meistens will ich es jetzt.
– Lissie Sommer, Pos. 618 Kindle-Edition

Zudem, wie oben schon einmal angesprochen, wird dieses Buch nicht zu blutig, sondern ist wirklich ein COSY Crime, das zudem das Versprechen hält, mich zum Schmunzeln gebracht zu haben. Lissie mit ihrer Ungeduld und Sebastian mit seiner oftmals grummeligen Reaktion darauf haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Ich fand es auch schön, dass im Buch deutlich wird, wie sehr Lissie Sebastian am Herzen liegt, ohne das daraus ein Tara gemacht wird. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden stiehlt der Kriminalgeschichte nicht die Schau, sondern trägt eine leichte und witzige Note zum Buch bei.

Insgesamt haben mich zwar die vielen ausführlichen Beschreibungen immer wieder irritiert, dennoch ist dieses Buch spannend, ohne in einen Thriller umzuschlagen, und witzig – genau so, wie ein gutes Cosy Crime sein sollte.

Golf ist keine Frage von Leben und Tod – Golf ist wichtiger.
– Pos. 740 Kindle-Edition

Über Katrin Schön:
Schön wuchs in Hessen auf und machte zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Danach studierte sie Publizistik in Bochum, arbeitete einige Zeit in Hamburg und wurde dann Pressesprecherin in Köln. Dort lebt sie seit mittlerweile 9 Jahren, zurzeit geht sie einer Tätigkeit als Projektmanagerin nach.
Ihr Debüt Ausgeplappert, der erste Lissie-Sommer-Krimi, erschien 2015.
Quelle: Buch

Weitere Meinungen zum Buch:

Bildquelle Cover: Ullstein
Bildquelle Golfspielerin: Golf und Günstig
Bildquelle Autorenfoto: Facebook-Seite von Katrin Schön

Rezension – Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Vielen Dank an NetGalley.de und List/Ullstein für dieses Rezensionsexemplar!
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Vor vielen Jahren verlor Anthony Peardew ein Schmuckstück seiner großen Liebe. Seitdem sammelt er alle verlorenen Gegenstände, die er auf der Straße findet, etikettiert sie und nimmt sich fest vor, diese einmal an die Besitzer zurückzugeben. Doch er selbst findet das verlorene Medaillon, das ihm so wichtig ist, nicht. Schlussendlich muss er seine Aufgabe an seine Erbin Laura weitergeben, die plötzlich mit einem ganzen Haufen verlorener Dinge vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe steht.

Bereits als ich zum ersten Mal den Klappentext des Buches gelesen habe, fand ich die Idee dahinter richtig interessant. Sie hörte sich nach etwas außergewöhnlichem an und ich war gespannt, wie sich diese Geschichte entwickelt.
Zunächst ist es mir allerdings überraschend schwergefallen, in das Buch zu finden. Das lag nicht am Schreibstil, denn den fand ich durchgehend angenehm und gut zu lesen.
Schon recht früh wird allerdings ein zweiter Handlungsstrang eingeführt. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, es nervt mich allerdings, wenn ich nicht einordnen kann, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen und diese Frage löst sich hier erst zum Ende des Buches hin auf.

Dieses kleine Manko wird allerdings durch viele positive Dinge wettgemacht, sodass mich das Buch letztendlich doch überzeugen konnte.
Zunächst einmal sind da die Charaktere. Diese habe ich schnell ins Herz geschlossen, auch wenn sie sich nicht durchgehend von ihrer freundlichen Seite zeigen. Zugegebenermaßen hat mir auch das zugesagt, da sich im echten Leben niemand jederzeit nur von seiner Schokoladenseite zeigt. Die Personen haben dadurch viel realistischer gewirkt, man konnte sich dementsprechend besser mit ihnen identifizieren. Die Figuren sind gut herausgearbeitet, es wird nicht Zuviel verraten. So kann man sich sein eigenes Bild von ihnen machen. Hogan ergeht sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung, jeder kann daher der eigenen Fantasy laufen lassen.
Die „Bösewichte“ waren zwar ein wenig überspitzt dargestellt, doch haben sie einige Lacher ins Buch gebracht und sind nicht zu klischeehaft geworden, um sie zu ertragen.

Padua war mehr als nur ein Haus; es war ein sicherer Ort, um zu heilen. Eine Zuflucht, um Wunden zu lecken, Tränen zu trocknen und Träume zu erneuern – wie lange es auch dauern mochte. Wie lange, bis ein zerbrochener Mensch stark genug war, sich der Welt erneut zu stellen.
– Anthony Peardew, Pos. 651 Kindle-Edition

Auch die Handlung konnte mich überzeugen. Es ist ein eher ruhiges Buch, aber die Geschichte entwickelt sich auf so natürliche Art und Weise, dass man fast glauben könnte, sie ist wirklich passiert. Jede neue Entwicklung und Handlung ist nachvollziehbar und verständlich.
Dazu trägt insbesondere bei, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichtet wird. Hauptsächlich berichtet zwar Laura, aber nahezu jeder andere Charakter im Buch kommt ebenfalls einmal zu Wort.
Gut gefallen hat mir auch, dass Ruth Hogan einige Themen einbringt, die eher traurig und nachdenklich stimmen. Dennoch ist es kein düsteres Buch, stattdessen zeigt es zahlreiche Dinge auf, die das Leben schön machen. Diese sind teilweise wirklich groß und lebensverändernd, manchmal aber auch nur ganz klein, beispielsweise eine gute Tasse Tee mit Freunden.

Insgesamt konnte mich dieses Buch trotz der Startschwierigkeiten überzeugen, es hat jede Menge Spaß gemacht zu lesen. Hogan hat eine gute Idee auch noch gut umgesetzt und mir dadurch einige angenehme Stunden bereitet. Am Ende fand ich es sehr schade, mich von Laura und all den anderen liebenswerten Personen verabschieden zu müssen.

Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen.
– Anthony Peardew, Pos. 1180 Kindle-Edition

 

Über Ruth Hogan:
Hogan studierte Englisch und Schauspiel und arbeitete danach zehn Jahre lang in einer Kommunalverwaltung im Bereich Human Resources. Mit Anfang Dreißig hatte sie einen Autounfall, der es ihr unmöglich machte, weiterhin in Vollzeit zu arbeiten. In der freien Zeit widmete sich daher dem Schreiben. Dies intensivierte sich nach einer Krebserkrankung im Jahr 2012, durch welche sie zahlreiche schlaflose Nächte hatte. In dieser Zeit entstand Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge, ihr Debütroman.
Mit ihrem Mann und zahlreichen Hunden lebt sie in einem viktorianischen Haus in Bedford, inmitten zahlreicher Fundstücke – mit ihren Worten: „treasures (or ‘junk’ depending on your point of view)“.
Quelle: Ullstein, Hogans Website

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Book Broker („[…] eine durchaus nette Erzählung mit einer interessanten Handlungsstruktur, allerdings kommt man beim Lesen nicht so richtig in Fahrt“)
  • Bella’s Wonderworld (4/5 Grinsekatzen; „Ruth Hogan erzählt in ihrem Debütroman „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ eine hübsche und leicht romantische Geschichte die zum träumen einlädt.“)
  • Nicoles Bücherwelt (5/5 Sterne; „Ein wundervoller Roman – sehr schön und warmherzig geschrieben“)

Bildquelle Cover: Ullstein Buchverlage
Bildquelle Rose: Pinterest
Bildquelle Autorenfoto: Hogans Website

Rezension – 365. Wenn die Masken fallen

Charlotte Clark, Studentin und von allen nur Charly genannt, nimmt sich vor, im kommenden Jahr etwas Aufregendes zu erleben und ein außergewöhnliches Jahr zu verbringen. Dazu gehört auch, sich mit dem Firmenimperium ihres Vaters zu beschäftigen und Fuß in der Geschäftswelt zu fassen. Doch sie verstrickt sich immer mehr in einem Geflecht aus Liebe, Lügen, Reichtum und Kälte und hat eine ganze Menge Schläge einzustecken. Wie wird sie aus diesem Jahr hervorgehen?

Es dürfte einer der merkwürdigsten Wege sein (zumindest für mich), auf welchem ich zu diesem Buch gekommen bin: meine Mutter und ich sind zusammen über die Stuttgarter Königsstraße geschlendert, als uns eine Frau ansprach, ob wir gerne lesen. Auf die Frage gibt’s bei mir natürlich nur eine Antwort und kurz darauf hielt ich ein verfrühtes Ostergeschenk in Händen – den Debütroman von Isabel Kritzer. Die Frau, die uns ansprach, war ihre Mutter.

Ich hab mich auch direkt daran gemacht, das Buch zu lesen, denn nach den Lobesreden der Mutter war ich entsprechend gespannt, ob das Buch den Erwartungen auch entsprechen kann.
Meine Faszination für das Buch hat dieses weniger dem eigentlichen Verlauf der Geschichte zu verdanken. Über einen großen Teil des Buches geschah nämlich wenig bis gar nichts. Mir fiel es daher schwer, in die Handlung zu finden oder auch nur zu erkennen, worauf Kritzer hinauswill.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang war Charly selbst, denn mit ihr wurde ich einfach nicht warm. Annabelle hat in ihrer Rezension auf Stehlblüten einen Grund dafür genannt, den ich nicht so recht in Worte fassen konnte:

[…] sie [empfindet] ihren Studienalltag als so anstrengend […], wo sie doch noch im Elternhaus wohnt, eine eigene Haushälterin hat und noch dazu nicht einmal arbeiten gehen muss, um sich ihr Geld zu verdienen.
– Rezension auf Stehlblüten

Zudem war mir die Diskrepanz zwischen dem, wie sie sich selber beschreibt und wie ich sie wahrgenommen habe, oftmals einfach zu groß. Sie ist 22, kurz vor dem Bachelorabschluss, und will erwachsen sein, stellt sich selbst gerne so dar – aber teilweise hatte ich (20 Jahre alt und im 2. Semester) das Gefühl, dass sie eher ein Mädchen als eine Frau, zumindest deutlich jünger als ich, und zu naiv für ihr Alter ist. Außerdem neigt sie zu voreiligen Schlüssen, welche mich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben haben. In solchen Situationen hätte ich am liebsten ins Buch gegriffen, um ihr einen ordentlichen Schubs zu geben.
Auch die anderen Personen wurden mir nicht sympathisch. Am ehesten dann noch Charlys Schwester Sarah, die einige Zeit im Ausland verbracht hat und mir mit ihrer Gedankenwelt (zumindest was man im Buch erfährt) näher ist wie Charlie.

Dinge änderten sich. Und am Ende wertschätzte man das, was man gehabt hatte, erst, wenn man es verlor.
– Charly, S. 210

Die Dinge, insbesondere in der Handlung, änderten sich dann tatsächlich. Ab circa der Hälfte des Buches passiert endlich etwas, die Handlung spinnt sich weiter und langsam entwickelte sich dann auch ein Spannungsbogen.
Allerdings wurde es mir dann schon fast wieder zu viel des Guten. In der zweiten Hälfte passiert einfach zu viel in zu kurzer Zeit. Ich hatte oft das Gefühl, dass Kritzer um jeden Preis möglichst viele Themen ansprechen wollte – aber mir wurde das Ganze dadurch zu überladen.

Das hört sich jetzt recht negativ an, aber das Buch könnte mich in einigen Punkten auch überzeugen.
Obwohl ich mich von Charly nicht wirklich repräsentiert fühle, hat mich das Buch immer wieder zum Nachdenken angeregt. Sie macht sich viele Gedanken über ihr Leben und auch ich als Leserin habe dadurch Stoff zum Nachdenken bekommen. Dazu trägt insbesondere bei, dass ich, trotz allem oben genannten, in einer ganz ähnlichen Situation bin wie Charly und dadurch viele ihrer Sorgen und Gedanken Charlys gut nachvollziehen kann.

Wir versuchen alle, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber ob uns das gelingt, stellen wir erst später fest.
– Sarah, S. 368

Das beste am Buch war allerdings der Schreibstil – dieser konnte mich wirklich überzeugen. Kritzer schreibt zwar eher sachlich, das hat mich aber nicht gestört. Ich empfand es sogar eher als angemessen, denn das Buch selbst ist zum größten Teil weder dramatisch noch besonders gefühlsbetont und daher ist auch der ruhige Schreibstil passend. Ich empfand den Schreibstil als gut und vor allem deutlich besser, als ich erwartet hatte.
Kritzers Mutter hatte uns gegenüber gesagt, dass 365 Einblick in die Gedankenwelt der heutigen Jugend und jungen Erwachsenen gibt. Ich hatte daher auch mit einer tendenziell jugendlichen Sprache gerechnet, das war hier aber nicht der Fall – und das fand ich richtig gut!

Sprachlich ist dieses Buch ein absoluter Glücksgriff, aber sich mit den Personen wirklich identifizieren, fiel mir in diesem Buch schwer. Insofern war es eher enttäuschend.

Wir alle haben Wünsche, für die es sich zu kämpfen lohnt. Wir haben Träume, denen wir nachhängen, weil wir erpicht darauf sind, sie zu unserer Wirklichkeit zu machen. Doch stellen wir uns meist nicht der Überlegung, ob wir wirklich bereit dafür sind. Ob wir die Konsequenzen, die wir vielleicht noch nicht überblicken können oder wollen, wahrhaftig zu tragen vermögen. Weil wir tief in unserem Inneren davon ausgehen, dass unsere Tagträume nicht wahr werden.
– Charly, S. 374

Über Isabel Kritzer:
Kritzer wurde 1993 in Stuttgart geboren. 2012 machte sie ihr Abitur und machte daraufhin ein BWL-Studium, welches sie mit dem Bachelor of Science abschloss.
365, erschienen 2016, ist ihr erster Roman.
Quelle: Papierfresserchens MTM-Verlag

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stehlblüten („mich [hat] das Buch hin und hergerissen“, „das Buch [hat] eine Wirkung hinterlassen“)
  • Jenny von Lullaby’s Bücherkiste („Es ist wirklich der Hammer wie sehr dieses Buch einen Nerv bei einem treffen kann“)
  • Bücherleser (4/5 Bücher; „Geblieben sind vor allem Fragen an mich selbst“)

Bildquelle Cover: Papierfresserchens MTM-Verlag
Bildquelle Bücher: Unsplash
Bildquelle Autorenbild: Papierfresserchens MTM-Verlag

Rezension – Ein geschenkter Anfang

Auf der bretonischen Île de Groix war Lou wohlbekannt und sehr beliebt. Auch nach mehreren Jahrzehnten Ehe waren sie und ihr Mann Jo noch schwerverliebt und genossen das Leben auf Groix. Doch dann stirbt Lou und die Familie scheint daran zu zerbrechen.
In ihrem Testament gibt sie Jo den Auftrag, sich mit ihren beiden gemeinsamen Kindern Cyrian und Sarah zu versöhnen und diese glücklich zu machen. Erst danach darf er die Flaschenpost öffnen, die sie ihm vermacht hat.

Un vieillard en or avec une montre en deuil
Une reine de peine avec un homme d’Angleterre
Et des travailleurs de la paix avec des gardiens de la mer.
Cortège (Der Leichenzug) von Jacques Prévert

Von diesem Buch habe ich zum ersten Mal bei Ela von Literaturliebe gelesen und es prompt bei dem Gewinnspiel von ihr gewonnen! Mir kam dann zwar die Klausurenphase dazwischen, aber meinen ersten Urlaubstag habe ich damit verbracht, dieses Buch förmlich zu verschlingen.
Das Buch ist zwar nicht spannungsgeladen, dennoch konnte ich es kaum erwarten zu wissen, wie es verläuft. Jo ist in einer ziemlich verzwickten Situation, denn eigentlich hat er keine Ahnung, wie er seine Kinder glücklich machen kann – und nun wurde ihm auch noch eine Frist gesetzt, um dies zu erreichen. Um dies herauszufinden geht er unorthodoxe Wege ein und es war ein Spaß, darüber zu lesen.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Durch die wechselnde Erzählperspektive kommen sie alle einmal zu Wort, man kann sich in sie einfühlen und lernt sie die jeweiligen Beweggründe besser kennen.
Was mich daran ein wenig gestört hat, sind die beiden Enkelinnen Pomme und Charlotte. Obwohl sie liebenswert sind bzw. werden und es wichtig ist, auch die Kinder zu Wort kommen zu lassen, unterschieden sich ihre Gedanken in meinen Augen nicht genug von denen der Erwachsenen. Satzbau, Vokabular und Sprachweise müssten aus meiner Sicht größere Unterschiede zu denen der Erwachsenen aufweisen – und tun das leider nicht. Mir hat dies das Gefühl gegeben, dass man auf Biegen und Brechen alle einmal zu Wort kommen lassen wollte, dabei aber die Glaubwürdigkeit ein bisschen auf der Strecke blieb.

Ein Kind zu lieben bedeutet, von dem Kind Abschied zu nehmen, das man sich erträumt, in seiner Phantasie ausgemalt hat, es bedeutet, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, nicht wie wir es uns wünschen.
– Lou, S. 39

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und vermittelt einem zudem das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Sie schreibt jeweils aus der Ich-Perspektive und vermittelt dabei einen unmittelbaren Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten. Außerdem ist das Buch, und das ist mir schon länger nicht mehr untergekommen, durchgehend in der Gegenwart geschrieben.
Stellenweise gab es dann aber doch Längen in der Erzählung: teilweise lässt sich Fouchet einen Absatz lang über gefühlt nichts aus und gerade am Anfang habe ich darauf gewartet, wann es denn nun endlich losgeht. Dementsprechend schwer fiel es mir auch, wirklich in die Geschichte zu kommen.

Das alles zusammengenommen ist Ein geschenkter Anfang eine schöne Lektüre, die mich zum Lachen aber auch zum Nachdenken gebracht und Fernweh nach der Bretagne hervorgerufen hat, hatte aber auch kleine Schwächen.

Humor ist keine der Verzweiflung entsprungene Höflichkeit, sondern die Boje der Ertrinkenden, die ihre Stiefel nicht ausgezogen haben, um schneller unterzugehen.
– Jo, S. 187

Über Lorraine Fouchet:
Fouchet wurde 1956 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris geboren. Sie wuchs zweisprachig auf und spricht insgesamt vier Sprachen. Nach dem Medizin-Studium arbeitete sie als Notfallärztin, 1977 begann sie mit dem Schreiben von Liebesromanen.
Ihr erstes Buch erschien 1990, größere Bekanntheit erlangte sie mit L’Agence (dt.: Hundert Möglichkeiten, sein Leben zu ändern) aus dem Jahr 2003.
Sie lebt in Paris und auf der Île de Groix.
Quelle: Buch, Wikipedia


Bildquelle Cover: Atlantik Verlag
Bildquelle Leuchtturm: Visit Denmark
Bildquelle Autorenbild: La Nouvelle République

Rezension – Es klingelte an der Tür

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!

Rachel Bruner, reiche Witwe und Exzentrikerin, hat zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches über das FBI gekauft und an Menschen im ganzen Land verschickt. Eben jene Institution, von der das Buch handelt, hat sie damit auf den Plan gerufen. Genervt von der ständigen Überwachung und Verfolgung wendet sie sich an Nero Wolfe, New Yorks bekanntesten Privatermittler.
Dieser ist wenig begeistert (wie soll ein einzelner Mann das FBI aufhalten?) und nimmt den Auftrag nur aufgrund der in Aussicht gestellten Belohnung an. Doch dann kommt ihm der Mordfall an einem Journalisten dazwischen – und vielleicht sogar ganz gelegen …
LESEPROBE

Auf der Website des Verlags (und auch auf NetGalley) steht folgendes über Rex Stout und seinen Privatdetektiv:

Rex Stout war einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Seine literarische Schöpfung, der Privatdetektiv Nero Wolfe, zählt bis heute zu den berühmtesten Figuren des Genres.
Klett-Cotta Verlag

Neben der Tatsache, dass mich der Klappentext angesprochen hat und mir auch das Cover ganz gut gefällt, hat mich diese Aussage neugierig gemacht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich noch nie von Rex Stout, geschweige denn Nero Wolfe, gehört habe.
Das sollte sich mit diesem Buch also ändern und ich hoffte auch, Zuwachs für meine liebsten „cosy crime“-Ermittler zu finden.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, war ich lange unentschlossen, ob es mir gefallen hat oder mich enttäuschte.
Die Geschichte an sich fand ich toll. Schon allein die Idee, sich gegen das FBI aufzulehnen, fand ich ziemlich außergewöhnlich. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Vorgehensweise von Wolfe und seinem Assistenten Archie Goodwin. Mir hat gut gefallen, dass die beiden tatsächlich ermitteln und kaum etwas dem Zufall überlassen wurde. Wenn ein Krimi durch reines Glück gelöst wird, bin ich danach immer ziemlich unbefriedigt mit der Geschichte. Das war hier auf jeden Fall nicht so.

Wolfe […] würde nicht mal ans Fenster treten, um einen Tatort in Augenschein zu nehmen.
– Archie Goodwin, Pos. 858 Kindle-Edition

Trotzdem glaube ich nicht, dass Nero Wolfe und ich richtig gute Freunde werden. Zum einen fand ich es ziemlich erstaunlich zu lesen, dass er so gut wie nie das Haus verlässt und auch selten selber ermittelt. All das übernimmt Archie Goodwin, während sich Wolfe auf einige wenige Gespräche mit der Klientin und anderen Personen beschränkt. Er lässt sich nahezu alles von Goodwin zutragen. Die einzige Sache, die man wirklich ihm zuschreiben konnte, war der große Coup, der letztendlich den Fall löst. Aber bis dahin wäre er ohne Goodwin überhaupt nie gekommen. Mich hat es daher sehr gestört, dass Wolfe als der beste Detektiv New Yorks dargestellt wird, wo er nur einen Bruchteil der eigentlichen Arbeit macht.

Zu [Nero Wolfes] Grundüberzeugungen zählt, dass jede Meinung, die man sich über eine Frau bildet, nur falsch sein kann.
– Archie Goodwin, Pos. 1686 Kindle-Edition

Umso besser gefallen hat mir da Archie Goodwin, über und mit dem man immer mal wieder schmunzeln konnte und der auch wirklich nicht doof ist. Wie schon gesagt, macht er im Grunde die ganze Arbeit und erhält dafür selten bis gar keine Anerkennung. Teilweise habe ich allerdings auch über ihn den Kopf geschüttelt, wenn er wieder einmal recht sexistische Aussagen von sich gibt.

Daran und am Schreibstil merkt man durchaus, dass dieses Buch vor über 50 Jahren geschrieben wurde. Goodwins Aussagen sind mir zwar manchmal gegen den Strich gegangen, aber ich fand es interessant zu lesen, wie ohne Internet und andere moderne Annehmlichkeiten vorgegangen und ermittelt wurde. Ich hatte oftmals das Gefühl, wirklich einen kurzen Blick in das New York der 60er Jahre zu werfen.

Dank Archie Goodwin hat mir das Buch Spaß bereitet und konnte mich letztendlich doch überzeugen und auch die Geschichte selber ist auf jeden Fall lesenswert.

„Ich weiß, der Torheit auszuweichen, ohne mich in Angst zu flüchten.“
– Nero Wolfe, Pos. 125 Kindle-Edition

Über Rex Stout:
Stout wurde 1886 in Indiana geboren und wuchs in Kansas auf. Er zeigte sehr früh eine hohe geistige Entwicklung, las mit vier Jahren bereits die Bibel und hatte bis zu seinem zwölften Lebensjahr die über 1100 Bücher seines Vaters gelesen. Die Universität besuchte er allerdings nur für kurze Zeit, stattdessen hielt er sich als Buchhalter über Wasser, bevor er von 1905-1908 in der Army diente. Danach arbeitete er für rund acht Jahre in unzähligen Gelegenheitsshops.
1916 heiratete er Fay Kennedy und arbeitete zusammen mit seinem älteren Bruder an einem neuen Schulsparkassensystem, von dem er und seine Frau sich schon drei Jahre später als wohlhabende Leute zurückziehen konnten. Die Jahre 1927 bis 1929 verbrachten die beiden in Europa, 1929 begann er dort die Arbeit an seinem ersten Roman.
Im selben Jahr kehrte das Ehepaar in die USA zurück und verloren zudem einen Großteil ihres Geldes in der Finanzkrise. Allerdings hatte er genug über, um sich in Conneticut ein Haus zu bauen, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnte und schrieb. Aufgrund der neuen, deutlich ärmeren, Lebenssituation begann es zwischen den Eheleuten zu kriseln, 1932 ließen sie sich scheiden. Noch im selben Jahr heiratete er Pola Hoffmann, mit der er zwei Töchter hatte.
1933 schrieb er seinen ersten Kriminalroman, der gleichzeitig auch der erste Fall mit Nero Wolfe war. Während der amerikanischen Beteiligung am Zweiten Weltkrieg schränkte er seine schriftstellerischen Tätigkeiten ein und steckte seine Energie in eine stark deutschlandfeindliche Gesinnung. 1945 verbrachte er erneut einige Monate in Europa, diesmal als Kriegsberichterstatter.
Danach widmete er sich wieder vollständig dem Schreiben; zwischen 1946 und 1966 veröffentlichte er jedes Jahr einen Nero-Wolfe-Roman und zudem zahlreiche Erzählungen um den Privatdetektiv.
Es klingelte an der Tür bescherte ihm letztendlich ein breiteres Publikum und Anerkennung als Schriftsteller, da es einen kleinen Skandal mit dem FBI hervorrief.
1975 vollendete Stout den letzten Nero-Wolfe-Roman und starb in Conneticut, nachdem er jahrelang unter schweren Krankheiten gelitten hatte.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinung zum Buch:


Bildquelle Cover: Klett-Cotta
Bildquelle Freiheitsstatue: Statuecruises
Bildquelle Autorenbild: Criminal Element

Rezension – Das Geheimnis der Madame Yin

Vielen Dank an den Pro-Talk Verlag für das Rezensionsexemplar!

Vordergründig scheint der Auftrag der Pinkerton-Detektivin Celeste Summersteen recht einfach zu sein: Sie soll die 16jährige Dorothea Ellingsford von Chicago zu ihrer Familie nach London begleiten. Viel schwieriger ist aber der eigentliche Auftrag: sie soll den Mörder von einer Freundin Dorotheas finden. Denn deren Tante, Celestes Auftragsgeberin, ist der Meinung, dass auch Dorothea in Gefahr ist.
Kaum in London angekommen, gibt es neue Entwicklungen: Madame Yin, mächtige Drogenbaronin, wird auf die gleiche Weise ermordet. Worin besteht die Verbindung zwischen einer zwielichtigen ehemaligen Prostituierten und der Freundin Dorotheas aus gutem Hause? Und wie kann man die sogenannte Themsebestie aufhalten, wo doch das Morden kein Ende nimmt?

Leseprobe (pdf)

Ah … yes, please!

Als mir dieses Rezensionsexemplar angeboten wurde, konnte ich einfach nicht nein sagen und dafür gibt es mehrere gute Gründe: das Cover hat mir super gefallen, der Klappentext hat mir auch zugesagt, es gibt eine weibliche Detektivin in einem historischen Krimi und, last but not least, es spielt in London. Mehr als genug Gründe also und zudem ein Haufen Sympathiepunkte, die das Buch aber gar nicht braucht, um bei mir gut anzukommen.

Nicht immer überzeugend

Ein oder zwei Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Zum einen gab es in meinen Augen ein paar unnötige Längen. Aufgebaut wurden sie meistens durch überlange Umgebungs- und Personenbeschreibungen. Besonders ärgerlich war das, wenn gerade ordentlich Spannung durch die Mörderjagd aufgebaut wurde und diese dann in den Beschreibungen verpuffte. Hier trifft also zu, dass manchmal weniger doch mehr ist.
Zudem war ich mir bei Celeste ständig unsicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Einerseits scheint sie immer genau das richtige zu tun und immer die richtige Spürnase zu haben, andererseits erfährt man über sie in meinen Augen recht wenig. Dadurch blieb sie durchgehend weniger lebendig und echt als die anderen Personen des Buches. Nach 400 Seiten, die man in Begleitung eines Protagonisten verbringt, sollte dieser einfach mehr Farbe angenommen haben. Celeste dagegen wirkt oft wie eine Marionette, die einfach nur ihren Job macht und nur für diesen lebt. Selbst wenn betont wird, dass sie Dorothea leiden kann, wird dies durch ihre Taten nicht deutlich.

„Ich arbeite nicht mit einer Frau zusammen. Unter gar keinen Umständen.“
– Inspector Edwards, S. 135

Umso besser gelungen ist dafür der andere Hauptcharakter im Buch: Inspector Robert Edwards von Scotland Yard. Mit diesem hat Nathan Winters voll ins Schwarze getroffen und ich konnte den leicht herablassenden, sehr britischen Inspector, der auf keinen Fall mit einer Frau zusammenarbeiten will, förmlich vor mir sehen. Er reagiert entsprechend verschnupft darauf, dass er gezwungenermaßen Celeste als vorübergehende Partnerin akzeptieren muss.
Sympathisch war er mir dennoch von Anfang an, da er zwar manchmal herablassend ist, aber nicht auf Menschen herabschaut, nur weil sie im Rang unter ihm stehen. Er ist vor allem herablassend, wenn sich jemand seinen Respekt verspielt hat.
Andererseits lässt er aber zu, dass die Menschen sich seinen Respekt verdienen und sieht auch ein, wenn er jemanden falsch eingeschätzt hat. So zollt er schlussendlich auch als einziger von offizieller Seite Celeste die Anerkennung, die sie verdient hat.

„Mit den Weibern hat man nichts als Ärger, […] aber was wär’n wir schon ohne sie? Nicht mal auf dieser Welt. Stimmt’s, oder hab ich Recht?“
– Tobias Gold, S. 366

Wenn wir schon bei den Personen des Buches sind: da sind einige echte Schätzer dabei. Einer davon hat obiges Zitat von sich gegeben und auch sonst gibt es viele echte Persönlichkeiten – sympathische ebenso wie unsympathische.
Auch an der Geschichte selbst gibt es wirklich nichts auszusetzen. Der Fall wird nicht durch pures Glück gelöst, sondern durch Hartnäckigkeit sowohl von Seiten Celestes als auch Edwards. Zudem ergänzen sich die Ergebnisse der beiden auf sehr natürliche Weise, es wirkt nie in irgendeiner Form gezwungen.
Es wird deutlich, dass im viktorianischen London Männer ganz andere Möglichkeiten hatten, Edwards zudem als „Copper“ mehr Autorität besitzt. Celeste als Frau wirkt dagegen unschuldiger und vor allem weniger gefährlich und verschafft sich so einen Vorteil.
Die Hintergründe der Morde sind glaubwürdig und man bekommt auch nicht auf einen Schlag alle Informationen, sondern immer tröpfchenweise und kann mitraten, wer wohl der Mörder ist.Obwohl ich mit Celeste nie ganz warm wurde, muss man ihr lassen, dass sie sich selbstständig ein gutes Leben aufgebaut hat. Mit ihr hat Winters trotz allem eine starke Hauptfigur geschaffen, die dennoch nicht über die Stränge der damaligen Konventionen schlägt.
Auch andere Frauen im Buch schöpfen ihre beschränkten Möglichkeiten voll aus, zudem zeigt sich, dass privat dann doch nicht unbedingt die Männer die Hosen anhatten. Man merkt, dass der Autor viel Mühe in seine Recherche gesteckt hat, denn aus meiner laienhaften Sicht wage ich zu behaupten, dass ein realistisches Bild vom London des 19. Jahrhunderts gemalt wird.
Es wird wieder einmal deutlich welch elendes Leben ein Großteil der Menschen im industrialisierten England spielten. Besonders interessant fand ich dabei, zu lesen, wie schwer es war, gesellschaftlich aufzusteigen, aber wie schnell die Reichen und Angesehenen abstürzten.

Wer sich ein wenig für das Leben im viktorianischen London interessiert und zudem Freude an einem Krimi hat, der manchmal auch eher gemächlich daher kommt, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen. Mir hat es trotz kleinerer Kritikpunkte sehr viel Freude bereitet!

„Ich bin bereit, mein Leben für Ihre Tochter zu riskieren. Was sind sie bereit, zu tun?“
– Celeste Summersteen, S. 346

Über Nathan Winters:
Winters ist ein Pseudonym von Jürgen Bärbig. Er wurde 1971 in der Nähe von Aachen geboren und ist gelernter Maler. Er schreibt schon seit den Neunzigern Romane, das aber mit mäßigem Erfolg, sodass er den Traum vom Schreiben an den Nagel hängte. 2010 begann er wieder damit und wurde 2014 Stipendiat der der Bastei Lübbe Masterclass, in deren Rahmen eine Kurzgeschichte veröffentlicht wurde. 2016 erschien Three Oaks, eine Westernserie.
Quelle: Pro-Talk Verlag, Website des Autors


Quelle des Covers: KongKing PR-Agentur

Quelle London stilisiert: SpreadShirtMedia

Quelle Autorenbild: KongKing PR-Agentur

Rezension – The 12.30 from Croydon

Quelle: British Library
Quelle: British Library

The 12.30 from Croydon | Freeman Wills Crofts | British Library | 347 Seiten | erstmals erschienen 1934, diese Ausgabe 2016
ISBN 978-0-7123-5649-7 | £8.99

Die Geschichte beginnt damit, dass Andrew Crowther im Flugzeug auf dem Weg von Croydon nach Paris tot aufgefunden wird. Danach nimmt das Buch einen anderen Verlauf als erwartet, denn von nun an wird die Geschichte aus Sicht des Mörders beschrieben. Man begleitet ihn von seinem ersten Entschluss, den alten Mann zu töten, über seine Vorbereitungen bis hin zu den Ermittlungen der Polizei und wie er diese erlebt.

British Library Crime Classics

Die British Library hat Krimis aus der Blütezeit des englischen Krimi in der Reihe British Library Crime Classics neu aufgelegt. Aus dieser Reihe habe ich bereits mehrere Bücher gelesen (Capital Crimes, Silent Nights und Mystery in White), zudem liebe ich die Poirot-Geschichten von Agatha Christie, welche ebenfalls in die Ära fallen, der die British Library nun zu erneuter Aufmerksamkeit verhilft. Als ich daher im örtlichen British Shop über dieses Buch gestolpert bin, konnte ich nicht widerstehen.

A very special idea

Neben der Tatsache, dass es ein Buch der British Library Crime Classics ist, hat mich auch die Idee, die Geschichte komplett aus der Sicht des Mörders zu lesen, sofort überzeugt und ich wollte unbedingt wissen, ob und inwiefern dann noch Spannung aufgebaut werden kann. Spontan fällt mir zudem kein anderes Buch ein, in dem der Mörder so stark zu Wort kommt.
In meinen Augen ist es Croft wunderbar gelungen, diese Idee umzusetzen. Es gibt zwar ein paar Stellen, an denen sich das Buch zieht und besonders zu Beginn habe ich darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Aber letztendlich baut das Buch eine Menge Spannung auf – und die war bei mir sehr ambivalent.
Einerseits will man unbedingt, dass Andrew Crwother Gerechtigkeit widerfährt. Andererseits bekommt man alles aus der Sicht des Mörders erzählt und ich habe, trotz allem, mit diesem mitgefühlt. Aus seiner Sicht will man selbstverständlich nicht, dass die Polizei hinter seinen Plot kommt.

Zaudern mit sich selbst

Bei mir hat diese sehr widersprüchliche Spannung dafür gesorgt, dass ich auch noch Tage nach dem Lesen über das Buch nachgedacht habe und teilweise mit mir selbst gehadert habe. Ständig habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie ich tatsächlich einem Mörder wünschte, dass er davon kommt.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich der Meinung war, dass in fiktiven Morden das Mordopfer verdient hatte, was passiert ist, beispielsweise wenn dieser seine Kinder oder Frau misshandelt hat, oder andere Menschen wissentlich durch sein Handeln in Unglück gestürzt hat.
Keines von beidem ist hier der Fall und dennoch ertappte ich mich manchmal dabei, dass ich dem Mörder die Freiheit wünschte.

Letztendlich denke ich, dass das die Sache ist, welche dieses Buch für mich zu einer wirklich spannenden Lektüre gemacht hat und dafür sorgen wird, dass es mir trotz der uralten Grundgeschichte – nämlich Mord – noch ein ganzes Weilchen in Erinnerung bleibt. Allerdings gab es besonders zu Beginn immer wieder einige Längen, welche dafür gesorgt haben, dass ich das Buch teilweise nicht so sehr genossen habe, wie es möglich gewesen wäre.

How strange it was […] that the useless and obstructive so often live on, while the valuable and progressive die early!
– Charles Swinburn, p. 76

Über Freeman Wills Croft:
Croft wurde 1879 in Dublin geboren und machte ab 1896 eine Ausbildung zum Ingenieur von Schienensystemen im Unternehmen, in dem sein Onkel arbeitete. Bereits drei Jahre später fand er Anstellung in leitender Position einer anderen Firma.
Diesen Beruf übte er jahrelang aus, bis er 1919 erkrankte und das Schreiben von seinem Arzt als Ablenkung empfohlen bekam. Bereits ein Jahr später erschien sein Debütroman The Cask (dt.: Die Frau im Fass), welcher von Kritikern hochgelobt wurde.
Ab 1929 widmete er sich vollständig dem Schreiben und verfasste bis zu seinem Tod im Jahre 1957 mehr als 40 Werke, der Großteil davon sind Kriminalromane. Einige seiner Bücher sind auch auf deutsch erhältlich.
Ab 1930 gehörte er zudem dem bekannten Detection Club an, zu dessen Mitglieder bekannte Namen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Anthony Berkeley gehörten.
Crofts war von 1912 an mit Mary Bellas Canning verheiratet, die Ehe bleib kinderlos.
Quelle: Wikipedia zu Crofts und dem Detection Club

Weitere Meinungen zum Buch:


Bildquelle British Library-Logo: Wikipedia
Bildquelle Poster: Railway Posters
Bildquelle Autorenbild: National Portrait Gallery (Bild Nr. x156450; by Bassano, half-plate film negative, 13 June 1939)

Rezension – Nussschale

Nussschale.jpegNussschale | Ian McEwan | Diogenes | erschienen 2016
aus dem Englischen: Nutshell | Übersetzer: Bernhard Robben
Hardcover: ISBN 978-3-257-06982-2 | 22€
E-Book: ISBN 978-3-257-60777-2 | 18,99€
Leseprobe

Trudy hat ein Verhältnis. Damit ist sie bestimmt nicht die einzige, aber erstens hat sie dieses Verhältnis mit Claude, dem Bruder ihres Mannes John, und zweitens gibt es einen Zeugen des Verhältnisses: einen sehr neugierigen, fast neun Monate alten Fötus in Trudys Bauch. Dieser ist Zuhörer, als Trudy und Claude einen Plan schmieden …

Wenn ein Buch mit dem Satz

So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau.
– S. 9

beginnt, dann macht das schon mal deutlich, dass dies kein Buch wie jedes andere ist. Zum einen wird schnell klar, dass es sich hier um eine sehr außergewöhnliche Hauptperson handelt.
Das Buch ist eine Hommage an Hamlet von William Shakespeare, hat aber eindeutig auch Charme für Leser, die den Hamlet nicht kennen – was auf mich zutrifft. Natürlich wusste ich, dass es dieses Stück gibt, aber ich hätte nicht einmal grob sagen können, worum es da nun geht. Nachdem ich das schnell gegoogelt hatte, offenbarte sich die ein oder andere Überschneidung: die moderne Gertrude in Form von Trudy, sowie deren Affäre Claudius, aus dem hier Claude wird, ebenso Rachegedanken des Sohnes. Außerdem macht McEwan immer wieder Anspielungen auf andere Dinge, wie „Sein oder Nichtsein“ und ich habe vermutlich den allergrößten Teil der Anspielungen nicht verstanden. Wie gesagt, macht es die Unkenntnis des Hamlet aber keineswegs zu einer weniger guten Lektüre.
Zum einen ist das Baby, auch ohne Vorwissen über Hamlet, ein echter Knüller. Bereits auf den ersten paar Seiten hat es bei mir für Lacher gesorgt. Das Buch wird komplett aus seiner Sicht erzählt, in der Ich-Perspektive, und handelt sich quasi um einen einzigen Monolog, wenn man einmal von den „belauschten“ Gesprächen Trudys absieht. Das Baby widmet sich sowohl den eher banalen Dingen, wie dem Wetter, als auch philosophischen Fragen, Podcasts, die seine Mutter sich anhört und natürlich: der Affäre Trudys. In Bezug darauf drehen sich seine Gedanken zunächst nur um seine Abneigung gegenüber Claude, zunehmend geht es aber auch um Trudy und Claudes Plan und wie seine Möglichkeiten sind, diesen aus dem Mutterleib heraus zu verhindern.

Nicht jedermann weiß, wie es ist, den Penis des Rivalen seines Vaters nur wenige Zentimeter vor der eigenen Nase zu haben.
– S. 37

Das Baby ist in seinen Ansichten sehr zynisch und philosophiert beispielsweise vor sich hin, welches Land denn nun optimal wäre, um darin geboren zu werden – und was für sein Geburtsland England spricht. Darin blitzt immer mal wieder der sehr schwarze, sehr britische Humor hervor, den ich zu lieben gelernt habe. Allerdings hat mir diese besondere Erzähler nicht immer gefallen. Manchmal erschien es mir zu zugespitzt und überzeichnet: dieser zynische, manchmal fast boshafte, zu Ausschweifungen neigende und weinliebende, fast durchgehend angeheiterte, zukünftige Mensch. Manchmal war es für mich einfach zu viel des Guten.

Ich teile mir gern ein Glas Wein mit meiner Mutter. Womöglich haben Sie es längst vergessen oder auch nie erlebt, wie herrlich ein durch die Plazenta dekantierter Burgunder schmeckt […] oder ein Sancerre […].
– S. 17

Damit erweist er sich schonmal als besserer Weinkenner als ich es vermutlich je sein werde.
Die anderen Charaktere, also Mutter Trudy, Vater John und Liebhaber Claude, sind sehr eindrücklich aus Sicht des Babys beschrieben. Das Baby lässt sich nicht lang und breit über die Charakterzüge seines Umfelds aus, sondern geht viel mehr auf deren Verhalten und Handlungen ein. Dadurch fiel es mir leicht, mir ein eigenes Bild zu schaffen und es gab diese Diskrepanz zwischen den Beschreibungen eines Charakters und dem Empfinden eines Lesers über den Charakter nicht. Andererseits beeinflusst die Perspektive des Erzählers natürlich die Perspektive des Lesers. So kann man Claude gar nicht wirklich als sympathisch empfinden, da das Baby zu viel Hass gegenüber seinem Onkel empfindet. Und bei Trudy fühlt man sich, wie der Kleine, hin- und hergerissen zwischen Abneigung gegenüber der Frau, die ihren Mann betrügt und sich zudem nicht wirklich vorbildlich verhält was die Schwangerschaft angeht (wie sonst kann ein Fötus über Burgunder und Sancerre Bescheid wissen?), und die unabdingbare Liebe eines Kindes gegenüber seiner Mutter. John steht da noch im besten Licht da: der Künstler, immer knapp bei Kasse, in „hoffnungsloser Liebe zu ihr“ (S. 30) gefangen, der sich eigentlich nur seine Frau zurückwünscht.
Davon einmal abgesehen, haben mich aber die Geschichte selber und die übergeordnete Idee, ein Ungeborenes als Erzähler zu haben, überzeugt. Dafür spricht schon, dass ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Es ist eine schöne Lektüre, die mich auch immer wieder zum Nachdenken angeregt hat: über elementare Dinge wie eine Schwangerschaft, aber auch über manche Absurditäten unserer Zeit und unserer Welt.
Allerdings haben sich die Monologe des zukünftigen Erdenbewohners manchmal doch zu sehr gezogen. Besonders zum Ende habe ich teilweise ganze Absätze nur noch überflogen, ohne genauer zu lesen. Das mag teilweise daran gelegen haben, dass ich wirklich unbedingt wissen wollte, welches Ende Trudy, Claude und das Baby nehmen. Aber hauptsächlich lag es daran, dass mich die gedanklichen Ergüsse wenig bis gar nicht fesseln konnten.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass dieses Buch durchaus bereichernd ist: mit seiner ungewöhnlichen Perspektive, seinem Witz und Zynismus hat es mir gut gefallen. Insbesondere zum Ende hin hätte man in meinen Augen den ein oder anderen Monolog aber durchaus kürzen können.

Keine Wahrheit schränkt das Leben so sehr ein wie die folgende: Es ist immer jetzt, immer hier, nie dann und da.
– S. 56

4Sterne

 

photo credit: Annalena McAfee
photo credit: Annalena McAfee

Über Ian McEwan:
McEwan wurde 1948 in Aldershot, GB, geboren und lebte bis zu seinem zwölften Lebensjahr mit seiner Familie im Ausland (u.a. Lybien, Singapur und Deutschland), da sein Vater Soldat war. Er studierte englische Literatur in Brighton und Norwich. Seine ersten Werke waren Kurzgeschichten-Sammlungen, die erste wurde 1975 veröffentlicht und wurde im Jahr darauf bereits mit einem Preis ausgezeichnet. 1978 erschien sein erster Roman, zwanzig Jahre später gewann er den Man Booker Prize für seinen Roman Amsterdam. Für den Preis war er insgesamt sechs Mal nominiert, daneben erhielt er zahlreiche andere Auszeichnungen, auch international.
Er ist in zweiter Ehe seit 1997 mit Annalena McAfee, ehemalige Redakteurin bei The Guardian, verheiratet. Mit seiner ersten Frau Penny Allen hat er zwei Söhne.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Boris & Olga

Quelle: Selma J. Spieweg
Quelle: Selma J. Spieweg

Boris & Olga – Tod dem Zaren | Selma J. Spieweg | Selbstverlag | erschienen 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1505696196 | 15,-€
Leseprobe

Seit 44 Jahre herrscht in Russland Krieg und ebenso lange kämpft der Soldat Boris in diesem Krieg. Wissenschaftler haben versucht, mithilfe von Quantenmagie einen nahezu unzerstörbaren Blauen Krieger aus ihm zu machen. Allerdings gingen die Experimente schief und er ist die einzige Versuchsperson, die überlebt hat. Allerdings haben ihn die Experimente einen Arm und seine Menschlichkeit gekostet. Nun bleibt ihm nur noch sein unbedingte Zarentreue. Als er daher in einem eiskalten Winter seinen Kameraden nicht mehr folgen kann und sich zum Sterben bereit macht, beschließt er die 12jährige Diebin und Anarchistin Olga mit in den Tod zu nehmen und dem Zaren damit einen letzten Dienst zu erweisen. Doch dann taucht ein Mann auf, der eben jenem Zaren verdächtig ähnlich sieht und die Bemühungen, diesem zum helfen, schweißen das ungleiche Paar Boris und Olga zusammen.

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Wanderbuch-Aktion von Watched Stuff gelesen. Beim ersten Lesen des Klappentextes dachte ich mir, dass das wirklich was für mich sein könnte. Ich bin zwar kein besonders großer Fan von Fantasy, wovon ja doch das ein oder andere Element eingebaut ist. Aber mit dem letzten Wanderbuch habe ich letztendlich, obwohl es auch nicht meinem Genre entsprach, richtig gute Erfahrungen gemacht.
So uneingeschränkt wie beim vorherigen Wanderbuch hat mir diese Geschichte allerdings nicht gefallen. Zum einen hat mir missfallen, wie sich die Geschichte entwickelt. Besonders zu Beginn gibt es meiner Meinung nach zu viele Entwicklungen, die dem Zufall überlassen werden. Es ist verständlich, wenn die beiden sich ein oder zweimal zufällig über den Weg laufen. Aber wenn diese unbeabsichtigten Begegnungen überhand nehmen, dann wirkt das auf mich unglaubwürdig. Das ist hier der Fall. Die Entwicklung der Geschichte kam mir zu gewollt vor. Zu oft habe ich gedacht, dass es so in der Wirklichkeit nicht passiert wäre. Mir ist klar, dass es sich hier zum größten Teil um Fantasy handelt, aber eine gewisse Natürlichkeit muss trotzdem gegeben sein, damit ich mir nicht ein bisschen veräppelt vorkomme. Hier habe ich mir schon recht früh überlegt, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass man sich in den Weiten Russlands so oft zufällig über den Weg läuft.
Zudem hatte ich manchmal ein Problem mit den Perspektivwechseln der Autorin. Es wird abwechselnd aus Boris‘ und Olgas Sicht berichtet. Meiner Meinung nach hätte man hier teilweise ganze Absätze entfernen können, ohne dass dies der Spannung Abbruch getan hätte. Oftmals wird nur, mit nahezu den gleichen Worten, eine Szene erneut beschrieben, eben aus einem minimal anderen Blickwinkel.
Dafür gelingt es der Autorin gut, die Beziehung zwischen Olga und Boris darzustellen. Sie sind zusammen zuckersüß und insbesondere Boris hat es mir echt angetan. Spieweg beschreibt mit wenigen Worten, wie sehr er sich nach Zuneigung, Freundschaft und Freundlichkeit sehnt. Nachdem Wissenschaftler an ihm herumgepfuscht haben und er einen mechanischen Arm hat, haben ihn seine Kameraden in der Kompanie gemieden und so hungert er geradezu nach ein bisschen menschlicher Wärme. Olga bringt ihm das entgegen, findet in Boris aber auch genau das, wonach sie immer gesucht hat: einen Beschützer. Denn von klein auf ist sie weitestgehend auf sich allein gestellt. Eine kurzzeitige Familie, in Form von Rebellen gegen den Zaren, wird von der russischen Geheimpolizei getötet. Von ihnen hat sie ihre zarenfeindliche Haltung, über die sie und Boris, der sehr zarentreue Soldat, zu Beginn ihrer Bekanntschaft ständig in Konflikt geraten.
Olga setzt sich aber sehr schnell in den Kopf, dass sie und Boris sich gegenseitig helfen können und sollten und tatsächlich funktionieren die beiden als Team besser als für sich alleine. Olga ist eine Art Gewissen für Boris, sie trifft meistens die Entscheidungen über das weitere Vorgehen ihrer kleinen 2-Mann-Armee. Boris, der seit seiner Kindheit im Dienst der Armee steht, kann nur schwer Entscheidungen fällen, er ist es zu sehr gewohnt, Befehle zu bekommen und zu befolgen. Zudem ist er unvorstellbaren Entbehrungen und Grausamkeiten ausgesetzt worden und hat daher ein anderes Maß für Tod und Grausamkeit. Dadurch wirkt er manchmal fast gewissenlos.  Dafür macht er die mangelnde Kraft, Körpermasse und Kampferfahrung seiner kleinen Begleiterin wett und beschützt sie vor allen möglichen Gefahren.
Sowieso hat Spieweg ein gutes Gespür dafür, ohne großes Tamtam die Gefühle der Protagonisten aufzuzeigen, sodass man sich richtig gut in sie einfühlen kann. Stellenweise kamen mir wirklich die Tränen, manchmal hab ich laut losgelacht, das wiegt vieles auf und hat dieses Buch letztendlich, trotz kleiner Mängel, zu einem guten Buch und einer netten Lektüre gemacht.
Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters

Für die Zukunft nehme ich mir fest vor, mich öfters einmal an Bücher mit dem Qindie-Label zu wagen – vielleicht finde ich ja so noch den ein oder anderen Schatz. Dieses Buch hat mir auf jeden Fall alles in allem gut gefallen.

4Sterne

Über Selma J. Spieweg:
Spieweg wurde 1966 in Berlin geboren, wo sie 1986 ihr Studium an der Universität der Künste begann. Sie legte ihren Schwerpunkt als Grafikerin in der Magazingestaltung und arbeitete unter anderem als Art Direktorin des Micky Maus Magazins.
Quelle: Clockwork Cologne

Noch viel mehr Informationen zu den Geschichten um Boris und Olga gibt es auf der Website der Autorin.

Weitere Meinungen zum Buch:

Colonia im Mittelalter – Kurz gefasst

Quelle: Buchhandel.de
Quelle: Buchhandel.de

Colonia im Mittelalter | Dieter Breuers | Bastei Lübbe | erschienen 2013
Taschenbuch: ISBN 978-3-404-60718-1 | 9,99€
E-Book: ISBN 978-3-8387-0420-3 | 8,99€
Leseprobe

Klappentext:
Dieter Breuers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise ins Mittelalter und zeigt Ihnen, was es damals wirklich bedeutete, in einer Stadt zu leben!
Quelle: Buch

Ich liebe Bücher, in denen der Alltag in früheren Zeiten dargestellt wird. Dieter Breuers nimmt sich dieses Unterfangens mit Anekdoten an, welche die verschieden Themen einleiten. Diese führen an einen bestimmten Aspekt aus dem Mittelalter heran und spielen alle in Köln, seiner unmittelbaren Umgebung oder handeln von Kölnern.
Es sind kurze Geschichten, oftmals auch recht vereinfacht dargestellt, die ein Gefühl für die damaligen Verhältnisse vermitteln sollen. Das ist meistens auch gelungen, ich hatte aber oft das Gefühl, dass der Autor sich damit eher an eine jüngere Leserschaft richtet.
Auf die Anekdoten folgen ausführlichere Erläuterungen, in denen er eine wissenschaftliche Sichtweise einnimmt. So dröselt er die einzelnen Aspekte, wie z.B. das Leben der Frauen im Mittelalter, auf. Er geht dabei auf die unterschiedlichsten Gesichtspunkte ein, beschreibt manchmal auch, woher bestimmte Dinge kommen oder wie diese sich weiterentwickelt haben – teilweise bis in die Gegenwart. Das fand ich persönlich besonders interessant: zu wissen, wo Dinge, die wir möglicherweise heute noch nutzen, herkommen. Außerdem nannte er immer mal wieder kleine, interessante und spannende Fakten, teilweise einfach witzig zu wissen oder komplett unerwartet in einem bestimmten Zusammenhang.

Insgesamt kann man sagen, dass Colonia sich sowohl an jüngere Leser richtet, insbesondere mit den kurzen Anekdoten, die in ein Thema einführen, aber auch an ältere Leser mit detailgenaueren und sachlicheren Beschreibungen zum Thema.

4SterneKaufen kann man das Buch beim Verlag oder auf buecher.de