Rezension – Adele. Ihre Songs, ihr Leben

Vielen Dank an NetGalley.de und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar!
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Sean Smith hat schon zahlreiche Biographien über unterschiedliche Stars der heutigen Zeit geschrieben und widmet sich nun Adele. Diese zählt mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikerinnen des 21. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia). Smith widmet sich ihrem Werdegang als Sängerin und der Frage, wie sie zu ihrem Ruhm kam.

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Ich habe mich entschieden, in diesem Beitrag auf eigene Fotos vom Buch zu verzichten. Stattdessen sind Bilder von Adele im Laufe der Zeit zu sehen, außerdem habe ich einige meiner liebsten Songs von ihr eingefügt.
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Fangen wir direkt mit einem meiner Lieblingssongs an: River Lea ist von ihrem dritten Album, 25, aus dem Jahr 2015.
In diesem Video davon sind einige Aspekte zu sehen, die Smith in der Biographie immer wieder anspricht und welche das Publikum für Adele einnehmen. Mir persönlich gefällt vor allem ihr Lachen. Es scheint immer von Herzen zu kommen und pure Lebensfreude auszustrahlen. Ich kann es mir nie verkneifen, mit zu lachen, einfach nur, weil ich ihr Lachen so toll finde!
Offensichtlich wird aber auch, dass sie eine Perfektionistin ist. Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass mir nicht einmal aufgefallen ist, dass sie „out of breath is“, bis sie es gesagt hat.

Smith geht auf ihren familiären Hintergrund ebenso ein wie die Entwicklung ihrer Karriere. Einmal abgesehen von Adele ist der große Star in diesem Buch (bzw. ihrer Geschichte) ihre Mutter – das sieht, wenn man dieser Biographie glauben darf, wohl auch Adele selbst so.
Penny war erst 18, als sie mit Adele schwanger wurde und dass es nicht das Allerleichteste ist, so jung ein Kind zu bekommen und sich mit „Anhang“ ein eigenes Leben aufzubauen, kann sich vermutlich jeder denken. Doch diese junge Mutter zeigt, dass es immer eine Möglichkeit gibt, einen anständigen Menschen großzuziehen und sich dennoch selbst auch weiterzuentwickeln.
Insofern war sie für mich das eigentlich Inspirierende des Buches: es gibt immer einen Weg, eine Möglichkeit, trotz aller Widrigkeiten oder Probleme.

Mutter zu sein ist jetzt das Wichtigste für sie.
– Pos. 3309 Kindle-Edition

Im Zusammenhang mit ihrem Privatleben fand ich vor allem Adeles Verhalten gegenüber ihrem Sohn Angelo sehr berührend. Ganz offensichtlich geht es ihr nicht darum, aus seiner Geburt irgendeinen kommerziellen Nutzen zu ziehen (sie und ihr jetziger Mann Simon verklagten eine britische Fotoagentur für die Nutzung von Paparazzi-Fotos ihres gemeinsamen Sohnes); selbst den Namen hielt sie verhältnismäßig lange unter Verschluss.
Mir hat sie das sympathisch gemacht, da ich es nie verstanden habe, wie Promis ihre Kinder dem Scheinwerferlicht aussetzen können, scheinbar ohne mögliche Folgen nachzudenken.

Ich hatte Adele nicht wirklich auf dem Schirm, bis ihr Song Rolling in the Deep erschien. Erst während des Lesens habe ich festgestellt, wie viele Songs von Adele ich tatsächlich kenne. Wirklich lieben gelernt habe ich sie aber erst mit Skyfall im Jahr 2011. Obwohl ich den Film nie gesehen habe, lief der Song bei mir rauf und runter und auch heute höre ich ihn noch sehr gerne.
Für mich war es auch sehr interessant, einen Einblick in die Entstehensgeschichte eines Songs (bzw. mehrerer Songs) zu bekommen. Mir war einfach nicht klar, wie viele Menschen letztendlich auch unterschiedlichste Weise hinter einem Lied stehen, das ich im Radio höre oder mir auf YouTube in der Dauerschleife anhöre.

Adele ist für mich ein großes Vorbild; nicht in musikalischer Hinsicht, da ich in dieser Richtung weder Talent noch Ambitionen habe, sondern in Bezug auf Selbstbewusstsein und diese zufriedene Ausstrahlung, welche Adele zu Eigen ist. Natürlich hat auch sie tagtäglich mit Problemen oder unangenehmen Aufgaben zu kämpfen, aber im Großen und Ganzen wirkt sie sehr im Reinen mit sich und ihrem Leben.

Zu ihrer eigenen Überraschung wurde Adele zu einer Mode-Ikone, zu einem Vorbild für ganz normale Frauen in ihrem Alter [meine Anm.: und jünger], in einer Zeit, als Mode extrem sexualisiert war.
– Pos. 3341 Kindle-Edition

Mein einziger Kritikpunkte an dieser hochinteressanten Biographie über einen sehr sympathischen Menschen sind einzelne Themengebiete, die in meinen Augen gar nicht oder zumindest nicht in der gegebenen Länge hätten behandelt werden müssen. Insbesondere im Mode- und Styling-Bereich wäre weniger mehr gewesen. Natürlich ist die Entwicklung ihres Stils wichtig und kann/muss im Zusammenhang mit ihrem Leben betrachtet werden. Aber nicht in dieser Ausführlichkeit, denn so interessant und wichtig sind die Namen von Stylisten etc. nun wirklich nicht.

Komplett übersprungen habe ich zudem das Horoskop für Adele am Ende des Buches, umso besser war dafür die Kurzbiographie, die ganz zum Schluss noch gegeben ist. Hier lassen sich die wichtigsten Daten auf einen Blick einsehen.

„Es geht darum, Dinge zu vermissen, von denen man gar nicht wusste, wie kostbar sie waren. Es geht um das, was war, was ist und was hätte sein können.“
– Adele über 25, Pos. 3236 Kindle-Edition

Send My Love (To Your New Lover) ist mein absolutes Lieblingslied von ihr!

Über Sean Smith:
Smith ist Großbritanniens führender Biograph der Berühmtheiten unserer Zeit. Er schrieb bereits Biographien über Princess Kate, Gary Barlow, Kim Kardashian und viele andere und stürmte damit bereits einige Male die Bestsellerlisten.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stopfis Bücher („Adele ist eine wirklich bewundernswerte Frau, die eine starke Entwicklung durchgemacht hat“)
  • Ney Wonderland (5/5 Sterne; „Jeder ihrer Liedtexte hatte mich zum Nachdenken gebracht“)

Bildquelle Cover: HarperCollins
Bildquelle Adele (Kurzinfo): BBC (eigene Bearbeitung)
Bildquelle Noten: Homesticker
Bildquelle Adele als Kind: Mirror
Bildquelle Adele (2008): Zimbio
Bildquelle Adele (2015): Celebmix

Rezension – Die Wahrheit über Donald Trump

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Die Wahrheit über Donald Trump | Michael D’Antonio | Econ | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Never Enough. Donald Trump and the Pursuit of Success | Übersetzer: Bettina Engels, Norbert Juraschitz, Karsten Petersen, Thorsten Schmidt | erschienen 2015
Hardcover: ISBN 978-3-430-20221-3 | 24 €
E-Book: ISBN 978-3-843-71368-9 | 19,99€

Michael D’Antonio widmet sich in diesem Buch den Facetten, die den Mann Donald J. Trump ausmachen, lässt Wegbegleiter und Donald Trump selber zu Wort kommen. Das Buch behandelt seine Herkunft ebenso wie sein Aufwachsen und geht auch auf aktuelle Entwicklungen ein. Nachdem Trump nun Präsident der USA ist, wird es umso wichtiger einen ehrlichen Blick auf diesen Mann werfen zu können.

Vom Ullstein-Verlag wurde dieses Buch zusammen mit zwei anderen empfohlen, um die USA besser zu verstehen. Das war noch im Vorfeld der Wahlen und – ähnlich wie der Brexit – hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es schon keinen Präsidenten Trump geben wird. Nachdem mir Fremdes Land Amerika richtig gut gefallen hat, wandte ich mich nun der Trump-Biographie zu. Ehrlich gesagt finde ich es nicht so gut, als Buch über Hillary Clinton eine Autobiographie vorzuschlagen – objektiv ist die sicher nicht.

Seit etwas mehr als einer Woche ist Trump nun Präsident und da erscheint es mir umso wichtiger, etwas über Donald J. Trump zu wissen.
In meinen Augen gelingt es Michael D’Antonio gut, einen vorurteilsfreien Blick auf Trump zu werfen. So lässt er, wie erwähnt, viele Wegbegleiter Trumps zu Wort kommen. Neben Trump selber, mit dem er fünf Interviews geführt hat, hat er auch mit dessen beiden Ex-Frauen gesprochen, ehemalige Mitarbeiter kommen zu Wort, aber auch kritische Stimmen fließen ein. Dazu zählen beispielsweise ehemalige Widersacher auf politischer Ebene, aber auch Bürger, die sich gegen Trump gestellt haben oder immer noch stellen. Insofern hatte ich das Gefühl, dass D’Antonio sich wirklich alle Mühe gegeben hat, Trump mit seinen verschiedenen Facetten darzustellen.

Wie ein beleidigter Teenager hatte Donald Trump beschlossen, nie wieder mit mir zu reden.
– Erster Satz im Buch, S. 9

Mir wäre es nie gelungen, dieses Buch zu schreiben und dabei objektiv zu bleiben. Ich denke, es stimmt, wenn ich sage, dass Michael D’Antonio kein besonders großer Fan Trumps ist. Aber dennoch habe ich am Ende des Buches das Gefühl, einen ehrlichen Bericht über Trump gelesen zu haben.
Hauptsächlich konzentriert sich das Buch darauf, den Werdegang Trumps zu beschreiben, seine Erfolge ebenso wie Misserfolge und deren Hintergründe, und das Phänomen „Trump“ zu erklären. So dreht es sich oftmals darum, wie Trump es über Jahrzehnte schaffte, in der Öffentlichkeit zu bleiben. Dabei geht D’Antonio auch auf allgemeine Entwicklungen in Amerika ein, zum Beispiel was einen „Celebrity“ ausmacht.
Ebenso werden Entwicklungen im Privatleben Trumps beleuchtet, meistens aber auch im Hinblick auf die Auswirkungen, die diese auf sein Geschäftsleben und sein öffentliches Bild hatten.

Der Ruhm der Gegenwart ist eine Droge, und für den nächsten Schuss ist ein Süchtiger zu fast allem bereit. Und dazu gehörte auch, dass man der hungrigen Meute immer neue Brocken hinwarf, um wichtig zu bleiben.
– S. 331

Ich wusste nie, ob ich nun lachen oder weinen soll, wenn D’Antonio Trumps Aussagen einem Art Fakten-Check unterwirft. Dabei greift er Aussagen, die Trump auch heute noch gerne wiederholt, auf, wenn der Autor über die Zeit berichtet, auf die Trump sich bezieht. Spontan fällt mir keine Gelegenheit ein, bei der D’Antonio die Aussagen als uneingeschränkt wahr einstuft. Oftmals kann nicht beurteilt werden, ob Aussagen der Wahrheit entsprechen, falsch sind oder nur teilweise stimmen. Aber genauso oft kommt es vor, dass man Trumps Aussagen nur als Lüge bezeichnen kann. Diese dreiste Schwindelei könnte ich zum lachen finden – bis mir einfällt, dass dieser Mann nun das höchste Amt der USA innehat. Und dann möchte ich mich zusammenkugeln und weinen.
Das einzige, was meiner Meinung nach noch genauer beleuchtet hätte werden können, ist Trumps Wandel vom Bauunternehmer und Moderator einer Fernsehshow zum Politiker. Es wird zwar beschrieben, wie sich das entwickelt, aber im restlichen Buch geht er auch auf die Motive Trumps ein. Das kam bei der Entwicklung zum Politiker meiner Meinung nach zu kurz.

„Er gibt sich nicht allein mit einem Profit zufrieden. Er muss mehr bekommen. Sonst hat die Sache keinen Reiz.“
– Wayne Barrett (Journalist), S. 228

Die Wahrheit über Donald Trump konnte ich nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt und mich anderen Büchern zugewandt (ich habe abnormal viele seichte Liebesromane nochmals gelesen, weil ich das Gefühl hatte, mir wird der Kopf sonst zu schwer). Das lag nicht an D’Antonios Schreibstil, den ich als sehr angenehm empfand, sondern am Thema. Regelmäßig hat es mich einfach krank gemacht, von Trumps (meist dubiosen) Machenschaften zu lesen, und daran zu denken, dass dieser Mann nun eines der mächtigsten Länder der Welt führen wird. Skrupellos nutzt er alle Möglichkeiten aus, seine Anwälte finden noch das kleinste rechtliche Nadelöhr und wenn man nicht seine Mittel hat, sowohl monetär als auch personell, kann man Trump offenbar nur mit reinem und heftigstem Trotz widerstehen. Kleinste Fehler seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner werden gnadenlos und ohne Rücksicht ausgenutzt.  Immer wieder wird erwähnt, dass Trump „Gerichtsprozesse wie Waffen einsetzt“ (S. 9) – die meisten Menschen haben einfach nicht die Möglichkeit, ihm auf dieser Ebene lange zu widerstehen, allein was die Kosten eines Verfahrens angeht. Wer sich ihm und seinen Plänen entgegenstellt, wird eingeschüchtert, bedroht oder diffamiert. Eigentlich reichen fast schon die ersten zwei Seiten, um zu wissen, mit was für einer Person man es in Form von Trump zu tun bekommt.
Als eine der häufigsten Charakterbeschreibungen wird durchgehend im Buch das Wort „narzisstisch“ benutzt – keinesfalls nur von Seiten des Autors, sondern auch von Journalisten, die über ihn schrieben, Psychologen, die sich mit ihm beschäftigten, und allerlei Personen, die näher mit Trump zu tun hatten.
Vielleicht die einzig gute Eigenschaft, die er hat, zumindest die einzige die immer wieder erwähnt wird und mir daher noch im Gedächtnis ist, ist seine Loyalität.

„Er erwartete Loyalität von mir, aber er war im Gegenzug auch loyal.“
– Robert Utsey (Trumps erster Bodyguard und Chauffeur), S. 190

Davon einmal abgesehen gibt es aus den 70 Jahren dieses Menschen nur wenig positives zu berichten, dafür vieles, wodurch bei mir die Galle hochkam.

Ich halte dieses Buch in der heutigen Zeit für eine wichtige Lektüre. Es gibt einem eine Ahnung davon, wer der Mann an der Spitze der USA ist, mit wem wir es also die nächsten vier Jahre zu tun haben. Trump macht es einem schwer, eine positive Meinung über ihn zu haben und meine – negative – Meinung über ihn wurde durch dieses Buch eher noch verstärkt. Ich bin ehrlich genug zu sagen, dass mir ein Buch, das ihn in den Himmel lobt, wenig bis gar nicht gefallen hätte. Aber letztendlich habe ich das Gefühl bekommen, dass Michael D’Antonio eine objektive Biographie geschrieben hat – was fast schon ein kleines Kunststück ist.

Er selbst, Trump, […] besaß die Eignung zum Präsidenten, weil er als Geschäftsmann Erfolg gehabt hatte.
– S. 421

goldene_SterneÜber Michael D’Antonio:
D’Antonio wurde in New Hampshire geboren und wuchs dort auf. Er hat jahrelang für verschiedene Magazine gearbeitet, unter anderem The New York Times Magazine, und gewann 1984 im Team mit anderen Journalisten den Pulitzer-Preis. Mittlerweile widmet er sich vollständig dem Schreiben von Büchern. Diese wurden bereits mehrmals zu den „Besten Büchern des Jahres“ ernannt, unter anderem von The New York Times oder The Chicago Tribune.
Er lebt zusammen mit seiner Frau auf Long Island.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Saladin

Quelle: Penguin
Quelle: Penguin

Saladin | John Man | Corgi Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-552-17084-0 | £9.99

In diesem Buch berichtet John Man vom Leben des Saladin, der als einer der größten Helden der islamischen Welt gilt. Dabei geht er besonders auf Saladins zwei vorherrschende Ziele ein: den Islam zu vereinigen und „Jihad“ zu betreiben. Außerdem wird aufgezeigt, wodurch Saladin auch im Christentum Bewunderung hervorgerufen hat und wie er letztendlich zu dem islamischen Held wurde, der er heute ist.

Als ich vor kurzem in der Buchhandlung dieses Buch gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass ich eher wenig über Saladin weiß. Okay, wenn ich ehrlich bin, gar nichts. Also ist das Buch bei mir eingezogen und beim Lesen hat sich gezeigt, dass mir wieder einmal ein Glücksgriff gelungen ist.
Zunächst einmal, und für mich sehr wichtig, ist, dass dieses Buch auch für Laien verständlich ist. Es bietet einen Einstieg in die islamische Welt des 12. Jahrhunderts, beschreibt verschiedene Gruppierungen und deren Feindschaft, bevor es sich Saladin widmet. Auf die Umstände seiner Umwelt wird aber nicht nur eingegangen, um es dem Leser einfacher zu machen, Vorgänge und Ereignisse zu verstehen. Der Autor schließt daraus auch auf bestimmte Wesenszüge, die Saladin zeigte. Gegen später geht Man auch auf die europäische Geschichte ein, im Zusammenhang mit den Kreuzzügen.
All diese eher nüchternen Dinge lassen sich wunderbar lesen. Das Buch hat mehr etwas von einem Roman als einem Sachbuch, immer mal wieder baut der Autor auch Witz oder Sarkasmus in die Biografie ein.
Vielleicht die größte Errungenschaft dieses Buch ist es, dem Leser den Islam näher zu bringen. In einer Zeit wie dieser, vor dem Hintergrund von zu vielen islamistischen Terroranschlägen, ist ein Verständnis für andere Personen, Lebensstile und Glaubensrichtungen unglaublich wichtig. Und das macht dieses Buch unglaublich wichtig. Hier taucht regelmäßig der Begriff „Jihad“ auf. John Man differenziert Saladins Auffassung von „Jihad“ sehr deutlich von dem Dschihad, der heute von Selbstmordattentätern verbreitet wird. Ihm ging es in erster Linie um die Verteidigung des eigenen Glaubens gegen die christlichen Eindringlinge. Und dies geschah zwar durchaus mit militärischer Gewalt, aber auch mit großem gegenseitigen Respekt beispielsweise zu Richard I. Löwenherz, Ritterlichkeit und einer Großzügigkeit, die manchmal schon fast an Dummheit grenzte.
Hinzu kommt, dass dieses Buch das Bild eines mittelalterlichen Islams zeichnet, welcher modern, wissensdurstig, weltoffen und, meiner Meinung nach, dem mittelalterlichen Christentum um einiges überlegen war. Es ist nicht schwer, Teile davon im heutigen Islam wieder zu erkennen. Vielleicht trägt dies dazu bei, dem Islam eine Haltung entgegenzubringen, wie dieser sie zu Saladins Zeit dem Christentum entgegengebracht hat.
Sehr interessant fand ich, wie viele Parallelen man zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart ziehen konnte. Nicht nur die moderne Führungsgestalt eines Saladin, sondern beispielsweise auch extreme Islamisten, die alles niedermetzelten, was nicht ihrer Glaubensrichtung entsprach. Und wo wir gerade über die moderne Führungsgestalt Saladin sprechen: toll fand ich, dass ein Kapitel der Frage gewidmet wurde, was Saladin zu einer so populären Führungsperson gemacht hat und was auch heute noch einen guten Anführer ausmacht. Auch hier war erstaunlich, wie viele Parallelen sich ergeben haben.

Für mich gibt es also für dieses Buch eine Leseempfehlung und ich habe mir fest vorgenommen, mehr Bücher über den Islam zu lesen und diese Religion besser kennenzulernen.

Medieval Islam, assured of its superiority, was innovative and curious.
– S. 26

5Sterne

Über John Man:
Man wurde 1941 in Großbritannien geboren und studierte in Oxford Deutsch und Französisch, außerdem hat er Diplome in Mongolisch sowie in der Geschichte und Philosophie von Wissenschaft. Er hat Bücher über die Geschichte des Schreibens sowie zahlreiche Themen andere Themen geschrieben. Besonders bekannt sind seine Bücher über Dschingis Khan, Attila und Kublai Khan. Ein besonderes Augenmerk seiner Arbeit liegt auf der Mongolei und deren Geschichte.
Er sit verheiratet und lebt mit seiner Frau in London. Sie haben eine Tochter.
Quelle: Wikipedia

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