Rezension – Abgeschlagen

Vielen Dank an Midnight by Ullstein und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!
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Endlich haben es Lissie Sommer und „ihr“ Kommissar Sebastian Loch zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Golfklub geschafft, als sie sich genau dort an einem Tatort wiederfinden. Eines der Clubmitglieder wurde mit einem Golfschläger ermordet. Natürlich kann Lissie da nicht stillhalten, sondern nimmt eigene Ermittlungen auf – auch, um ihren Sebastian schnell wieder für sich zu haben.

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, wurde es als „Cosy Crime zum Schmunzeln“ beworben. Das hat mir sehr zugesagt, da ich ein großer Fan des Cosy Crime bin und solche Bücher sehr gerne lese.
Für mich ist immer wichtig, dass es zwar nicht zu blutig und actiongeladen zugeht, aber Spannung muss sich dennoch einstellen. Diese Balance zu finden, gelingt nicht immer – Katrin Schön hat das aber gut hinbekommen.
Mein größter Kritikpunkt sind die Beschreibungen, in welchen sich die Autorin hier ergeht. Bis ins letzte Detail lässt sie sich über die Landschaft und – das besonders gern – die Kleidung der Personen aus. Ärgerlich daran war zum einen, dass diese meist komplett unnötig waren, zum anderen haben sie mir oftmals die Spannung genommen.

Davon einmal abgesehen, hat mir vieles richtig gut gefallen! Ganz oben auf der Liste stehen die Charaktere. Nachdem ich über die ausführlichen Beschreibungen hinweggekommen bin, waren mir insbesondere Lissie und Sebastian, „ihr“ Kommissar, sehr sympathisch.
Die beiden passen als Ermittlerduo gut zusammen. Während Lissie sehr auf ihren Bauch hört, neugierig ist und sich daher gerne in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, achtet Sebastian schon eher auf Vorschriften – schließlich muss er sich dann auch mit den Konsequenzen herumschlagen. So kann er die impulsive Lissie zurückhalten, wenn sie wieder einmal über die Stränge schlägt, aber sie kann auch Dinge ins Laufen bringen, weil sie ihrer Nase folgt.

Ich weiß, was ich will. Und meistens will ich es jetzt.
– Lissie Sommer, Pos. 618 Kindle-Edition

Zudem, wie oben schon einmal angesprochen, wird dieses Buch nicht zu blutig, sondern ist wirklich ein COSY Crime, das zudem das Versprechen hält, mich zum Schmunzeln gebracht zu haben. Lissie mit ihrer Ungeduld und Sebastian mit seiner oftmals grummeligen Reaktion darauf haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Ich fand es auch schön, dass im Buch deutlich wird, wie sehr Lissie Sebastian am Herzen liegt, ohne das daraus ein Tara gemacht wird. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden stiehlt der Kriminalgeschichte nicht die Schau, sondern trägt eine leichte und witzige Note zum Buch bei.

Insgesamt haben mich zwar die vielen ausführlichen Beschreibungen immer wieder irritiert, dennoch ist dieses Buch spannend, ohne in einen Thriller umzuschlagen, und witzig – genau so, wie ein gutes Cosy Crime sein sollte.

Golf ist keine Frage von Leben und Tod – Golf ist wichtiger.
– Pos. 740 Kindle-Edition

Über Katrin Schön:
Schön wuchs in Hessen auf und machte zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Danach studierte sie Publizistik in Bochum, arbeitete einige Zeit in Hamburg und wurde dann Pressesprecherin in Köln. Dort lebt sie seit mittlerweile 9 Jahren, zurzeit geht sie einer Tätigkeit als Projektmanagerin nach.
Ihr Debüt Ausgeplappert, der erste Lissie-Sommer-Krimi, erschien 2015.
Quelle: Buch

Weitere Meinungen zum Buch:

Bildquelle Cover: Ullstein
Bildquelle Golfspielerin: Golf und Günstig
Bildquelle Autorenfoto: Facebook-Seite von Katrin Schön

Rezension – Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Vielen Dank an NetGalley.de und List/Ullstein für dieses Rezensionsexemplar!
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Vor vielen Jahren verlor Anthony Peardew ein Schmuckstück seiner großen Liebe. Seitdem sammelt er alle verlorenen Gegenstände, die er auf der Straße findet, etikettiert sie und nimmt sich fest vor, diese einmal an die Besitzer zurückzugeben. Doch er selbst findet das verlorene Medaillon, das ihm so wichtig ist, nicht. Schlussendlich muss er seine Aufgabe an seine Erbin Laura weitergeben, die plötzlich mit einem ganzen Haufen verlorener Dinge vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe steht.

Bereits als ich zum ersten Mal den Klappentext des Buches gelesen habe, fand ich die Idee dahinter richtig interessant. Sie hörte sich nach etwas außergewöhnlichem an und ich war gespannt, wie sich diese Geschichte entwickelt.
Zunächst ist es mir allerdings überraschend schwergefallen, in das Buch zu finden. Das lag nicht am Schreibstil, denn den fand ich durchgehend angenehm und gut zu lesen.
Schon recht früh wird allerdings ein zweiter Handlungsstrang eingeführt. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, es nervt mich allerdings, wenn ich nicht einordnen kann, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen und diese Frage löst sich hier erst zum Ende des Buches hin auf.

Dieses kleine Manko wird allerdings durch viele positive Dinge wettgemacht, sodass mich das Buch letztendlich doch überzeugen konnte.
Zunächst einmal sind da die Charaktere. Diese habe ich schnell ins Herz geschlossen, auch wenn sie sich nicht durchgehend von ihrer freundlichen Seite zeigen. Zugegebenermaßen hat mir auch das zugesagt, da sich im echten Leben niemand jederzeit nur von seiner Schokoladenseite zeigt. Die Personen haben dadurch viel realistischer gewirkt, man konnte sich dementsprechend besser mit ihnen identifizieren. Die Figuren sind gut herausgearbeitet, es wird nicht Zuviel verraten. So kann man sich sein eigenes Bild von ihnen machen. Hogan ergeht sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung, jeder kann daher der eigenen Fantasy laufen lassen.
Die „Bösewichte“ waren zwar ein wenig überspitzt dargestellt, doch haben sie einige Lacher ins Buch gebracht und sind nicht zu klischeehaft geworden, um sie zu ertragen.

Padua war mehr als nur ein Haus; es war ein sicherer Ort, um zu heilen. Eine Zuflucht, um Wunden zu lecken, Tränen zu trocknen und Träume zu erneuern – wie lange es auch dauern mochte. Wie lange, bis ein zerbrochener Mensch stark genug war, sich der Welt erneut zu stellen.
– Anthony Peardew, Pos. 651 Kindle-Edition

Auch die Handlung konnte mich überzeugen. Es ist ein eher ruhiges Buch, aber die Geschichte entwickelt sich auf so natürliche Art und Weise, dass man fast glauben könnte, sie ist wirklich passiert. Jede neue Entwicklung und Handlung ist nachvollziehbar und verständlich.
Dazu trägt insbesondere bei, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichtet wird. Hauptsächlich berichtet zwar Laura, aber nahezu jeder andere Charakter im Buch kommt ebenfalls einmal zu Wort.
Gut gefallen hat mir auch, dass Ruth Hogan einige Themen einbringt, die eher traurig und nachdenklich stimmen. Dennoch ist es kein düsteres Buch, stattdessen zeigt es zahlreiche Dinge auf, die das Leben schön machen. Diese sind teilweise wirklich groß und lebensverändernd, manchmal aber auch nur ganz klein, beispielsweise eine gute Tasse Tee mit Freunden.

Insgesamt konnte mich dieses Buch trotz der Startschwierigkeiten überzeugen, es hat jede Menge Spaß gemacht zu lesen. Hogan hat eine gute Idee auch noch gut umgesetzt und mir dadurch einige angenehme Stunden bereitet. Am Ende fand ich es sehr schade, mich von Laura und all den anderen liebenswerten Personen verabschieden zu müssen.

Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen.
– Anthony Peardew, Pos. 1180 Kindle-Edition

 

Über Ruth Hogan:
Hogan studierte Englisch und Schauspiel und arbeitete danach zehn Jahre lang in einer Kommunalverwaltung im Bereich Human Resources. Mit Anfang Dreißig hatte sie einen Autounfall, der es ihr unmöglich machte, weiterhin in Vollzeit zu arbeiten. In der freien Zeit widmete sich daher dem Schreiben. Dies intensivierte sich nach einer Krebserkrankung im Jahr 2012, durch welche sie zahlreiche schlaflose Nächte hatte. In dieser Zeit entstand Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge, ihr Debütroman.
Mit ihrem Mann und zahlreichen Hunden lebt sie in einem viktorianischen Haus in Bedford, inmitten zahlreicher Fundstücke – mit ihren Worten: „treasures (or ‘junk’ depending on your point of view)“.
Quelle: Ullstein, Hogans Website

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Book Broker („[…] eine durchaus nette Erzählung mit einer interessanten Handlungsstruktur, allerdings kommt man beim Lesen nicht so richtig in Fahrt“)
  • Bella’s Wonderworld (4/5 Grinsekatzen; „Ruth Hogan erzählt in ihrem Debütroman „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ eine hübsche und leicht romantische Geschichte die zum träumen einlädt.“)
  • Nicoles Bücherwelt (5/5 Sterne; „Ein wundervoller Roman – sehr schön und warmherzig geschrieben“)

Bildquelle Cover: Ullstein Buchverlage
Bildquelle Rose: Pinterest
Bildquelle Autorenfoto: Hogans Website

Rezension – Adele. Ihre Songs, ihr Leben

Vielen Dank an NetGalley.de und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar!
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Sean Smith hat schon zahlreiche Biographien über unterschiedliche Stars der heutigen Zeit geschrieben und widmet sich nun Adele. Diese zählt mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikerinnen des 21. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia). Smith widmet sich ihrem Werdegang als Sängerin und der Frage, wie sie zu ihrem Ruhm kam.

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Ich habe mich entschieden, in diesem Beitrag auf eigene Fotos vom Buch zu verzichten. Stattdessen sind Bilder von Adele im Laufe der Zeit zu sehen, außerdem habe ich einige meiner liebsten Songs von ihr eingefügt.
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Fangen wir direkt mit einem meiner Lieblingssongs an: River Lea ist von ihrem dritten Album, 25, aus dem Jahr 2015.
In diesem Video davon sind einige Aspekte zu sehen, die Smith in der Biographie immer wieder anspricht und welche das Publikum für Adele einnehmen. Mir persönlich gefällt vor allem ihr Lachen. Es scheint immer von Herzen zu kommen und pure Lebensfreude auszustrahlen. Ich kann es mir nie verkneifen, mit zu lachen, einfach nur, weil ich ihr Lachen so toll finde!
Offensichtlich wird aber auch, dass sie eine Perfektionistin ist. Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass mir nicht einmal aufgefallen ist, dass sie „out of breath is“, bis sie es gesagt hat.

Smith geht auf ihren familiären Hintergrund ebenso ein wie die Entwicklung ihrer Karriere. Einmal abgesehen von Adele ist der große Star in diesem Buch (bzw. ihrer Geschichte) ihre Mutter – das sieht, wenn man dieser Biographie glauben darf, wohl auch Adele selbst so.
Penny war erst 18, als sie mit Adele schwanger wurde und dass es nicht das Allerleichteste ist, so jung ein Kind zu bekommen und sich mit „Anhang“ ein eigenes Leben aufzubauen, kann sich vermutlich jeder denken. Doch diese junge Mutter zeigt, dass es immer eine Möglichkeit gibt, einen anständigen Menschen großzuziehen und sich dennoch selbst auch weiterzuentwickeln.
Insofern war sie für mich das eigentlich Inspirierende des Buches: es gibt immer einen Weg, eine Möglichkeit, trotz aller Widrigkeiten oder Probleme.

Mutter zu sein ist jetzt das Wichtigste für sie.
– Pos. 3309 Kindle-Edition

Im Zusammenhang mit ihrem Privatleben fand ich vor allem Adeles Verhalten gegenüber ihrem Sohn Angelo sehr berührend. Ganz offensichtlich geht es ihr nicht darum, aus seiner Geburt irgendeinen kommerziellen Nutzen zu ziehen (sie und ihr jetziger Mann Simon verklagten eine britische Fotoagentur für die Nutzung von Paparazzi-Fotos ihres gemeinsamen Sohnes); selbst den Namen hielt sie verhältnismäßig lange unter Verschluss.
Mir hat sie das sympathisch gemacht, da ich es nie verstanden habe, wie Promis ihre Kinder dem Scheinwerferlicht aussetzen können, scheinbar ohne mögliche Folgen nachzudenken.

Ich hatte Adele nicht wirklich auf dem Schirm, bis ihr Song Rolling in the Deep erschien. Erst während des Lesens habe ich festgestellt, wie viele Songs von Adele ich tatsächlich kenne. Wirklich lieben gelernt habe ich sie aber erst mit Skyfall im Jahr 2011. Obwohl ich den Film nie gesehen habe, lief der Song bei mir rauf und runter und auch heute höre ich ihn noch sehr gerne.
Für mich war es auch sehr interessant, einen Einblick in die Entstehensgeschichte eines Songs (bzw. mehrerer Songs) zu bekommen. Mir war einfach nicht klar, wie viele Menschen letztendlich auch unterschiedlichste Weise hinter einem Lied stehen, das ich im Radio höre oder mir auf YouTube in der Dauerschleife anhöre.

Adele ist für mich ein großes Vorbild; nicht in musikalischer Hinsicht, da ich in dieser Richtung weder Talent noch Ambitionen habe, sondern in Bezug auf Selbstbewusstsein und diese zufriedene Ausstrahlung, welche Adele zu Eigen ist. Natürlich hat auch sie tagtäglich mit Problemen oder unangenehmen Aufgaben zu kämpfen, aber im Großen und Ganzen wirkt sie sehr im Reinen mit sich und ihrem Leben.

Zu ihrer eigenen Überraschung wurde Adele zu einer Mode-Ikone, zu einem Vorbild für ganz normale Frauen in ihrem Alter [meine Anm.: und jünger], in einer Zeit, als Mode extrem sexualisiert war.
– Pos. 3341 Kindle-Edition

Mein einziger Kritikpunkte an dieser hochinteressanten Biographie über einen sehr sympathischen Menschen sind einzelne Themengebiete, die in meinen Augen gar nicht oder zumindest nicht in der gegebenen Länge hätten behandelt werden müssen. Insbesondere im Mode- und Styling-Bereich wäre weniger mehr gewesen. Natürlich ist die Entwicklung ihres Stils wichtig und kann/muss im Zusammenhang mit ihrem Leben betrachtet werden. Aber nicht in dieser Ausführlichkeit, denn so interessant und wichtig sind die Namen von Stylisten etc. nun wirklich nicht.

Komplett übersprungen habe ich zudem das Horoskop für Adele am Ende des Buches, umso besser war dafür die Kurzbiographie, die ganz zum Schluss noch gegeben ist. Hier lassen sich die wichtigsten Daten auf einen Blick einsehen.

„Es geht darum, Dinge zu vermissen, von denen man gar nicht wusste, wie kostbar sie waren. Es geht um das, was war, was ist und was hätte sein können.“
– Adele über 25, Pos. 3236 Kindle-Edition

Send My Love (To Your New Lover) ist mein absolutes Lieblingslied von ihr!

Über Sean Smith:
Smith ist Großbritanniens führender Biograph der Berühmtheiten unserer Zeit. Er schrieb bereits Biographien über Princess Kate, Gary Barlow, Kim Kardashian und viele andere und stürmte damit bereits einige Male die Bestsellerlisten.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stopfis Bücher („Adele ist eine wirklich bewundernswerte Frau, die eine starke Entwicklung durchgemacht hat“)
  • Ney Wonderland (5/5 Sterne; „Jeder ihrer Liedtexte hatte mich zum Nachdenken gebracht“)

Bildquelle Cover: HarperCollins
Bildquelle Adele (Kurzinfo): BBC (eigene Bearbeitung)
Bildquelle Noten: Homesticker
Bildquelle Adele als Kind: Mirror
Bildquelle Adele (2008): Zimbio
Bildquelle Adele (2015): Celebmix

Rezension – 365. Wenn die Masken fallen

Charlotte Clark, Studentin und von allen nur Charly genannt, nimmt sich vor, im kommenden Jahr etwas Aufregendes zu erleben und ein außergewöhnliches Jahr zu verbringen. Dazu gehört auch, sich mit dem Firmenimperium ihres Vaters zu beschäftigen und Fuß in der Geschäftswelt zu fassen. Doch sie verstrickt sich immer mehr in einem Geflecht aus Liebe, Lügen, Reichtum und Kälte und hat eine ganze Menge Schläge einzustecken. Wie wird sie aus diesem Jahr hervorgehen?

Es dürfte einer der merkwürdigsten Wege sein (zumindest für mich), auf welchem ich zu diesem Buch gekommen bin: meine Mutter und ich sind zusammen über die Stuttgarter Königsstraße geschlendert, als uns eine Frau ansprach, ob wir gerne lesen. Auf die Frage gibt’s bei mir natürlich nur eine Antwort und kurz darauf hielt ich ein verfrühtes Ostergeschenk in Händen – den Debütroman von Isabel Kritzer. Die Frau, die uns ansprach, war ihre Mutter.

Ich hab mich auch direkt daran gemacht, das Buch zu lesen, denn nach den Lobesreden der Mutter war ich entsprechend gespannt, ob das Buch den Erwartungen auch entsprechen kann.
Meine Faszination für das Buch hat dieses weniger dem eigentlichen Verlauf der Geschichte zu verdanken. Über einen großen Teil des Buches geschah nämlich wenig bis gar nichts. Mir fiel es daher schwer, in die Handlung zu finden oder auch nur zu erkennen, worauf Kritzer hinauswill.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang war Charly selbst, denn mit ihr wurde ich einfach nicht warm. Annabelle hat in ihrer Rezension auf Stehlblüten einen Grund dafür genannt, den ich nicht so recht in Worte fassen konnte:

[…] sie [empfindet] ihren Studienalltag als so anstrengend […], wo sie doch noch im Elternhaus wohnt, eine eigene Haushälterin hat und noch dazu nicht einmal arbeiten gehen muss, um sich ihr Geld zu verdienen.
– Rezension auf Stehlblüten

Zudem war mir die Diskrepanz zwischen dem, wie sie sich selber beschreibt und wie ich sie wahrgenommen habe, oftmals einfach zu groß. Sie ist 22, kurz vor dem Bachelorabschluss, und will erwachsen sein, stellt sich selbst gerne so dar – aber teilweise hatte ich (20 Jahre alt und im 2. Semester) das Gefühl, dass sie eher ein Mädchen als eine Frau, zumindest deutlich jünger als ich, und zu naiv für ihr Alter ist. Außerdem neigt sie zu voreiligen Schlüssen, welche mich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben haben. In solchen Situationen hätte ich am liebsten ins Buch gegriffen, um ihr einen ordentlichen Schubs zu geben.
Auch die anderen Personen wurden mir nicht sympathisch. Am ehesten dann noch Charlys Schwester Sarah, die einige Zeit im Ausland verbracht hat und mir mit ihrer Gedankenwelt (zumindest was man im Buch erfährt) näher ist wie Charlie.

Dinge änderten sich. Und am Ende wertschätzte man das, was man gehabt hatte, erst, wenn man es verlor.
– Charly, S. 210

Die Dinge, insbesondere in der Handlung, änderten sich dann tatsächlich. Ab circa der Hälfte des Buches passiert endlich etwas, die Handlung spinnt sich weiter und langsam entwickelte sich dann auch ein Spannungsbogen.
Allerdings wurde es mir dann schon fast wieder zu viel des Guten. In der zweiten Hälfte passiert einfach zu viel in zu kurzer Zeit. Ich hatte oft das Gefühl, dass Kritzer um jeden Preis möglichst viele Themen ansprechen wollte – aber mir wurde das Ganze dadurch zu überladen.

Das hört sich jetzt recht negativ an, aber das Buch könnte mich in einigen Punkten auch überzeugen.
Obwohl ich mich von Charly nicht wirklich repräsentiert fühle, hat mich das Buch immer wieder zum Nachdenken angeregt. Sie macht sich viele Gedanken über ihr Leben und auch ich als Leserin habe dadurch Stoff zum Nachdenken bekommen. Dazu trägt insbesondere bei, dass ich, trotz allem oben genannten, in einer ganz ähnlichen Situation bin wie Charly und dadurch viele ihrer Sorgen und Gedanken Charlys gut nachvollziehen kann.

Wir versuchen alle, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber ob uns das gelingt, stellen wir erst später fest.
– Sarah, S. 368

Das beste am Buch war allerdings der Schreibstil – dieser konnte mich wirklich überzeugen. Kritzer schreibt zwar eher sachlich, das hat mich aber nicht gestört. Ich empfand es sogar eher als angemessen, denn das Buch selbst ist zum größten Teil weder dramatisch noch besonders gefühlsbetont und daher ist auch der ruhige Schreibstil passend. Ich empfand den Schreibstil als gut und vor allem deutlich besser, als ich erwartet hatte.
Kritzers Mutter hatte uns gegenüber gesagt, dass 365 Einblick in die Gedankenwelt der heutigen Jugend und jungen Erwachsenen gibt. Ich hatte daher auch mit einer tendenziell jugendlichen Sprache gerechnet, das war hier aber nicht der Fall – und das fand ich richtig gut!

Sprachlich ist dieses Buch ein absoluter Glücksgriff, aber sich mit den Personen wirklich identifizieren, fiel mir in diesem Buch schwer. Insofern war es eher enttäuschend.

Wir alle haben Wünsche, für die es sich zu kämpfen lohnt. Wir haben Träume, denen wir nachhängen, weil wir erpicht darauf sind, sie zu unserer Wirklichkeit zu machen. Doch stellen wir uns meist nicht der Überlegung, ob wir wirklich bereit dafür sind. Ob wir die Konsequenzen, die wir vielleicht noch nicht überblicken können oder wollen, wahrhaftig zu tragen vermögen. Weil wir tief in unserem Inneren davon ausgehen, dass unsere Tagträume nicht wahr werden.
– Charly, S. 374

Über Isabel Kritzer:
Kritzer wurde 1993 in Stuttgart geboren. 2012 machte sie ihr Abitur und machte daraufhin ein BWL-Studium, welches sie mit dem Bachelor of Science abschloss.
365, erschienen 2016, ist ihr erster Roman.
Quelle: Papierfresserchens MTM-Verlag

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Stehlblüten („mich [hat] das Buch hin und hergerissen“, „das Buch [hat] eine Wirkung hinterlassen“)
  • Jenny von Lullaby’s Bücherkiste („Es ist wirklich der Hammer wie sehr dieses Buch einen Nerv bei einem treffen kann“)
  • Bücherleser (4/5 Bücher; „Geblieben sind vor allem Fragen an mich selbst“)

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Rezension – Ein geschenkter Anfang

Auf der bretonischen Île de Groix war Lou wohlbekannt und sehr beliebt. Auch nach mehreren Jahrzehnten Ehe waren sie und ihr Mann Jo noch schwerverliebt und genossen das Leben auf Groix. Doch dann stirbt Lou und die Familie scheint daran zu zerbrechen.
In ihrem Testament gibt sie Jo den Auftrag, sich mit ihren beiden gemeinsamen Kindern Cyrian und Sarah zu versöhnen und diese glücklich zu machen. Erst danach darf er die Flaschenpost öffnen, die sie ihm vermacht hat.

Un vieillard en or avec une montre en deuil
Une reine de peine avec un homme d’Angleterre
Et des travailleurs de la paix avec des gardiens de la mer.
Cortège (Der Leichenzug) von Jacques Prévert

Von diesem Buch habe ich zum ersten Mal bei Ela von Literaturliebe gelesen und es prompt bei dem Gewinnspiel von ihr gewonnen! Mir kam dann zwar die Klausurenphase dazwischen, aber meinen ersten Urlaubstag habe ich damit verbracht, dieses Buch förmlich zu verschlingen.
Das Buch ist zwar nicht spannungsgeladen, dennoch konnte ich es kaum erwarten zu wissen, wie es verläuft. Jo ist in einer ziemlich verzwickten Situation, denn eigentlich hat er keine Ahnung, wie er seine Kinder glücklich machen kann – und nun wurde ihm auch noch eine Frist gesetzt, um dies zu erreichen. Um dies herauszufinden geht er unorthodoxe Wege ein und es war ein Spaß, darüber zu lesen.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Durch die wechselnde Erzählperspektive kommen sie alle einmal zu Wort, man kann sich in sie einfühlen und lernt sie die jeweiligen Beweggründe besser kennen.
Was mich daran ein wenig gestört hat, sind die beiden Enkelinnen Pomme und Charlotte. Obwohl sie liebenswert sind bzw. werden und es wichtig ist, auch die Kinder zu Wort kommen zu lassen, unterschieden sich ihre Gedanken in meinen Augen nicht genug von denen der Erwachsenen. Satzbau, Vokabular und Sprachweise müssten aus meiner Sicht größere Unterschiede zu denen der Erwachsenen aufweisen – und tun das leider nicht. Mir hat dies das Gefühl gegeben, dass man auf Biegen und Brechen alle einmal zu Wort kommen lassen wollte, dabei aber die Glaubwürdigkeit ein bisschen auf der Strecke blieb.

Ein Kind zu lieben bedeutet, von dem Kind Abschied zu nehmen, das man sich erträumt, in seiner Phantasie ausgemalt hat, es bedeutet, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, nicht wie wir es uns wünschen.
– Lou, S. 39

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und vermittelt einem zudem das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Sie schreibt jeweils aus der Ich-Perspektive und vermittelt dabei einen unmittelbaren Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten. Außerdem ist das Buch, und das ist mir schon länger nicht mehr untergekommen, durchgehend in der Gegenwart geschrieben.
Stellenweise gab es dann aber doch Längen in der Erzählung: teilweise lässt sich Fouchet einen Absatz lang über gefühlt nichts aus und gerade am Anfang habe ich darauf gewartet, wann es denn nun endlich losgeht. Dementsprechend schwer fiel es mir auch, wirklich in die Geschichte zu kommen.

Das alles zusammengenommen ist Ein geschenkter Anfang eine schöne Lektüre, die mich zum Lachen aber auch zum Nachdenken gebracht und Fernweh nach der Bretagne hervorgerufen hat, hatte aber auch kleine Schwächen.

Humor ist keine der Verzweiflung entsprungene Höflichkeit, sondern die Boje der Ertrinkenden, die ihre Stiefel nicht ausgezogen haben, um schneller unterzugehen.
– Jo, S. 187

Über Lorraine Fouchet:
Fouchet wurde 1956 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris geboren. Sie wuchs zweisprachig auf und spricht insgesamt vier Sprachen. Nach dem Medizin-Studium arbeitete sie als Notfallärztin, 1977 begann sie mit dem Schreiben von Liebesromanen.
Ihr erstes Buch erschien 1990, größere Bekanntheit erlangte sie mit L’Agence (dt.: Hundert Möglichkeiten, sein Leben zu ändern) aus dem Jahr 2003.
Sie lebt in Paris und auf der Île de Groix.
Quelle: Buch, Wikipedia


Bildquelle Cover: Atlantik Verlag
Bildquelle Leuchtturm: Visit Denmark
Bildquelle Autorenbild: La Nouvelle République

London Legends – Zusammengefasst

London Legends von Kat Latham

#1: Knowing the Score (Caitlyn & Spencer)
#2: Playing It Close (Tess & Liam)
#3: Tempting the Player (Libby & Matt)
#3.5: Unwrapping Her Perfect Match (Gwen & John)
#4: Taming the Legend (Camila & Ash)

Ende letzten Jahres durfte ich den dritten Band der Reihe als Rezensionsexemplar auf deutsch lesen und war sehr begeistert! (Meine Rezension dazu könnt ihr HIER lesen.)
Vor kurzem hatte ich das Gefühl, dass ich dringend etwas neues, kurzweiliges aber dennoch gutes zu lesen brauche. Meine Wahl fiel ziemlich schnell auf ein weiteres Buch von Kat Latham aus der „London Legends“-Reihe.

Mit einigem Erstaunen habe ich dann festgesellt, dass es die komplette Reihe (abgesehen von der Novelle um Gwen und John) für nur etwas mehr als sieben Euro auf Amazon gibt. Mein allererste Reaktion war – ungelogen – „Was soll denn der Scheiß?!“
Für mich dauerpleiten Studenten ist das natürlich ziemlich cool, aber in diesem Fall wird der Preis der Qualität des Buches bzw. der Bücher nicht gerecht und selbst ich wäre mehr als gewillt, mehr Geld dafür hinzulegen.

*** Ich habe jetzt einiges zu berichten, also holt den Schwarztee (bei diesem Wetter gerne in gekühlter Form) raus und stellt euch auf einen etwas längeren Text ein (shame on me) ***

Obwohl das Cover und auch die Tatsache, dass man ein Rugby-Team als Verbindung der Bücher hat, dafür sprechen, würde ich die Reihe nicht dem YA-Genre zuordnen. Hauptsächlich weil die Protagonisten in meinen Augen über das Young Adult-Alter raus sind. Das andere ist mehr ein Gefühl: es wirkt zu erwachsen, als dass es für mich in dieses Genre passt.

Tea: solving Englishman’s problems for four hundred years.
– Spencer Bailey in Knowing the Score (Pos. 3507 Kindle-Edition)

Viele der Dinge, die ich schon in meiner Rezension zum dritten Teil erwähnt habe, treffen auch nach allen viereinhalb Büchern zu.
Dazu zählt insbesondere, dass ich mich noch jedes Mal nach England zurückversetzt gefühlt habe und das ein bisschen Heimweh (denn das ist England für mich) hervorgerufen hat. Sei es nun, weil Gästen – selbstverständlich – immer erstmal eine Tasse Tee angeboten wird, einzelne Redewendungen, die ich so oft gehört oder selbst benutzt habe, oder Londoner Sehenswürdigkeiten, mit denen ich ganz persönliche Erinnerungen verbinde.
All das hat dafür gesorgt, dass ich mich in den Büchern wie Zuhause gefühlt habe.

In allen viereinhalb Büchern hat Kat Latham lesens- und liebenswerte Charaktere geschaffen, die alle ihre kleinen Macken haben und mit den unterschiedlichsten Dingen kämpfen. Dabei packt sie (in meinen Augen sehr erfrischend) nur einmal die „traumatische Vergangenheit“-Karte aus, alles andere sind Schwierigkeiten und Komplexe, die jeder in seinem Leben durchlebt und davonträgt. Denise von Kitsunebooks hat das in einer ihrer Rezensionen so zusammengefasst (und dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen):

Durch das Thema „New Adult“ bin ich leider auch vorbelastet, was die altbekannte „dunkle Vergangenheit“ von mindestens einer der Figur betrifft. Es ist immer eine Frage, ob sie nur eingeführt wird, um das schwulstige Liebesgetolle spannender zu gestaltet oder eben, ob es dazu beiträgt, Charaktere und deren Verhaltensweisen zu begründen und zu beschreiben.
– Kitsune in „Rezension zu Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ (Zugriff
am 29.05.2017)

In dieser Reihe fällt die traumatische Vergangenheit Gott sei Dank unter letztere Kategorie. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass es mich vermutlich abgeschreckt hätte, wenn ich wirklich mit dem ersten, und nicht dem dritten, Buch begonnen hätte. Ohne zu wissen, wie toll die Reihe sich entwickelt, würde ich höchstwahrscheinlich nur die Augen verdrehen und mir zweimal mehr überlegen, ob ich wirklich die gesamte Reihe lesen will.
Dadurch, dass die Protagonisten mit ganz alltäglichen Problemen und Problemchen zu kämpfen haben, konnte ich mich sehr gut in sie einfühlen. Besonders wenn sie unsicher werden – in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Körper, Entscheidungen die sie getroffen haben oder das Leben im Allgemeinen – saß ich vor dem Buch und hab mich gefühlt, als hätte Latham dieses Buch über mich geschrieben.

No more apologizing for being awkward by having her own thoughts, feelings, dreams and life.
– Gwen Chambers in Unwrapping Her Perfect Match (Pos. 1640 Kindle-Edition)

Zudem erscheinen mir diese Bücher um einiges realistischer, als viele andere Liebesromane (egal aus welchem Untergenre), die ich in letzter Zeit gelesen habe (wenn wir mal kurz die Penisgröße der männlichen Protagonisten außer acht lassen, die ist nämlich sehr YA angemessen). In jedem Buch baut Latham auf ganz andere Art den Alltag ein: Kinder, die keine Zweisamkeit zulassen, unauffindbare Kondome, Handys die beim rummachen an besonders unangenehme Stellen drücken, Missverständnisse, …

She’d had a go at him once for saying [pussy], telling him that women’s bits were anything but weak.
– Libby in Tempting the Player (Pos. 1042 Kindle-Edition)

Last but not least gefällt mir super, dass die Protagonistinnen jede auf ihre Art starke Frauen sind. Alle haben sich eine Karriere aufgebaut, sind erfolgreich und lassen sich kein Macho-Gehabe gefallen. Außerdem machen sie immer sehr deutlich, was sie denken, wenn sie (von Männern) unterschätzt werden. Tess aus dem zweiten Band führte einige Zeit einen Blog, in dem sie über die sexistischen und frauenfeindlichen Handlungen ihrer Kollegen berichtet. Regelmäßig widersprechen sie, wenn weibliche Attribute benutzt werden, um etwas als schwach zu beschreiben.

Wenn ihr also eine leichte, aber dennoch ansprechende Lektüre braucht (was bei diesen Temperaturen irgendwie genau richtig ist, zumindest für mich), dann empfehle ich euch diese Reihe. Ihr müsst auch nicht zwangsläufig mit dem ersten Band anfangen – die Bücher sind sehr gut unabhängig voneinander lesbar.


Über Kat Latham:
Latham wurde in Kalifornien geboren und zog nach dem Uni-Abschluss nach Europa. Zunächst unterrichtete sie einige Jahre Englisch in Prag, danach arbeitete sie in London für eine humanitäre Organisation. Sie hat Abschlüsse in Englischer Literatur und Menschenrechte. Sie schreibt Liebesromane, besonders bekannt ist ihre London Legends-Reihe um ein Rugby-Team. Daneben schreibt und editiert sie für gemeinnützige Organisationen.
Zusammen mit ihrem britischen Ehemann und der gemeinsamen Tochter lebt sie in Holland.
Quelle: Kat Lathams Website

Rezension – Berlin Beirut

Vielen Dank an die KongKing PR-Agentur und den Divan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Mahmoud kommt aus Beirut. Vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland ist er 1977 in die DDR geflohen und wird von dort in den Westen geschleust.
Am Bahnhof Friedrichstraße wartet die 20jährige Maria auf ihn, um eben dies zu veranlassen. Ihr Onkel Albert, von den libanesischen Flüchtlingen Ali genannt, organisiert das Einschleusen. Wer seine Schulden nicht bezahlen kann, muss diese in seiner Diskothek abarbeiten – oder Autos in den Nahen Osten überführen.
Als Maria Mahmoud auf einem dieser Autokonvois begleitet, lernt sie seine Familie und den Bürgerkrieg kennen – und verliebt sich in ihn. Als sie schwanger wird, heiraten die beiden. Doch dann verstrickt sich Mahmoud in Deals, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint …

Nachdem ich vor kurzem bereits einmal festgestellt habe, dass ich zwar einen ganzen Haufen historische Romane (und Sachbücher) habe, aber nur ein verschwindend geringer Teil davon das geteilte Deutschland zum Thema hat, habe ich mich umso mehr über das Angebot gefreut, dieses Buch zu rezensieren.
Wenn in Bezug auf dieses Buch die Rede von einem „unbekannten Kapitel deutscher Geschichte“ ist, dann wurde damit bei mir der Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte keinerlei Ahnung davon, dass die DDR einen Haufen Geld mit Transitvisa für libanesische Flüchtlinge gemacht hat.

Während des Bürgerkriegs im Libanon verdiente die DDR so viel Geld mit Einreisevisa und Flugtickets, dass sie die Berliner Mauer damit hätte tapezieren können.
– Maria, S. 10

Dieses Buch dreht sich weniger um die politischen Vorgänge; der Fokus liegt auf der persönlichen​ Situation einzelner Flüchtlinge sowie die Organisation des Einschleusens.
Positiv in diesem Zusammenhang fand ich schon einmal, dass man nicht mit Personen erschlagen wird. Hauptsächlich dreht sich der Roman um Maria, ihren Onkel Albert und Mahmoud, hinzu kommen noch ein paar Nebencharaktere. Die Zahl derer kann man allerdings an einer Hand abzählen. So habe ich nie den Überblick verloren.

Gar nichts so einfach, diese Gefühlswelt

Allerdings bin ich mit Maria durchgehend nicht wirklich warm geworden. Ihre Gefühlskälte, welche sie den Asylanten entgegenbringt, wirkt zwar einerseits im Angesicht ihrer persönlichen Geschichte realistisch (sie ist praktisch mit Gaunern aufgewachsen und hat schon recht früh allerlei Tricks und Kniffe erlernt, die als illegal zu verbuchen sind).
Andererseits erschien sie mir oftmals zu erwachsen für ihr Alter und eben die Abgebrühtheit hat mich manchmal erschreckt. Sie scheint keinerlei Mitleid mit den Flüchtlingen zu empfinden und legt eine geringschätzige Haltung an den Tag.

Nun kann man argumentieren, dass dies eine verständliche Reaktion ist für ein Mädchen, dass mit einem kriminellen und ebenfalls ziemlich abgebrühten Onkel aufgewachsen ist. Dem stimme ich auch zu, allerdings wirkt dann ihr Wandel gegenüber Mahmoud und dem gemeinsamen Kind eher unrealistisch. Sie scheint sich von einem Tag auf den anderen von der Gangsterbraut zum verliebten Teenager und weiter zur verantwortungsvollen Mutter zu wandeln.

Wussten wir überhaupt, was Liebe war? Wenigstens einer von uns beiden?
– Maria, S. 153

Überhaupt scheinen es die Personen im Buch nicht so mit Gefühlen zu haben. Allgemein herrscht eine große Gleichgültigkeit vor, vieles wird auch nicht weiter ausgeführt und teilweise habe ich mich schon gefragt, wie zur Hölle es zu manchen Verbindungen kam.
Von der komplizierten Gefühlswelt einmal abgesehen, hat mir das Buch richtig gut gefallen – und zwar das Gesamtpaket. Normalerweise gehe ich nicht groß auf das Cover ein, da es bei mir auch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Aber in diesem Fall hat es mich ebenso sehr überzeugt, wie der Klappentext. Es passt richtig gut zum Buch und mich Geschichtsfreak spricht auch die Gestaltung sehr an. Zudem ist es eines der wenigen Bücher, die keine Person (bei historischen Büchern: Frau in merkwürdiger Pose) auf dem Cover haben. Von daher hat das Buch allein schon dafür einen dicken Pluspunkt verdient.

Wie schon erwähnt, war es für mich ein unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte. Zudem ist die DDR für mich etwas wirklich Historisches: In meinem Kopf gibt es nur das eine Deutschland, den ehemaligen Standort der Mauer kenne ich nur aus Reiseführern oder eben Büchern und ich musste auch noch nie ewige Grenzkontrolle über mich ergehen lassen um in irgendein deutschsprachiges Gebiet zu kommen.
Daher ist es für mich natürlich umso interessanter, dieses Buch zu lesen. Ich bin zwar die falsche Ansprechperson, wenn es darum geht, wie realistisch die Geschichte ist. Aber aus meiner Sicht hätte sich so etwas tatsächlich entwickeln können: dass Flüchtlinge auch „Einheimische“ heiraten ist nicht wirklich ungewöhnlich und da Schmuggler (egal ob sie Menschen oder etwas anderes schmuggeln) nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind, wirkte auf mich auch der kriminelle Teil des Buches durchaus einleuchtend.

Der Krieg bekam ein Gesicht.
– Maria, S. 122

Hinzu kommt, dass mir auch der Schreibstil richtig gut gefallen hat. Mikati schreibt verständlich und in recht kurzem Sätzen, zudem sind viele Unterhaltungen sehr umgangssprachlich. Dies sorgt zum einen dafür, dass die Geschichte sehr gut zu lesen ist, trägt aber auch zu der Athmosphäre im Buch bei.
Die zu beschreiben ist gar nicht so einfach, denn einerseits hat man viele Ausländer, die mit der deutschen Sprache zu kämpfen haben und viele Deutsche, die dem gegenüber sehr herablassend und abschätzig sind. Andererseits ist es auch geprägt von erstaunlichem kriminellen Witz in Bezug auf das Geschäftliche und viel Geschick von Seiten der Flüchtlinge, um sich in Deutschland ein Leben aufzubauen.

Insgesamt kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der einen Einblick in Einzelschicksale dieser Zeit haben will und gerade für Menschen meiner Generation, die das geteilte Deutschland nicht mehr erlebt haben, kann es sehr interessant sein. Andererseits sollte man nicht zu viel davon erwarten, wenn man etwas neues erlernen will. Gerade über die DDR an sich und das Verhältnis der beiden deutschen Staaten lernt man nichts neues, eher wird ein gewisses Allgemeinwissen vorausgesetzt.

„Du brauchst keine Kraft dafür. […] Wenn du locker bleibst, geht das besser. Wie alles im Leben.“
– Maria, S. 91

3Sterne

Über Gitta Mikati:
Mikati wurde am Bodensee als eines von fünf Kindern geboren. 1968 zog die Familie nach Berlin, dort machte Mikati die Mittlere Reife. Danach begann sie eine Ausbildung zur Polizeibeamtin, arbeitete bis 1985 als solche und war danach als Regierungsbeamtin auch weiter im Staatsdienst tätig. Sie lernte einen Bürgerkriegsflüchtling kennen und lieben, heiratete ihn später.
Berlin Beirut ist ihr erster Roman, zudem hat sie Beiträge zu zahlreichen Anthologien geliefert.
Quelle: Website der Autorin

Weitere Meinungen zum Buch:

  • Booknerds (10/15 Big Apples; „sehr kurzweilig geschrieben und gut lesbar, dabei regt es auch zum Nachdenken an“)
  • Dieter Wunderlich („außergewöhnlich realistisch“)

Bildquelle Cover: KongKing
Bildquelle Berlin stilisiert: Pr-ide.de
Bildquelle Autorenbild: Gitta Mikati

Rezension – A Man Called Ove

Ove hat Prinzipien. Und die müssen eingehalten werden. Also sorgt er in der Reihenhaussiedlung, in der er lebt für Recht und Ordnung, indem er die Einhaltung der Regeln überwacht.
Doch seitdem seine Frau Sonja gestorben ist und er außerdem altersbedingt seinen Job verloren hat, findet er keine rechte Freude mehr am Leben. Und so macht er sich in seiner pragmatischen Art daran, seinem Leben ein Ende zu setzen, um endlich seine geliebte Frau wieder zu treffen.
Die Vorbereitungen laufen auch richtig gut – bis nebenan eine neue Familie einzieht und zunächst einmal Oves Briefkasten über den Haufen fährt …

Sorrow does strange things to living creatures.
– S. 147

Vor einigen Jahren gab es um dieses Buch einen großen Hype und auch ich bin in den Buchläden immer wieder darüber gestolpert. Allerdings ist es nie in mein Bücherregal gewandert, da ich mir nicht sicher war, ob es mir gefallen würde.
Meine Tante hat es mir nun zum Geburtstag geschenkt und ich bin ziemlich schnell in der Geschichte um Ove versunken.
Dieser ist ein echtes Phänomen. Die Geschichte beginnt in der Gegenwart und Ove ist einem zunächst einmal wirklich unsympathisch – oder zumindest ging es mir so. Sein starres Beharren auf Regeln und der unfreundliche Weg, mit dem er diese durchsetzt, sind nicht sonderlich einnehmend.

Ove wanted what was right to be right, and what was to be wrong.
– S. 97

Aber sobald aus Oves Vergangenheit erzählt wird, ändert sich das. Zum einen beginnt man nachzuvollziehen, warum Ove sich so verhält, wie er es nun einmal tut. Zum anderen wird eine Liebesgeschichte erzählt, die mich regelmäßig den Tränen nahe gebracht hat.

Fredrik Backman gelingen in diesem Buch viele kleine Kunststücke. Dazu zählt auch, dass die Ehe von Sonja und Ove manchmal zu gut klingt, um wahr zu sein und gleichzeitig so realistisch wirkt, dass man die beiden förmlich vor sich sehen kann. Es ist keine spektakuläre Beziehung mit leidenschaftlichen Streits und nahezu unüberwindbaren Herausforderungen. Es ist im Gegenteil eine Beziehung, bei der sich die beiden Beteiligten auf eine eher ruhige Art so gut ergänzen, dass auch mehrere Jahrzehnte Ehe und einige Schicksalsschläge nichts an der Liebe und Zuneigung dem anderen gegenüber geändert haben, diese eher noch verstärkten.

People said Ove saw the world in black and white. But she was colour. All the colour he had.
– S. 40

Zum größten Teil ist die Beziehung der beiden aus Oves Sicht erzählt und die Zärtlichkeit, die er seiner Frau entgegenbringt, ist einfach nur rührend. Dabei kann man sich oft nicht zwischen Lachen und Weinen entscheiden.
Und das ist das nächste Kunststück, das Fredrik Backman geschafft hat. Er schreibt viele Sätze, die zwar zum Lachen sind, die mich aber gleichzeitig auch melancholisch gestimmt haben, zum Beispiel wenn Ove das hier über seine Frau und seine Ehe denkt:

You marry. For better or for worse until death do us apart, wasn’t that what they agreed? Ove remembers quite clearly that it was. And she wasn’t supposed to be the first on to die. Wasn’t it bloody well understood that it was his death they were talking about?
– S. 91

Am Ende hat Backman dann geschafft, was vorher noch kein Autor geschafft hat: mich zum Weinen zu bringen. Es gab auch vorher schon Bücher, bei denen ich Tränen in den Augen hatte. Aber hier lag ich in meinem Bett und habe wirklich geheult wie ein Schlosshund.

Neben der zu Tränen rührenden Seite, ist es auch ein richtig witziges Buch mit vielen wunderbaren Charakteren. Dazu zählen insbesondere die neuen Nachbarn, die Oves Briefkasten in Mitleidenschaft ziehen und die ich manchmal gerne geknuddelt hätte.
Auf ganz andere Weise ergänzen sich auch diese gut mit Ove: die Mutter kann es in ihrer Hartnäckigkeit mit ihm aufnehmen und lässt sich auch nicht von seiner abweisenden und unfreundlichen Art abschrecken. Damit steckt sie ihre Kinder an, die ihn als Opa „adoptieren“ und dadurch unwissentlich helfen, ihn aus seinem Loch zu bringen.

[Ove] felt one should not go through life as if everything was exchangeable. As if loyalty was worthless.
– S. 73

Das Buch ist zwar nicht besonders lang, aber jeder Charakter ist schön herausgearbeitet mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Immer mit den kritischen Augen von Ove betrachtet, sind sie dennoch sehr sympathisch und realistisch.
Um auf obiges Zitat zurückzukommen: Sie zeigen Ove, dass es immer noch Menschen gibt, die loyal sind und denen seine Freundschaft, seine Loyalität und sein Wohlergehen wichtig sind.
Es ist sehr einfach, all diese Menschen ins Herz zu schließen, so dass es nahezu zu einer Qual wird das Buch zuzumachen und nicht mehr mit ihnen lachen und leben zu können.

Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt tun! Das Buch ist eine unschlagbare Mischung aus rührender, aber keineswegs kitschiger, Liebesgeschichte und unglaublich witzigen Anekdoten. Ob man nun vor Lachen oder Weinen Tränen in den Augen hat, ist oftmals schwer zu entscheiden und wechselt ständig während eines Kapitels.
Es wird viel über den Verlust geliebter Menschen philosophiert und dennoch ist es ein sehr lebensbejahendes Buch, dass die Kleinigkeiten vor Augen führt, die das Leben lebenswert machen.

For the greatest fear of death is always that it will pass us by. And leave us there alone.
– S. 284

Über Fredrik Backman:
Backman wurde 1981 in Stockholm geboren und wuchs in Helsingborg, nicht weit entfernt von Malmö, auf. Er brach ein Studium der Religionswissenschaften ab und ging verschiedenen Gelegenheitsjobs nach, unter anderem arbeitete er für eine Stockholmer Zeitung. Seit 2008 ist er freischaffend tätig; vier Jahre später erschien sein erster Roman, Ein Mann namens Ove. Das Buch avancierte sofort zum Bestseller, wurde in mehr als 25 Sprachen übertragen und mittlerweile auch verfilmt.
Ihm folgten zwei weitere Bücher, Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid sowie Britt-Marie war hier, welche ebenfalls international erfolgreich sind.
Er lebt zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Nähe von Stockholm.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

  • The Eyrie (englisch; 10/10 Punkte: „It’s one of the best books I’ve ever read. Highly, highly recommended.“)
  • Bookshelf Fantasies (englisch; „[…] by the end I was hopelessly caught up in the emotional impact of the story and very much invested in Ove and his ragtag gang of neighbors and partners in crime, so to speak.“)
  • Literatwo („[…] ein poetischer, magischer Roman voll von schwarzem Humor.“)

Bildquelle Cover: Sceptre Books
Bildquelle Häuserreihe: Dreamstime
Bildquelle Autor: Simon & Schuster

A Very Special Cat

James Bowen was living hand to mouth in London, busking on the streets to earn a bit of money, when one day he stumbled upon a rather dishevelled ginger cat. He made sure the cat had no owner and then took him in and gave him a name: Bob.
From then on the two were practically inseparable. They soon established a Routine, James carrying him along when playing his guitar on the streets and Bob becoming well known to locals and foreigners. Other then attracting the attention of by-passers, Bob also helped James to get his life back on track.

You can take the cat off the street, but you can’t take the street out of the cat.
– p. 186

I’m a cat person: I’ve always preferred them to dogs and I think they are way cuter than the canine version of pets. This book and I did actually crossed paths a few times but I never got round to buying it. My aunt changed that and gave it to me for my birthday.
I nearly inhaled it: it’s a sometimes heartbreaking, sometimes funny and always hopeful story with a sympathetic human and a lovable cat as protagonists.
Especially the cat basically sneaked itself into my heart and I loved to read about all the little adventures Bob and James had together.
Even though the book is easy to read and not very long it has got a few important messages.

First and foremost: life on the streets is hard (just in case you weren’t aware). James describes his work as a busker (basically a street musician) and the dismissive reaction he got from a majority of by-passers before Bob joined him.
According to James Bob changed a lot of things in his life, mostly people’s attitude towards him. Bob made peolpe stop to talk with James – mostly about Bob – and he made James look nicer. Apparently it got easier to walk up to James and maybe he wasn’t just a nuisance anymore but an actual human being.

People don’t want to listen. […] Having Bob there gave me a chance to interact with people.
– p. 91

Apart from other’s people opinion Bob also changed James‘ attitude towards his own life. In the book James does not only write about his life with Bob but also about his life before Bob, especially how he came to live on the streets of London. That story includes about everything one can think about: drugs, homelessness, minor crimes, which all adds up to kind of a vicious circle.
It was interesting to read about James‘ life but also a bit unsettling for me. I always thought that teenagers or young adults who end up on the streets come from a bad and/or socially disadvantaged background. But that’s not the case with James: especially his mom earns a lot of Money and can probably be described as wealthy. This still doesn’t save her son from sliding into drug abuse and a rather unhappy life.

But with Bob he feels he has a responsibility to get his life back on track and he starts fairly soon with that. He got in touch again with his parents, even visited his mother in Australia, got a job at a London street magazine (comparable to Trott-war in Stuttgart) and decreased his intake of drugs.
This part of the story was really inspirational and ultimately shows what a huge impact Bob had. For James the arrival of Bob was a little miracle and it’s not about the fact that he earned more money because of him. It’s about the fact that Bob is the reason for James to – above all – live a better life but also to be viewed as a valuable human being and not a beggar by other people.

Living on the streets of London strips away your dignity, your identity – your everything, really. Worst of all, it strips away people’s opinion of you.
– p. 33

What I found most impressive really was James‘ fight to get away from drugs. I’m happy to say that I have no drug habit at all (if you don’t count books, at least 😉 ) and I never really understood why it’s so hard to get away from it again. James describes his way out in a way that made me understand, even though I never went through that experience (and hopefully never have to).

I can only recommend this book, especially to all the cat lovers among you. Bob is indeed a very special cat and it’s been a lot of fun to read about him. But the book is also inspirational regarding the way Bob changes James life.

Thanks to [Bob] I’d rediscovered the good side of human nature. I had begun to place my trust – and faith – in people again.
– p. 186

About James Bowen:
Bowen, born 1979 in Surrey, GB, moved to Australia with his mother after his parents‘ divorce, but later returned to Great Britain to live with his half-sister. The situation did not work out though and he became homeless. Bowen started to take heroin during that period, later worked as a busker and enrolled in a methadone program to get away from heroin.
He met Bob in 2007 and the two of them soon became famous because of people uploading videos of them onto YouTube and later attracted the Attention of the Islington Gazette. His first book, A Street Cat Named Bob, was written together with Garry Jenkins and published in 2012. Seven more books about Bob were written over time and there is a film adaption about the first one now.
Source: Wikipedia

The Bob-series:

  1. A Street Cat Named Bob
  2. The World According to Bob
  3. Bob: No Ordinary Cat (A Street Cat Named Bob rewritten for children)
  4. Where In The World Is Bob? (picture book)
  5. My Name Is Bob (picture book for young children)
  6. For the Love of Bob (sequel to Bob: No Ordinary Cat)
  7. A Gift From Bob (short story)
  8. Bob to the Rescue (picture book for young children)

More opinions about the book:

  • The Concious Cat („I wasn’t prepared for just how much I loved it“; includes the book trailer)
  • The Book Coop („It’s a sweet and heart warming book about friendship between human and animal“; a little video of Bob and James is included)
  • Leselurch (5/5 Lurche; „ein herzerwärmendes Buch über zweite Chancen, das sich den Bestseller-Status absolut verdient hat“)

Image source cover: Hodder
Image source cat-silhouette: Pinterest
Image source butterfly-silhouette: Freepik
Image source James Bowen & Bob: Islington Gazette

 

Rezension – Das Jahr, in dem ich dich traf

Jasmine ist eine echte Arbeitsbiene. Als sie plötzlich für ein Jahr freigestellt wird, weiß sie daher nicht so recht, was mit sich anzufangen und verzweifelt an ihrer Situation. Doch dann sieht sie zum ersten Mal Matt, den Nachbarn von gegenüber, und beginnt, ihn zu beobachten. Daraus entwickelt sich ein Jahr angefüllt mit Freundschaft, nächtlichen Unterhaltungen und Überraschungen, die noch lange nachwirken werden und Jasmine verändern.
LESEPROBE (pdf)

Dieses Buch habe ich unmittelbar nach meiner Rückkehr aus England gekauft. Es war ein absoluter Spontankauf; ich habe auf eine Freundin gewartet, mir die Zeit im Buchladen vertrieben und selbstverständlich wollte ich nur mal kucken. Letztendlich durfte dieses Buch dann doch in meine Tasche wandern. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es mich heute noch so ansprechen würde, wie es zu dem Zeitpunkt tat, aber die ersten beiden Zeilen auf der Rückseite des Buches hatten mich sofort in ihren Bann gezogen:

Das Jahr, in dem sich mein Leben veränderte.
Das Jahr, in dem ich zu mir fand.

In diesem Buch bezieht sich das natürlich auf ein ganz anderes Thema, aber sie haben mir dennoch so sehr aus der Seele gesprochen, dass ich dem Buch nicht widerstehen konnte.
Das mag sich vielleicht überzogen und kitschig anhören, aber so ging es mir nach dem Jahr in England. Mein Leben hat sich verändert, vor allem, da ich mich verändert habe. Ich habe eine ganz gehörige Portion Selbstvertrauen hinzugewonnen und viele meiner Ansichten zu den unterschiedlichsten Themen (Fremd sein, Reisen, Familie, Politik, Kinder, …) waren nicht mehr die Gleichen. Umso merkwürdiger war es dann, zurückzukehren nach Deutschland, wo sich, zumindest privat, kaum etwas verändert hatte. Teilweise habe ich mich nahezu fremd in der eigenen Familie gefühlt, weil ich einfach nicht mehr die selbe Celina war wie zu Beginn meines AuPair-Jahres. Aber ich habe mich seitdem auch mehr wie ich selber gefühlt – zu mir gefunden.
Ihr könnt euch also vielleicht vorstellen, wie sehr mich die zwei obigen Zeilen angesprochen haben.

Letzten Endes ist es dann trotzdem ein ganzes Weilchen liegen geblieben, bevor ich es nun endlich gelesen habe. Und dafür könnte ich mir selbst in den Allerwertesten beißen, denn dieses Buch hat mir super gefallen!
Das hängt zu einem großen Teil mit Jasmine zusammen. Zu Beginn war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich sie nun leiden kann oder nicht, denn viele ihrer Aussagen und Handlungen fand ich einfach nur merkwürdig. Sie ist wie einer dieser Menschen, die man besser kennen lernen muss, um sie zu mögen und wertzuschätzen. Zumindest ging es mir so, denn nachdem ich ein Weilchen gelesen hatte, konnte ich mich oftmals in ihr wiederfinden.

Mein Stolz. Der so leicht zu verletzen ist. Ich will keine Hilfe, ich hasse das. Ich muss alles allein erledigen, immer.
– Jasmine Butler, S. 49

Unter anderem ist sie gegenüber ihrer Schwester Heather sehr beschützend und fürsorglich und mit dieser kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel, die mich an diesem Buch begeistert hat. Heather hat Down Syndrom und ist so ziemlich der netteste Charakter, den man sich nur vorstellen kann.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich, von den grundsätzlichsten Grundlagen abgesehen, herzlich wenig über Down Syndrom weiß. Zudem kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie schwierig es manchmal (oder oftmals?) sein muss, einen Menschen mit Down Syndrom in der Familie zu haben. Ich weiß allerdings, dass das Syndrom unterschiedlich starke Ausprägungen hat und gehe nach den Beschreibungen von Heather stark davon aus, dass sie eine verhältnismäßig milde Form hat. Sie führt ein eigenständiges Leben mit zahlreichen Jobs und benötigt auch keinen ständigen Betreuer. Jasmine verhält sich eher wie eine ältere Schwester, aber es wird doch immer wieder deutlich, dass Heather die Ältere ist und sich um ihre kleine Schwester sorgt.

Heather hört zu, sie hört uns allen zu, denn sie ist eine kluge Frau, die sich auch andere Meinungen durch den Kopf gehen lässt.
– S. 176

Ich kann nur für mich sprechen (und lasse mich gerne korrigieren), aber Ahern ist es auf jeden Fall gelungen, mir einen Spiegel vorzuhalten. Als Jasmine vom Verhalten anderer Leute gegenüber ihrer Schwester berichtet, wurde mir klar, dass auch ich mich oftmals so verhalten habe. Ich neige ebenfalls dazu, diesen das Label „Down-Syndrom“ zuzuteilen und nicht wirklich darüber hinauszuschauen. Um ehrlich zu sein, bin ich teilweise erschrocken, wie zutreffend die Beschreibungen waren. Insofern ist das Buch für mich auf jeden Fall ein Anstoß, mich in dieser Hinsicht in Zukunft anders zu verhalten.

Ein weiterer Pluspunkt neben den toll herausgearbeiteten Charakteren ist die Geschichte selbst. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Story und Jasmine haben sich ganz anders entwickelt, als ich es erwartet habe. Das hat mich in diesem Fall keineswegs enttäuscht, sondern im Gegenteil noch mehr für das Buch eingenommen. Obwohl man vom Cover und Klappentext her eine 08/15-Liebesgeschichte erwarten kann, ist sie das in meinen Augen keineswegs. So hat mich das Buch auch in dieses Hinsicht absolut positiv überrascht.
Natürlich ist die Geschichte nicht actionreich aufgeladen, sie folgt auch nur bedingt dem typischen Spannungsbogen. Das hat mir aber ziemlich gut gefallen, da mir das Buch dafür umso realistischer vorkam. Es würde mich gar nicht wundern, wenn in Irland (oder Frankreich, Deutschland, …) irgendwo eine Jasmine sitzt und sich einen Haufen Gedanken über ihr Leben macht.

Ich kann Das Jahr, in dem ich dich traf nur empfehlen: eine schöne Geschichte mir der ein oder anderen Überraschung, die sich ganz anders entwickelt als erwartet. Perfekt für schöne Frühlings- und Sommertage, um den Tag im Liegestuhl zu verbringen und sich von Ahern nach Irland entführen zu lassen.
Wer allerdings spannungsgeladene Szenen, knisternde Erotik und herumstiebende Schmetterlinge und Herzchen erwartet, sollte von diesem Buch lieber die Finger lassen.

Über Cecelia Ahern:
Ahern wurde 1980 in Dublin geboren, wo sie auch Journalismus und Medienkommunikation studierte. Ihr erstes Buch, P.S. Ich liebe dich, erschien 2004 und wurde prompt zum Bestseller. Mittlerweile wurde es in 15 Sprachen übersetzt, zudem gibt es eine Verfilmung, welche allerdings nur grob auf dem Buch basiert.
Auch die folgenden Bücher der Autorin konnten sich jeweils für mehrere Wochen in den Bestsellerlisten vieler Länder halten und erreichten zum Teil auch Platz 1.
Zusammen mit ihrem Mann hat Ahern zwei Kinder.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

  • A Book Love (3/5 Herzen; „Idee des Romans zwar sehr schön, aber nicht optimal umgesetzt“)
  • Buntes Tintenfässchen (4/5 Bildchen; „ein bisschen mehr Drama hätte die Ge- schichte doch vertragen können“)
  • Lesemomente (8/10 Sterne; „ein wundervolles Buch, klug und wichtig“)
  • Storytime (5,5/6 Wombats; „eine Geschichte, die von einem Jahr erzählt, das einen Lernen lässt über das Leben und die Liebe“)

PS: Wenn ihr Ahnung von dem Thema und das Buch bereits gelesen habt, dürft ihr mir auch gerne schreiben, wenn das Down Syndrom nicht richtig wiedergegeben wurde oder ich vielleicht etwas im Bezug dazu falsch dargestellt habe!


Bildquelle Cover: S. Fischer Verlag
Bildquelle Glockenblume: Gartenanlegen.net
Bildquelle Autorenbild (von Gaby Gerster): Lesering