Rezension – Abgeschlagen

Vielen Dank an Midnight by Ullstein und NetGalley.de für dieses Rezensionsexemplar!
Zur Verlagsseite

Endlich haben es Lissie Sommer und „ihr“ Kommissar Sebastian Loch zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Golfklub geschafft, als sie sich genau dort an einem Tatort wiederfinden. Eines der Clubmitglieder wurde mit einem Golfschläger ermordet. Natürlich kann Lissie da nicht stillhalten, sondern nimmt eigene Ermittlungen auf – auch, um ihren Sebastian schnell wieder für sich zu haben.

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, wurde es als „Cosy Crime zum Schmunzeln“ beworben. Das hat mir sehr zugesagt, da ich ein großer Fan des Cosy Crime bin und solche Bücher sehr gerne lese.
Für mich ist immer wichtig, dass es zwar nicht zu blutig und actiongeladen zugeht, aber Spannung muss sich dennoch einstellen. Diese Balance zu finden, gelingt nicht immer – Katrin Schön hat das aber gut hinbekommen.
Mein größter Kritikpunkt sind die Beschreibungen, in welchen sich die Autorin hier ergeht. Bis ins letzte Detail lässt sie sich über die Landschaft und – das besonders gern – die Kleidung der Personen aus. Ärgerlich daran war zum einen, dass diese meist komplett unnötig waren, zum anderen haben sie mir oftmals die Spannung genommen.

Davon einmal abgesehen, hat mir vieles richtig gut gefallen! Ganz oben auf der Liste stehen die Charaktere. Nachdem ich über die ausführlichen Beschreibungen hinweggekommen bin, waren mir insbesondere Lissie und Sebastian, „ihr“ Kommissar, sehr sympathisch.
Die beiden passen als Ermittlerduo gut zusammen. Während Lissie sehr auf ihren Bauch hört, neugierig ist und sich daher gerne in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, achtet Sebastian schon eher auf Vorschriften – schließlich muss er sich dann auch mit den Konsequenzen herumschlagen. So kann er die impulsive Lissie zurückhalten, wenn sie wieder einmal über die Stränge schlägt, aber sie kann auch Dinge ins Laufen bringen, weil sie ihrer Nase folgt.

Ich weiß, was ich will. Und meistens will ich es jetzt.
– Lissie Sommer, Pos. 618 Kindle-Edition

Zudem, wie oben schon einmal angesprochen, wird dieses Buch nicht zu blutig, sondern ist wirklich ein COSY Crime, das zudem das Versprechen hält, mich zum Schmunzeln gebracht zu haben. Lissie mit ihrer Ungeduld und Sebastian mit seiner oftmals grummeligen Reaktion darauf haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Ich fand es auch schön, dass im Buch deutlich wird, wie sehr Lissie Sebastian am Herzen liegt, ohne das daraus ein Tara gemacht wird. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden stiehlt der Kriminalgeschichte nicht die Schau, sondern trägt eine leichte und witzige Note zum Buch bei.

Insgesamt haben mich zwar die vielen ausführlichen Beschreibungen immer wieder irritiert, dennoch ist dieses Buch spannend, ohne in einen Thriller umzuschlagen, und witzig – genau so, wie ein gutes Cosy Crime sein sollte.

Golf ist keine Frage von Leben und Tod – Golf ist wichtiger.
– Pos. 740 Kindle-Edition

Über Katrin Schön:
Schön wuchs in Hessen auf und machte zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Danach studierte sie Publizistik in Bochum, arbeitete einige Zeit in Hamburg und wurde dann Pressesprecherin in Köln. Dort lebt sie seit mittlerweile 9 Jahren, zurzeit geht sie einer Tätigkeit als Projektmanagerin nach.
Ihr Debüt Ausgeplappert, der erste Lissie-Sommer-Krimi, erschien 2015.
Quelle: Buch

Weitere Meinungen zum Buch:

Bildquelle Cover: Ullstein
Bildquelle Golfspielerin: Golf und Günstig
Bildquelle Autorenfoto: Facebook-Seite von Katrin Schön

Advertisements

Rezension – Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Vielen Dank an NetGalley.de und List/Ullstein für dieses Rezensionsexemplar!
Zur Verlagsseite

Vor vielen Jahren verlor Anthony Peardew ein Schmuckstück seiner großen Liebe. Seitdem sammelt er alle verlorenen Gegenstände, die er auf der Straße findet, etikettiert sie und nimmt sich fest vor, diese einmal an die Besitzer zurückzugeben. Doch er selbst findet das verlorene Medaillon, das ihm so wichtig ist, nicht. Schlussendlich muss er seine Aufgabe an seine Erbin Laura weitergeben, die plötzlich mit einem ganzen Haufen verlorener Dinge vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe steht.

Bereits als ich zum ersten Mal den Klappentext des Buches gelesen habe, fand ich die Idee dahinter richtig interessant. Sie hörte sich nach etwas außergewöhnlichem an und ich war gespannt, wie sich diese Geschichte entwickelt.
Zunächst ist es mir allerdings überraschend schwergefallen, in das Buch zu finden. Das lag nicht am Schreibstil, denn den fand ich durchgehend angenehm und gut zu lesen.
Schon recht früh wird allerdings ein zweiter Handlungsstrang eingeführt. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, es nervt mich allerdings, wenn ich nicht einordnen kann, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen und diese Frage löst sich hier erst zum Ende des Buches hin auf.

Dieses kleine Manko wird allerdings durch viele positive Dinge wettgemacht, sodass mich das Buch letztendlich doch überzeugen konnte.
Zunächst einmal sind da die Charaktere. Diese habe ich schnell ins Herz geschlossen, auch wenn sie sich nicht durchgehend von ihrer freundlichen Seite zeigen. Zugegebenermaßen hat mir auch das zugesagt, da sich im echten Leben niemand jederzeit nur von seiner Schokoladenseite zeigt. Die Personen haben dadurch viel realistischer gewirkt, man konnte sich dementsprechend besser mit ihnen identifizieren. Die Figuren sind gut herausgearbeitet, es wird nicht Zuviel verraten. So kann man sich sein eigenes Bild von ihnen machen. Hogan ergeht sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung, jeder kann daher der eigenen Fantasy laufen lassen.
Die „Bösewichte“ waren zwar ein wenig überspitzt dargestellt, doch haben sie einige Lacher ins Buch gebracht und sind nicht zu klischeehaft geworden, um sie zu ertragen.

Padua war mehr als nur ein Haus; es war ein sicherer Ort, um zu heilen. Eine Zuflucht, um Wunden zu lecken, Tränen zu trocknen und Träume zu erneuern – wie lange es auch dauern mochte. Wie lange, bis ein zerbrochener Mensch stark genug war, sich der Welt erneut zu stellen.
– Anthony Peardew, Pos. 651 Kindle-Edition

Auch die Handlung konnte mich überzeugen. Es ist ein eher ruhiges Buch, aber die Geschichte entwickelt sich auf so natürliche Art und Weise, dass man fast glauben könnte, sie ist wirklich passiert. Jede neue Entwicklung und Handlung ist nachvollziehbar und verständlich.
Dazu trägt insbesondere bei, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichtet wird. Hauptsächlich berichtet zwar Laura, aber nahezu jeder andere Charakter im Buch kommt ebenfalls einmal zu Wort.
Gut gefallen hat mir auch, dass Ruth Hogan einige Themen einbringt, die eher traurig und nachdenklich stimmen. Dennoch ist es kein düsteres Buch, stattdessen zeigt es zahlreiche Dinge auf, die das Leben schön machen. Diese sind teilweise wirklich groß und lebensverändernd, manchmal aber auch nur ganz klein, beispielsweise eine gute Tasse Tee mit Freunden.

Insgesamt konnte mich dieses Buch trotz der Startschwierigkeiten überzeugen, es hat jede Menge Spaß gemacht zu lesen. Hogan hat eine gute Idee auch noch gut umgesetzt und mir dadurch einige angenehme Stunden bereitet. Am Ende fand ich es sehr schade, mich von Laura und all den anderen liebenswerten Personen verabschieden zu müssen.

Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen.
– Anthony Peardew, Pos. 1180 Kindle-Edition

 

Über Ruth Hogan:
Hogan studierte Englisch und Schauspiel und arbeitete danach zehn Jahre lang in einer Kommunalverwaltung im Bereich Human Resources. Mit Anfang Dreißig hatte sie einen Autounfall, der es ihr unmöglich machte, weiterhin in Vollzeit zu arbeiten. In der freien Zeit widmete sich daher dem Schreiben. Dies intensivierte sich nach einer Krebserkrankung im Jahr 2012, durch welche sie zahlreiche schlaflose Nächte hatte. In dieser Zeit entstand Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge, ihr Debütroman.
Mit ihrem Mann und zahlreichen Hunden lebt sie in einem viktorianischen Haus in Bedford, inmitten zahlreicher Fundstücke – mit ihren Worten: „treasures (or ‘junk’ depending on your point of view)“.
Quelle: Ullstein, Hogans Website

Weitere Meinungen zum Buch:
  • Book Broker („[…] eine durchaus nette Erzählung mit einer interessanten Handlungsstruktur, allerdings kommt man beim Lesen nicht so richtig in Fahrt“)
  • Bella’s Wonderworld (4/5 Grinsekatzen; „Ruth Hogan erzählt in ihrem Debütroman „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ eine hübsche und leicht romantische Geschichte die zum träumen einlädt.“)
  • Nicoles Bücherwelt (5/5 Sterne; „Ein wundervoller Roman – sehr schön und warmherzig geschrieben“)

Bildquelle Cover: Ullstein Buchverlage
Bildquelle Rose: Pinterest
Bildquelle Autorenfoto: Hogans Website

Rezension – Die Wahrheit über Donald Trump

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Die Wahrheit über Donald Trump | Michael D’Antonio | Econ | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Never Enough. Donald Trump and the Pursuit of Success | Übersetzer: Bettina Engels, Norbert Juraschitz, Karsten Petersen, Thorsten Schmidt | erschienen 2015
Hardcover: ISBN 978-3-430-20221-3 | 24 €
E-Book: ISBN 978-3-843-71368-9 | 19,99€

Michael D’Antonio widmet sich in diesem Buch den Facetten, die den Mann Donald J. Trump ausmachen, lässt Wegbegleiter und Donald Trump selber zu Wort kommen. Das Buch behandelt seine Herkunft ebenso wie sein Aufwachsen und geht auch auf aktuelle Entwicklungen ein. Nachdem Trump nun Präsident der USA ist, wird es umso wichtiger einen ehrlichen Blick auf diesen Mann werfen zu können.

Vom Ullstein-Verlag wurde dieses Buch zusammen mit zwei anderen empfohlen, um die USA besser zu verstehen. Das war noch im Vorfeld der Wahlen und – ähnlich wie der Brexit – hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es schon keinen Präsidenten Trump geben wird. Nachdem mir Fremdes Land Amerika richtig gut gefallen hat, wandte ich mich nun der Trump-Biographie zu. Ehrlich gesagt finde ich es nicht so gut, als Buch über Hillary Clinton eine Autobiographie vorzuschlagen – objektiv ist die sicher nicht.

Seit etwas mehr als einer Woche ist Trump nun Präsident und da erscheint es mir umso wichtiger, etwas über Donald J. Trump zu wissen.
In meinen Augen gelingt es Michael D’Antonio gut, einen vorurteilsfreien Blick auf Trump zu werfen. So lässt er, wie erwähnt, viele Wegbegleiter Trumps zu Wort kommen. Neben Trump selber, mit dem er fünf Interviews geführt hat, hat er auch mit dessen beiden Ex-Frauen gesprochen, ehemalige Mitarbeiter kommen zu Wort, aber auch kritische Stimmen fließen ein. Dazu zählen beispielsweise ehemalige Widersacher auf politischer Ebene, aber auch Bürger, die sich gegen Trump gestellt haben oder immer noch stellen. Insofern hatte ich das Gefühl, dass D’Antonio sich wirklich alle Mühe gegeben hat, Trump mit seinen verschiedenen Facetten darzustellen.

Wie ein beleidigter Teenager hatte Donald Trump beschlossen, nie wieder mit mir zu reden.
– Erster Satz im Buch, S. 9

Mir wäre es nie gelungen, dieses Buch zu schreiben und dabei objektiv zu bleiben. Ich denke, es stimmt, wenn ich sage, dass Michael D’Antonio kein besonders großer Fan Trumps ist. Aber dennoch habe ich am Ende des Buches das Gefühl, einen ehrlichen Bericht über Trump gelesen zu haben.
Hauptsächlich konzentriert sich das Buch darauf, den Werdegang Trumps zu beschreiben, seine Erfolge ebenso wie Misserfolge und deren Hintergründe, und das Phänomen „Trump“ zu erklären. So dreht es sich oftmals darum, wie Trump es über Jahrzehnte schaffte, in der Öffentlichkeit zu bleiben. Dabei geht D’Antonio auch auf allgemeine Entwicklungen in Amerika ein, zum Beispiel was einen „Celebrity“ ausmacht.
Ebenso werden Entwicklungen im Privatleben Trumps beleuchtet, meistens aber auch im Hinblick auf die Auswirkungen, die diese auf sein Geschäftsleben und sein öffentliches Bild hatten.

Der Ruhm der Gegenwart ist eine Droge, und für den nächsten Schuss ist ein Süchtiger zu fast allem bereit. Und dazu gehörte auch, dass man der hungrigen Meute immer neue Brocken hinwarf, um wichtig zu bleiben.
– S. 331

Ich wusste nie, ob ich nun lachen oder weinen soll, wenn D’Antonio Trumps Aussagen einem Art Fakten-Check unterwirft. Dabei greift er Aussagen, die Trump auch heute noch gerne wiederholt, auf, wenn der Autor über die Zeit berichtet, auf die Trump sich bezieht. Spontan fällt mir keine Gelegenheit ein, bei der D’Antonio die Aussagen als uneingeschränkt wahr einstuft. Oftmals kann nicht beurteilt werden, ob Aussagen der Wahrheit entsprechen, falsch sind oder nur teilweise stimmen. Aber genauso oft kommt es vor, dass man Trumps Aussagen nur als Lüge bezeichnen kann. Diese dreiste Schwindelei könnte ich zum lachen finden – bis mir einfällt, dass dieser Mann nun das höchste Amt der USA innehat. Und dann möchte ich mich zusammenkugeln und weinen.
Das einzige, was meiner Meinung nach noch genauer beleuchtet hätte werden können, ist Trumps Wandel vom Bauunternehmer und Moderator einer Fernsehshow zum Politiker. Es wird zwar beschrieben, wie sich das entwickelt, aber im restlichen Buch geht er auch auf die Motive Trumps ein. Das kam bei der Entwicklung zum Politiker meiner Meinung nach zu kurz.

„Er gibt sich nicht allein mit einem Profit zufrieden. Er muss mehr bekommen. Sonst hat die Sache keinen Reiz.“
– Wayne Barrett (Journalist), S. 228

Die Wahrheit über Donald Trump konnte ich nicht in einem Rutsch lesen. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt und mich anderen Büchern zugewandt (ich habe abnormal viele seichte Liebesromane nochmals gelesen, weil ich das Gefühl hatte, mir wird der Kopf sonst zu schwer). Das lag nicht an D’Antonios Schreibstil, den ich als sehr angenehm empfand, sondern am Thema. Regelmäßig hat es mich einfach krank gemacht, von Trumps (meist dubiosen) Machenschaften zu lesen, und daran zu denken, dass dieser Mann nun eines der mächtigsten Länder der Welt führen wird. Skrupellos nutzt er alle Möglichkeiten aus, seine Anwälte finden noch das kleinste rechtliche Nadelöhr und wenn man nicht seine Mittel hat, sowohl monetär als auch personell, kann man Trump offenbar nur mit reinem und heftigstem Trotz widerstehen. Kleinste Fehler seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner werden gnadenlos und ohne Rücksicht ausgenutzt.  Immer wieder wird erwähnt, dass Trump „Gerichtsprozesse wie Waffen einsetzt“ (S. 9) – die meisten Menschen haben einfach nicht die Möglichkeit, ihm auf dieser Ebene lange zu widerstehen, allein was die Kosten eines Verfahrens angeht. Wer sich ihm und seinen Plänen entgegenstellt, wird eingeschüchtert, bedroht oder diffamiert. Eigentlich reichen fast schon die ersten zwei Seiten, um zu wissen, mit was für einer Person man es in Form von Trump zu tun bekommt.
Als eine der häufigsten Charakterbeschreibungen wird durchgehend im Buch das Wort „narzisstisch“ benutzt – keinesfalls nur von Seiten des Autors, sondern auch von Journalisten, die über ihn schrieben, Psychologen, die sich mit ihm beschäftigten, und allerlei Personen, die näher mit Trump zu tun hatten.
Vielleicht die einzig gute Eigenschaft, die er hat, zumindest die einzige die immer wieder erwähnt wird und mir daher noch im Gedächtnis ist, ist seine Loyalität.

„Er erwartete Loyalität von mir, aber er war im Gegenzug auch loyal.“
– Robert Utsey (Trumps erster Bodyguard und Chauffeur), S. 190

Davon einmal abgesehen gibt es aus den 70 Jahren dieses Menschen nur wenig positives zu berichten, dafür vieles, wodurch bei mir die Galle hochkam.

Ich halte dieses Buch in der heutigen Zeit für eine wichtige Lektüre. Es gibt einem eine Ahnung davon, wer der Mann an der Spitze der USA ist, mit wem wir es also die nächsten vier Jahre zu tun haben. Trump macht es einem schwer, eine positive Meinung über ihn zu haben und meine – negative – Meinung über ihn wurde durch dieses Buch eher noch verstärkt. Ich bin ehrlich genug zu sagen, dass mir ein Buch, das ihn in den Himmel lobt, wenig bis gar nicht gefallen hätte. Aber letztendlich habe ich das Gefühl bekommen, dass Michael D’Antonio eine objektive Biographie geschrieben hat – was fast schon ein kleines Kunststück ist.

Er selbst, Trump, […] besaß die Eignung zum Präsidenten, weil er als Geschäftsmann Erfolg gehabt hatte.
– S. 421

goldene_SterneÜber Michael D’Antonio:
D’Antonio wurde in New Hampshire geboren und wuchs dort auf. Er hat jahrelang für verschiedene Magazine gearbeitet, unter anderem The New York Times Magazine, und gewann 1984 im Team mit anderen Journalisten den Pulitzer-Preis. Mittlerweile widmet er sich vollständig dem Schreiben von Büchern. Diese wurden bereits mehrmals zu den „Besten Büchern des Jahres“ ernannt, unter anderem von The New York Times oder The Chicago Tribune.
Er lebt zusammen mit seiner Frau auf Long Island.
Quelle: Website des Autors

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Fremdes Land Amerika

Quelle: Ullstein
Quelle: Ullstein

Fremdes Land Amerika | Ingo Zamperoni | Ullstein | erschienen 2016
Hardcover: ISBN 978-3-550-08142-2 | 20.-€
E-Book: ISBN 978-3-843-71440-2 | 16.99€
Leseprobe

Ingo Zamperoni, unter anderem durch seine Arbeit als USA-Korrespondent des ARD zum USA-Kenner geworden, versucht mit diesem Buch eine Brücke zwischen Deutschland und Amerika zu schlagen. Er geht auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede ebenso ein, wie auf die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen und wie sie sich in Zukunft verändern werden.

Ein Land, gefühlt auf Abwegen, verängstigt, orientierungslos – das Selbstbewusstsein der USA hat gelitten.
– 7% Kindle-Edition

Für Deutschland sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen ein zentraler Bestandteil von Politik und Wirtschaft und auch zukünftig ein wichtiger Faktor. Wie in Amerika gewählt wird, betrifft die ganze Welt. Und nicht nur daran zeigt sich, dass amerikanische Angelegenheit sehr oft weltweit Auswirkungen haben. Dementsprechend wichtig erscheint es mir, sich über dieses Land zu informieren und auch, wie sich die Beziehungen dazu in Zukunft gestalten werden. Dieses Anliegen von mir hat nach der Wahl Trumps zum 45. US-Präsidenten an Dringlichkeit nur zugenommen.
Mit Fremdes Land Amerika hat man ein Buch in den Händen, dass es schafft, einen Überblick über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in den USA zu geben, dabei die Mentalität der Amerikaner besser zu erklären und doch auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika nicht aus den Augen zu verlieren.

Nachhaltige Veränderung beginnt im Kopf.
– 16% Kindle-Edition

Mir hat gut gefallen, dass Zamperoni auf viele Mechanismen in den USA, wie zum Beispiel das Wahlsystem, eingeht, denn oftmals erschließen sich diese nicht auf den ersten Blick, gleichzeitig haben sie aber große Auswirkungen auf das Land – das sieht man gerade wieder mit dem Wahlsystem und der aktuellen US-Wahl.
In diesem Zusammenhang geht er eben auch auf die Mentalitäten der Amerikaner ein, die uns eher selten einleuchten, sei es nun in Bezug auf Waffengesetze oder Obamacare. Ihm geht es aber nicht darum, aufzuzeigen, wo die Amerikaner (zumindest aus deutscher Sicht) an sich arbeiten müssten und wo die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland liegen. Er zeigt auch viele Beispiele auf, an denen Deutschland sich orientieren und an sich arbeiten könnte und sollte – beispielsweise die höhere Bereitschaft zu spenden und in der Nachbarschaft zu helfen.
Ihm geht es vielmehr darum, die Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern deutlich zu machen und dadurch auch deutlicher zu machen, dass wir auch in Zukunft und auch unter einem Präsidenten Trump zusammenarbeiten müssen. Anders sind internationale Krisen nicht in den Griff zu bekommen. Und auf Grundlage einer gemeinsamen Basis arbeitet es sich besser zusammen, als wenn man keinerlei Berührungspunkte hat.

Je verflochtener wir sind, desto sicherer leben wir. Lassen wir dagegen unsere Ängste vor der Bedrohung durch andere zu und schüre Isolationismus, können wir nur verlieren.
– 65% Kindle-Edition

Viele dieser Gemeinsamkeiten haben mich auch erschreckt, denn sie zeigen, dass in den Zeiten von Flüchtlingskrise und zunehmendem Nationalismus ein Rechtsruck, wie er sich mit der Wahls Trumps gezeigt hat, auch in Deutschland im Bereich des Möglichen liegt und wir sollten wohl erst einmal die Bundestagswahlen im nächsten Jahr abwarten, bevor wir über die Amerikaner urteilen.
Der für mich größte Pluspunkt liegt darin, dass Zamperoni immer wieder darauf eingeht, welche Auswirkungen wir in Deutschland spüren werden, bzw. wie wir auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Dadurch wird nicht nur deutlich, wie sich Amerika verändert, sondern auch, inwiefern wir das zu spüren bekommen. In meinen Augen hat es sich allein dafür gelohnt, dieses Buch zu lesen. Nach der Wahl Trumps hat mich, wie wohl viele andere auch, besonders beschäftigt, inwiefern er wohl seine Wahlversprechen wahr machen kann und macht – und wie sich das auf uns auswirkt. Dieses Buch geht darauf zwar nicht explizit ein, schließlich war Trump zum Erscheinungstermin noch gar nicht gewählt, dennoch fühle ich mich nach dem Lesen beruhigter und vor allem besser informiert. Denn es zeigt, dass Trump nicht auf alles Einfluss hat und sich auch nicht ALLE amerikanischen Entwicklungen auf uns auswirken.
Obwohl der Fokus, wie gesagt, auf der deutsch-amerikanischen Beziehung liegt, richtet Zamperoni den Blick auch nach Asien, insbesondere China. Damit bekam ich zum einen das Gefühl, dass wirklich alles abgedeckt wird, was die Amerikaner gerade bewegt. Zum anderen habe ich nun das Gefühl, die Amerikaner doch ein Stückchen besser zu verstehen – nicht alles, was man auf der anderen Seite der großen Pfütze so treibt, aber doch die ein oder andere Sache mehr als vor der Lektüre.
Zamperoni gelingt zudem das Kunststück, viele trockene Fakten und sehr ernste Themen auf vergnügliche Art zu erzählen. Er garniert die Kapitel gerne mit Erlebnissen, die er gemacht hat. Einerseits hat dies natürlich die Sache aufgelockert, andererseits hat es mir auch gezeigt, dass die Themen, die er anspricht, wirklich viele Amerikaner betrifft. Denn ganz offensichtlich wird man in Amerika tagtäglich mit den unterschiedlichen Problemen und Angelegenheiten konfrontiert. Man merkt während des Lesens, wie die deutsch-amerikanischen Beziehungen letztendlich sehr persönlich für ihn sind (seine Frau ist Amerikanerin). Dadurch hebt sich das Buch von typischen Sachbüchern ab, denn auf einer persönlichen Ebene fühle ich mich eher angesprochen und kann mich auch leichter mit der Thematik identifizieren.

Wer sich über die aktuellen Entwicklungen in den USA informieren will und einen besseren Durchblick im Bezug auf das deutsch-amerikanische Verhältnis haben will, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Wie wichtig sind uns die Umsetzung demokratischer Prinzipien, der Pressefreiheit, der Menschenrechte?
– 66% Kindle-Edition

5SterneÜber Ingo Zameroni:
Zamperoni wurde 1974 in Wiesbaden geboren. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst im Radio Klinikfunk in Wiesbaden und begann 1994 sein Studium. In Koblenz, Berlin und Boston studierte er Amerikanistik, Jura und Geschichte. Nach dem Master arbeitete er auch in Washington im ARD-Studio. Ab 2002 war er für den NDR als Reporter und Autor tätig, übernahm später auch erste Moderationen. 2012 wechselte er zu den Tagesthemen und wurde dort nach dem Ausscheiden Tom Buhrows zum regulären Moderator. Seit 2014 ist er als USA-Korrespondent für die ARD tätig, ab Herbst 2016 soll er die Moderation der Tagesthemen übernehmen.
Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet, sie haben drei Kinder.
Quelle: Buch, Wikipedia

Kaufen könnt ihr das Buch beim Ullstein Verlag oder auf bücher.de


Vielen Dank an NetGalley und den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Loney

LoneyLoney | Andrew Michael Hurley | Ullstein | erscheint im September 2016
aus dem Englischen: The Loney | Übersetzerin: Yasemin Dincer
Hardcover: ISBN 9783550081378 | €22,-
ePub: ISBN 9783843714396 | €18.99

1976 macht sich eine kleine Pilgergruppe auf den Weg nach The Loney an der nordenglischen Küste, um die heilige Anna um ein Wunder zu bitten: Hanny, der Bruder des Ich-Erzählers Tonto, soll von seiner rätselhaften Krankheit erlöst werden, die dafür sorgt, dass er stumm ist. Doch als 30 Jahre später eine in The Loney Babyleiche gefunden wird, weckt dies in Tonto Erinnerungen an diese Pilgerfahrt, über die er Jahrzehnte lang geschwiegen hat.

Zuallererst hat mich an diesem Buch das Cover angesprochen: obwohl es schlicht ist, kann man quasi das Mysteriöse fühlen. Nach der Lektüre muss ich sagen: es passt zu diesem Buch wie die Faust auf’s Auge.
Bereits von der ersten Seite herrscht eine Spannung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen und bei mir für einen massiven Buch-Hangover gesorgt hat. Diese Spannung zeigt sich nicht durch wilde Verfolgungsjagden, sondern in erster Linie dadurch, dass man von Anfang an merkt, dass da etwas passiert ist – etwas Schreckliches – und man unbedingt erfahren möchte, was dieses Etwas denn nun ist. Hurley arbeitet viel mit Andeutungen und zwischen den Zeilen steht noch einmal so viel, wie im eigentlichen Text. Dabei ist es zwar durchaus so, dass man als Leser auf die Folter gespannt wird, aber der Bogen nicht überspannt wird. So bekommt man immer mal wieder ein Häppchen hingeworfen und verliert dementsprechend auch die Lust nicht.
Für mich haben einen Reiz des Buches die Charaktere ausgemacht. So war mir beispielsweise „Mummer“, die Mutter von Henny und Tonto, von Anfang an unsympathisch. Aber sie ist nicht „die Böse“, sondern verzweifelt, und das wird in einigen ihrer Handlungen sehr deutlich. So konnte ich sie zwar bis zum Schluss nicht leiden, aber bemitleidet habe ich sie doch immer wieder. Es gibt nicht das eindeutig Böse und mit diesen ambivalenten und sehr realistischen Figuren erlebt man auch ein Wechselbad der Gefühle. Letztendlich ist die Tatsache, dass alle wichtigen Charaktere in diesem Buch nicht nur gut oder nur böse sind, eines der Dinge, welche dieses Buch so unglaublich realistisch machen.
Hinzu kommen Landschaftsbeschreibungen, die dafür sorgen, dass man ein sehr genaues Bild vor Augen hat. Das, obwohl Hurley weniger sich in Details zergeht und ellenlange Passagen über windgebeugte Hütten und Bäume schreibt, sondern es schafft, das Gefühl für diesen Ort im Leser wachzurufen. Ich kann mir gut vorstellen, dass The Loney für jeden Leser unterschiedlich aussieht, denn es geht nicht darum, wie der Ort aussieht, sondern wie er wirkt.
Neben der Frage, was es denn nun mit der Babyleiche auf sich hat und was damals passiert ist, zieht sich noch ein zweites wichtiges Thema durch das Buch: der Glaube an Gott. Mir haben die hier beschriebene Pilgergruppe und ihre Auffassung von Glauben oftmals bitter aufgestoßen. Das lag daran, dass ich kein besonders gläubiger Mensch bin und das Aufzwingen des Glaubens sowie die Auffassung von Gottes Willen, wie sie hier wiedergegeben wird, mir dementsprechend wenig zusagen. Um einiges erschreckender war für mich aber, dass es so unglaublich realistisch wirkt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass es genau so geschehen ist.

Loney hat mich sehr gefesselt, besonders durch Protagonisten, die realistischer nicht sein könnten, und Hurleys Gabe, viel mehr zu sagen, als eigentlich da steht – und dadurch Spannung aufzubauen, die das Buch zu einem echten Pageturner und einer riesigen Leseempfehlung machen.

„Der Tod [hat] das Timing eines grottenschlechten Komikers.“
– Father Bernard

5Sterne

Über Andrew Michael Hurley:
Hurley wurde 1975 geboren und lebte in Manchester und London, bevor er nach Lancashire zog. Dort unterrichtet er  englische Literatur und kreatives Schreiben.
2014 erschien sein Debütroman The Loney bei einem kleinen Verlag, Tartarus Press, mit einer Auflage von 300 Exemplaren. 2015 gewann das Buch den Costa Book Award.
Quellen: Foyles & Wikipedia

Mehr Informationen zum Buch gibt es auf der Seite des Ullstein-Verlags.


Vielen Dank an NetGalley und den Ullstein-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!